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„Chinesische Projekte haben in Afrika enorme Fortschritte ermöglicht“

  ·   2018-09-05  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: FOCAC;Africa
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Exklusivinterview mit Moritz Weigel und Alexander Demissie, Gründer des Beratungsunternehmens The China Africa Advisory. 

Moritz Weigel 

Beijing Rundschau: Herr Weigel, Herr Demissie, Sie sind die Gründer der China Africa Advisory. Was genau macht Ihr Unternehmen? Was bieten sie Ihren Kunden?  

M. Weigel: Wir sind das erste deutsche Beratungsunternehmen, dass sich auf die Beziehungen zwischen China und Afrika spezialisiert hat. Mein Mitbegründer und ich beschäftigen uns nun seit über 15 Jahren mit den spannenden geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die dieses Thema mit sich bringt. Seit 2016 erstellen wir mittels der China Africa Advisory Politik- und Wirtschaftsanalysen bezüglich der Zusammenarbeit Chinas mit dem afrikanischen Kontinent und einzelnen afrikanischen Ländern. Auch Sektorenanalysen in den Bereichen Infrastruktur, Urbanisierung, Energie, Industrialisierung und Umwelttechnologie gehören zu unserem Repertoire. Darüber hinaus begleiten wir chinesische – und zunehmend übrigens auch europäische – Unternehmen auf ihrem Weg nach Afrika: von der Durchführung von Marktstudien, über die Erstellung einer Markteintrittsstrategie, bis hin zur Identifizierung von lokalen Partnern und der Begleitung von Investitionsprojekten. Unsere deutschen Kunden sind oftmals verblüfft darüber, wie umfangreich ihre chinesischen Konkurrenten bereits in unterschiedlichen afrikanischen Märkten etabliert sind.  

Warum haben Sie das Unternehmen gegründet? Warum ist Ihnen diese Arbeit wichtig? 

M. Weigel: Ich habe die China Africa Advisory gegründet um zu nachhaltiger Entwicklung in Afrika beizutragen. Mehr und mehr afrikanische Länder streben nach einer städtischen Entwicklung und Industrialisierung, die nicht in dem Ausmaß auf die Kosten von Mensch und Umwelt geht wie sie es damals in Europa und in den letzten Jahrzehnten in China getan hat. Ich bin davon überzeugt, dass viele afrikanische Länder mit den richtigen chinesischen Technologie- und Wissenspartnern ihre Strategien und Pläne für nachhaltige Entwicklung Wirklichkeit werden lassen können. Vor der Gründung des Unternehmens habe ich einige Jahre für die Vereinten Nationen im Bereich Klimaschutz gearbeitet. Mir ist es wichtig, mein dort erlerntes Wissen nun durch die China Africa Advisory im Rahmen von konkreten Investitionsprojekten und der Anbahnung neuer Partnerschaften in die Praxis umzusetzen.  

Sie haben eingangs die chinesisch-afrikanische Entwicklungszusammenarbeit erwähnt. China hat bereits enorme Summen in Projekte in Afrika gesteckt und verschiedenen afrikanischen Staaten zudem Kredite in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt. Könnten Sie unseren Lesern einen kurzen Überblick über das chinesische Engagement in Afrika geben?  

A. Demissie: Ein kurzer Überblick bezüglich der Kooperation zwischen 54 unterschiedlichen afrikanischen Ländern und China ist ein schwieriges Unterfangen. Aber lassen Sie mich es einmal so versuchen: Das Engagement der Volksrepublik China in Afrika begann bereits kurz nach ihrer Gründung 1949, nämlich in den 1950er Jahren. Zu dieser Zeit war China selbst eines der ärmsten Länder der Welt, konnte jedoch aufgrund seiner gut ausgebildeten Ärzte und Ingenieure dennoch, zumindest personell, Unterstützung leisten. In der Zeit des chinesischen Wirtschaftsaufschwungs der 1990er und 2000er Jahre waren die China-Afrika-Beziehungen überwiegend von Rohstoffexporten der afrikanischen Seite für die Umsetzung von Infrastrukturprojekten und dem Export von Konsumgütern von chinesischer Seite geprägt. Seite den 2010er Jahren verändert sich dieses Kooperationsmodel rasant hin zu diversifizierten Exporten aus Afrika und mehr Investitionen aus China, mit Fokus auf Produktionsverlagerung, z.B. im Textilsektor, und mit Hinblick auf afrikanische Märkte. Vor allem private chinesische Firmen haben erkannt, dass schnell wachsende afrikanische Märkte ein enormes Absatzpotential bieten, und dass eine lokale Produktion für die lokalen Märkte immer attraktiver wird.  

Welche dieser Engagements finden Sie persönlich besonders wichtig? Warum? 

A. Demissie: Besonders wichtig finde ich den erfolgreichen Aufbau von modernen Infrastrukturprojekten. Das gilt vor allem für die Bereiche Transport und Energie. Im Transportwesen beispielsweise haben die erste elektrifizierte internationale Eisenbahnlinie zwischen Äthiopien und Djibouti oder die Straßenbahn in Addis Abeba eine wichtige Modellfunktion, die nun von andern afrikanischen Ländern aufgegriffen wird. Aber auch die vielen tausend Kilometer von Straßen sowie dutzende Häfen und Flughäfen, die in Zusammenarbeit mit chinesischen Akteuren auf dem afrikanischen Kontinent endlich realisiert werden konnten, verdienen Erwähnung. Im Bereich Energie sind die überwiegend auf erneuerbaren Energien basierenden zentralen und dezentralen Lösungen zur Energiegewinnung hervorzuheben. Infrastruktur und Energie sind und bleiben die Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung, und chinesische Partner haben in beiden Bereichen in den letzten Jahren enorme Fortschritte ermöglicht. Vom 17. bis 18. September organisieren wir mit Unterstützung der äthiopischen Regierung das erste Ethiopia Railway Summit in Addis Abeba, um diese Entwicklung weiter zu fördern. 

Es scheint besonders viele chinesische Projekte im Eisenbahn- und Infrastruktursektor zu geben. Haben die chinesischen Projekte in den jeweiligen afrikanischen Ländern Ihrer Einschätzung nach schon positive Effekte? Welche? 

A. Demissie: Ja, auf jeden Fall. Die bereits erwähnte Eisenbahnlinie von Äthiopien nach Djibouti hat die Reise- bzw. Transportzeit von zwei Tage auf 10 Stunden verkürzt und damit z.B. die Industrieparks entlang dieser Strecke international noch wettbewerbsfähiger gemacht. Das äthiopische Eisenbahnministerium rechnet damit, dass die Verlagerung des Transports von der Straße auf die Schiene eine Einsparung von ca. neun Million Tonnen CO2-Emission pro Jahr mit sich bringt. Und die Straßenbahn in Addis Abeba hat die Mobilität von Millionen von Einwohnern enorm verbessert und Pendlerzeiten in der von Staus geplagten Stadt stark verkürzen können.  

China hat während der Reform- und Öffnungspolitik der vergangenen 40 Jahre hunderte Millionen Menschen aus der Armut befreit und sich von einem rückständigen Entwicklungsland zu einem modernen Schwellenland entwickelt, das in einigen Bereichen zum „Westen“ aufgeschlossen, ja diesen mitunter sogar überholt hat (Digitaltechnik, mobiles Bezahlen usw.). Kann das chinesische Entwicklungsmodell den afrikanischen Staaten als Vorbild dienen?  

M. Weigel: Nein, das chinesische Entwicklungsmodell kann nicht eins zu eins in afrikanischen Ländern Anwendung finden. Jedes Land hat unterschiedliche soziokulturelle und wirtschaftliche Gegebenheiten, die es für ein eigenes Entwicklungsmodell zu nutzen gilt. Jedoch gibt es sicherlich einige Bereiche, in denen viele afrikanische Länder von Chinas Entwicklung lernen können, z.B. in der Landwirtschaft, der ländlichen Elektrifizierung, der Leichtindustrie und dem Aufbau moderner Universitäten.  

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