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„Ich habe auch in Zukunft zahllose Gründe, mein Augenmerk auf China gerichtet zu lassen“

Von Marc-Stephan Arnold  ·   2017-09-27  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Sinologe; Manfred Frühauf; Studium in China
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Ein Interview mit dem deutschen Sinologen und Germanisten Dr. Manfred Frühauf  

[Anmerkung der Redaktion] Anlässlich des 45-jährigen Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht die Beijing Rundschau eine Interviewserie mit ehemaligen Studenten und Professoren aus beiden Ländern, die während dieser knapp fünf Jahrzehnte das jeweils andere Land zum ersten Mal besuchten. Die Befragten wurden gebeten, über ihre eigenen Erlebnisse und Gefühle während des Studiums im Ausland zu erzählen, um den kulturellen Austausch und das gegenseitige Lernen zwischen China und Deutschland in den vergangenen 45 Jahren auf zwischenmenschlicher Ebene lebendig werden zu lassen.  

Dr. Manfred Frühauf in China

Zur Person:  

Manfred Frühauf ist ein im Jahr 1984 an der Frankfurter Goethe-Universität promovierter Sinologe und Germanist. Nach längeren Forschungs- und Lehraufenthalten in Japan und China (Beiing, Nanjing, Taiwan) war Frühauf rund 30 Jahre lang Institutsleiter des LSI-Sinicum (Institut für Chin. Sprache) an der Ruhr-Universität Bochum (RUB). 2017 Gastdozentur an der Beijing Foreign Studies University (BFSU). Im Ruhestand. 

 

Beijing Rundschau: Herr Frühauf, wann waren Sie das erste Mal in China? 

Frühauf: Im April 1976 das erste Mal, im Oktober desselben Jahres das zweite Mal. 

Warum China? Was fasziniert Sie an dem Land? 

Mich hat schon immer die Frage beschäftigt, was das Besondere an China sein könnte, das es befähigte und befähigt, im Konkurrenzkampf mit dem Westen zu bestehen. Ich meine dies vor allem in kultureller Hinsicht: Von allen antiken Hochkulturen (Mesopotamien, pharaonisches Ägypten, Indus-Kultur, Mittel- und Südamerika etc.) hat als einzige die chinesische Kultur den Ansturm des griechisch-römisch-christlich geprägten Westens bis in die Gegenwart überstanden, sicherlich mit vielen Veränderungen und Anpassungen, aber doch in der im Großen und Ganzen intakten eigenen Kulturtradition verbleibend.  

Waren die Chinesen so, wie Sie sie sich vorgestellt hatten? 

Eigentlich schon, ja. Wir Sinologiestudenten lasen ja schon damals regelmäßig die Beijing Rundschau, die China im Bild und  - je nachdem wie gut man schon Chinesisch konnte -  auch die Volkszeitung. Trotzdem war und ist es selbstverständlich immer ein Unterschied, etwas mit eigenen Augen zu sehen und zu erleben, was man bis dahin nur gelesen hat(te). Sehr schwierig war es damals, in direkten Kontakt mit Chinesen zu kommen, da mit Ausnahme der offiziellen Betreuer und dem Hotelpersonal alle normalen Chinesen große Bedenken hatten, mit einem Ausländer zu sprechen, so daß bei mir wie sicherlich bei vielen anderen ausländischen Besuchern zunächst der Eindruck entstand, die Chinesen seien sehr distanzierte Menschen. 

1976 war nun wirklich ein Jahr des Umbruchs in China. Wie haben Sie die Situation damals wahrgenommen? 

Während ich bei meinem ersten Besuch (April 1976) einfach nur überwältigt war von der Chance, China überhaupt besuchen zu können, ein Land, das so lange so rigide abgeschottet war, kam ich bei meinem zweiten Besuch (Oktober 1976) scheinbar in einem Hexenkessel an, denn damals war gerade eine Woche zuvor die sogenannte Vierer-Bande“ (Sìrénbāng 四人帮 ) verhaftet worden, und alle Leute waren extrem nervös und noch ängstlicher als sonst, ihre Meinung zu äußern, da sie befürchteten, die vier Verhafteten könnten vielleicht wieder frei gelassen werden und in ihre alten Machtpositionen zurückkehren. Gleichzeitig lag auch das große Erdbeben in Tangshan noch nicht lange zurück, und viele Menschen lebten in Zelten auf den Straßen Beijings. In diesen unruhigen Zeiten China zu besuchen, war ein ganz besonderes Erlebnis.  

Wie verhielt man sich Ihnen gegenüber? Konnten Sie bei Ihren ersten Besuchen denn schon gut Chinesisch? 

Wie bereits gesagt: Es war damals sehr schwierig, mit Chinesen im Alltag zu sprechen, da mit Ausnahme der offiziellen Betreuer und dem Hotelpersonal alle normalen Chinesen große Bedenken hatten, mit einem Ausländer zu reden. In einer Gruppe war das Problem nicht ganz so groß, aber in den Situationen, in denen Einzelgespräche möglich gewesen wären, hatten die potentiellen chinesischen Gesprächspartner ganz offensichtlich Angst. Die Tatsache, daß ich schon damals relativ fließend Chinesisch sprechen konnte, hat diese heikle Situation nicht erleichtert. Übrigens wurden wir deutschen Besucher damals nie als Touristen begrüßt, sondern wir galten stets als Mitglieder einer (west)deutschen Delegation, die von den sozialistischen Errungenschaften Chinas lernen wollten    was die gut betuchten Zahnärzte und ebenfalls gut dotierten Oberstudienräte in der Reisegruppe mit großem Amüsement registrierten. 

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