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China sagt der Immobilienspekulation den Kampf an

Von Lan Xinzhen  ·   2019-09-25  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Immobilien;China
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Chinas Immobilienspekulanten sind besorgt, da die Immobilienpreise aufgrund staatlicher Eingriffe ihre Aufwärtsdynamik verlieren. Es scheint heutzutage unmöglich zu sein, die enormen Gewinne der letzten Jahre einzufahren, indem man niedrig kauft und hoch verkauft. Einige nervöse Spekulanten denken gar nicht mehr darüber nach, wie viel Gewinn sie machen können, sondern beabsichtigen, die noch in ihren Händen befindlichen Immobilien zu verkaufen, ohne Geld zu verlieren. Doch auch dieses Ziel scheint zunehmend unerreichbar. 

Der Begriff "Immobilienspekulation" tauchte in China erst vor etwa zwei Jahrzehnten auf, als Nebenprodukt der Kommerzialisierung von städtischem Eigentum. Die Möglichkeit, große Mengen an Geld zu verdienen, ohne dafür hart arbeiten zu müssen, ließ viele aufhorchen. Schon bald jagte die ganze Gesellschaft den besten Gelegenheiten im Immobiliengeschäft hinterher. Der Immobilienmarkt wurde immer risikoreicher, Blasen entstanden. Seit der Gründung der Volksrepublik China (VR China) im Jahr 1949 sendet die chinesische Regierung jedoch die Botschaft, dass Häuser Unterkünfte und keine Waren sind.  

„Häuser werden gebaut, um darin zu leben, nicht zu Spekulationszwecken“, sagte Staatspräsident Xi Jinping auf einer Sitzung der Zentralen Führungsgruppe für Finanzen und Wirtschaft im Jahr 2017. Inzwischen ist diese Aussage Xis zum Leitprinzip für die Anpassung des chinesischen Immobilienmarktes geworden. 

Ein eigenes Haus zum Leben zu haben, ist ein wichtiger Teil der Träume der einfachen Chinesen. In der chinesischen Tradition ist ein anständiger Wohnsitz gleichbedeutend mit einem guten Leben. In den ersten Tagen nach der Gründung der VR China war Wohnraum knapp – die Häuser auf dem Land waren nach einem Jahrhundert Krieg schwer beschädigt, und in den Städten gab es einen akuten Mangel an bewohnbaren Häusern.  

Die Bürger mussten sich auf die staatliche Zuweisung von bestehenden oder neu gebauten Häusern verlassen. 1950 lag der chinesische Hausbestand in den Städten bei nur 400 Millionen Quadratmetern. Bei damals insgesamt 61,7 Millionen Stadtbewohnern lag der zur Verfügung stehende Wohnraum pro Person damit bei nur 5,5 Quadratmetern. 

Im Rahmen der Planwirtschaft betrieb fast jede Organisation oder jedes Unternehmen eine eigene Schule, ein eigenes Krankenhaus und andere öffentliche Einrichtungen und stellte den Mitarbeitern kostenlose Wohnungen zur Verfügung. Die Wohnungszuweisung war eine wichtige Form des Zugangs zu Häusern in Städten. 

Aber während die Bevölkerung Chinas wuchs, blieb das Angebot an städtischem Wohnraum fast auf dem gleichen Niveau, auf dem es Anfang der 50er Jahre war. Im Jahr 1978, dem Jahr, in dem China mit der Reform- und Öffnungspolitik begann, lag die städtische Pro-Kopf-Wohnfläche bei nur 3,6 Quadratmetern – und war damit noch geringer als 1950. Der Hauptgrund dafür war, dass der Wohnungsbau überwiegend vom Staat finanziert wurde. Der enorme finanzielle Druck behinderte das Tempo des Wohnungsbaus und führte zu einer Kluft zwischen der wachsenden Bevölkerung und der bestehenden Versorgung mit Wohnraum. 

Im Juni 1980 führte die Regierung ein neues System ein, bei dem Regierung, Unternehmen und Arbeiter jeweils ein Drittel der Kosten für den Wohnungsbau trugen. 1988 nahm die Regierung die Reform des Sozialwohnungssystems offiziell in die Gesamtplanung der Reform und Öffnung auf, was darauf hindeutet, dass Häuser als persönliche Konsumgüter und als Privateigentum gehandelt werden könnten. In dieser Zeit sah man in China die ersten privaten Immobilienentwickler, während das Angebot an Wohnraum sprunghaft zu wachsen begann. 

Nach 1998 begann die Vermarktung von Wohnungen ernsthaft. Die asiatische Finanzkrise von 1997 bot eine zufällige Chance für eine weitere Reform des chinesischen Wohnungsbaus. Die Regierung versuchte, die Finanzkrise durch eine Ausweitung der Inlandsnachfrage zu bewältigen, und Immobilien galten als neuer Motor des Wirtschaftswachstums. Am 3. Juli 1998 erließ der Staatsrat eine Verordnung, in der die Unternehmen aufgefordert wurden, die Zuweisung von Unterkünften an ihre Mitarbeiter einzustellen, was den Beginn einer neuen Ära der Vermarktung ihres Wohnungssystems darstellt. 

In den folgenden zwei Jahrzehnten wuchs der Immobilienmarkt immer weiter an, wobei die Immobilieninvestitionen sogar im zweistelligen Prozentbereich wuchsen. Ein prosperierender Immobiliensektor veränderte das Stadtbild. Im Jahr 2018 lag die Wohnfläche pro Stadtbewohner bei 39 Quadratmeter, mehr als das Siebenfache der Fläche, die vor 70 Jahren zur Verfügung stand. In den ersten Jahren gab es in den Städten überall niedrige Bungalows, während heute moderne Hochhäuser – mit Bädern, Küchen, Heizung, Gas- und Wasserversorgung in jeder Wohnung – in den Himmel wachsen. Zahlreiche Familien haben sich den Traum erfüllt, eine eigene Wohnung zu besitzen. 

Im Rückblick war die Hauptaufgabe der Immobilienwirtschaft immer, den Menschen genügend Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dies war im Rahmen des Systems der Planwirtschaft der Fall und ist im Rahmen des Systems der Marktwirtschaft der Fall. Während Besserverdiener Häuser auf dem Immobilienmarkt kaufen können, indem sie hohe Preise zahlen, baut die Regierung Sozialwohnungen und preiswerte Wohnungen, um sicherzustellen, dass Familien mit niedrigem Einkommen auch einen Platz haben, den sie als Zuhause bezeichnen können. 

Ein Nachteil des Immobilienrauschs, den China in den letzten zwei Jahrzehnten erlebt hat, ist, dass Häuser übermäßig als Objekte für Spekulationen genutzt werden, was zu einer neuen Berufs- und Immobilienspekulation führt. Hausspekulationen sind in reifen Immobilienmärkten der entwickelten Länder zulässig, nicht aber in China. Läuft der Immobilienmarkt heiß, werden das Finanzsystem und sogar das gesamte Wirtschaftssystem einem großen Risiko aussetzen. Schließlich ist die Lehre aus der Subprime-Hypothekenkrise in den USA, die die Finanzkrise 2008 ausgelöst hat, noch frisch in den Köpfen der Menschen. 

Auch ohne die ständigen Preiserhöhungen hat der chinesische Immobilienmarkt ein enormes Potenzial. Jedes Jahr absolvieren Millionen von Studenten die Uni, eine große Anzahl von Landbewohnern zieht in die Städte und viele Wohnungsbesitzer wollen eine bessere, größere Wohnung. Es besteht also eine große reale und greifbare Nachfrage nach Immobilien. Deshalb müssen Chinas Immobilienpreise stabil gehalten werden. Die Tatsache, dass Häuser im Wesentlichen Unterkünfte für Menschen sind, bedeutet, dass die chinesische Gesellschaft der Immobilienspekulation mit einem entschlossen „Nein!“ entgegentreten muss.  

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