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Die Geschichte von Existenzgründer Li Gejing

Von Liang Xiao  ·   2018-08-10  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Reform;Existenzgründer;Öffnung
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„Ich weiß nicht, ob Leute wie ich, die 1978 geboren sind, alle ein Krisengefühl haben. Die chinesische Gesellschaft hat sich in den letzten 40 Jahren so schnell verändert, dass man nicht mit der Zeit Schritt halten kann, wenn man auch nur für einen Augenblick stillsteht.“ Das Wort Krisengefühl hat Li Gejing, Mitbegründer und Geschäftsführer von Qingxi Kultur Kommunikation Co., Ltd, beim Interview mehrmals erwähnt. Als ein „Seriengründer“ (dh. Existenzgründer, die mehrere erfolgreiche oder gescheiterte unternehmerische Existenzgründungsprojekte betrieben haben) glaubt Li Gejing, dass genau dieses Krisengefühl die Existenzgründer dazu ermutigt, jeden Tag neues Wissen anzueignen. Selbst wenn das Projekt scheitert, werden sie niemals hinter der Zeit zurückbleiben. 

 

Mitbegründer und Geschäftsführer von Qingxi Kultur Kommunikation Co., Ltd (Foto: Shi Gang / Beijing Rundschau) 

Im Juli 1978 wurde Li Gejing in eine Militärfamilie in der Stadt Zhengzhou in der Provinz Henan geboren. Anfang der 1980er Jahre wurde die Familienplanung zu einer grundlegenden nationalen Richtlinie Chinas: Li Gejing gehört dementsprechend Chinas erster Generation an, welche die wirtschaftlichen Vorteile genießen konnte, die durch die Reform und Öffnung für jede gewöhnliche Familie in China entstanden sind, und ist somit in einem verhältnismäßig sehr freien  Umfeld aufgewachsen. Am Gymnasium hat Li Gejing, der seit seiner Kindheit gerne malt, beschlossen, Kunstdesign an der Universität zu studieren und wurde später vom Beijing Institut für Graphische Kommunikation zugelassen. 

Nach seinem Hochschulabschluss im Jahr 2002 entschied sich Li Gejing, dem Rat seiner Eltern zu folgen und begann die Arbeit als Redakteur in einem Verlag. Damals war dieser Job in den Augen vieler Menschen „sehr beneidenswert“: Der Verlag konnte ihm eine Planstelle und Haushaltsregistrierung in Beijing zur Verfügung stellen, zudem war die Verlagsbranche zu dieser Zeit relativ vielversprechend. Li Gejings Zukunft schien rosig zu sein.  

Für Li Gejing war der Job jedoch eher langweilig: „Es gab besonders viel wiederholte Arbeit, und die Löhne wurden nicht entsprechend der Arbeitsleistung berechnet. Egal wie viel Arbeiten getan werden mussten, das Gehalt blieb immer gleich.“ Er erinnerte sich, dass sein monatliches Gehalt bei seiner ersten Arbeit etwa 1600 Yuan (umgerechnet rund 200 Euro) betrug. Obwohl sein Gehalt im Vergleich mit dem derzeitigen Preisniveau nicht niedrig war, war das Einkommensgefälle zwischen ihm und seinen Mitstudenten, die in ausländischen Firmen arbeiteten und ein Monatsgehalt von 5000 bis 8000 Yuan (umgerechnet rund 600 bis 1000 Euro) hatten, immer noch sehr groß.  

Was Li wirklich veranlasste, sich aus dem Verlag zurückzuziehen, war ein Gespräch mit einer Arbeiterin in der Druckerei im Jahr 2005. In den frühen 2000er Jahren, als die Verlagsbranche in China florierte, erlebte die damit verbundene Druckindustrie eine industrielle Revolution. Die neue Digitaldrucktechnologie hat das traditionelle Druckverfahren in nur wenigen Jahren ersetzt. Viele erfahrene Drucker haben fast über Nacht ihren Job verloren. In der am Rande des Bankrotts stehenden Druckerei erzählte eine 40-jährige Arbeiterin dem 27-jährigen Li Gejing, dass die jungen Leute die Fabrik alle verlassen hätten, um nach anderem Möglichkeiten zu suchen, während sich die „alten Leute“ wie sie nicht an die neue Zeit anpassen konnten. „In der Vergangenheit waren die Geschäfte der Druckerei besonders gut, wer sah schon kommen, dass in ein paar Jahren alles vorbei sein sollte.“ 

„Tatsächlich, die Gesellschaft verändert sich zu oft und zu schnell. Wenn wir immer an einem Ort bleiben, nicht dazu bereit sind, etwas dazuzulernen und den Willen haben weiterzukommen, dann werden wir sehr wahrscheinlich wie die Arbeiterin in der Druckerei von der Gesellschaft überrollt.“ Darum hat Li seine Stelle beim Verlag gekündigt und wechselte zu einer Mediengruppe, um als Redakteur für Modezeitschriften zu arbeiten. 

In der neuen Firma hat Li Gejing eine interessante Entdeckung gemacht, nämlich dass sich immer mehr Angestellte nach einem hochwertigen Arbeitsessen sehnten. Aufgrund der begrenzten Mittagspause und des Mangels an Restaurants mit Lieferdienst, konnten viele Leute mittags nur auf ihr billiges Lunchpaket zurückgreifen, um ihren Hunger zu stillen. Im Jahr 2008 haben Li Gejing und seine Freunde demzufolge in ihrer Freizeit ein Eßlokal speziell für Online-Lieferdienste gegründet. Die Kunden konnten so Essen per Handy oder Internet bestellen und das Essen wurde von einem professionellen Lieferant zugestellt. 

Leider hat das Eßlokal nicht lange überlebt. Zu dieser Zeit hatten nämlich weder die Betreiber der Gastronomie noch die Verbraucher den aufkommenden Begriffs „Lebensmittel-Zustelldienste“ vollständig akzeptiert. 

Nur wenige Jahre später waren die Lebensmittelzustellungen allerdings durch die Förderung des Kapitals schon sehr beliebt gewesen. „Hätte ich das Restaurant nur zwei Jahre später geöffnet. Die einzige Lehre, die ich daraus gezogen habe, ist, dass das richtige Timing für die Existenzgründung absolut zentral ist und die Existenzgründung an und für sich nicht zwingend allzu fortgeschritten sein muss“, sagte Li.  

Mit der schrittweisen Popularisierung von Smartphones und mobilem Internet im Jahr 2011 sah Li Gejing eine neue Chance: Smartphones und mobiles Internet werden nicht nur das Leben der Chinesen verändern, sondern auch eine neue Welle der Existenzgründung auslösen. 

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