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Fischarten im Jangtse am Rande des Aussterbens

Von Li Yang  ·   2018-11-23  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Umweltschutz;Jangtse
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Der Wuhan-Abschnitt des Jangtse-Flusses. 

Lehrbücher, die in Mittelschulen verwendet werden, nennen den Jangtse oft einen der Mutterflüsse Chinas, da er 49 Nebenflüsse mit einer Einzugsfläche von jeweils mehr als 10.000 Quadratkilometern und Hunderten von angeschlossenen Seen hat. 

Im Jangtse sind rund 424 Fischarten beheimatet, von denen 183 endemisch sind, und die Kategorien von Süßwasserfischen im Fluss machen 33 Prozent der nationalen Gesamtmenge aus. 

Aber laut Chinas Staatspräsident Xi Jinping zufolge, ist der Mutterfluss Chinas inzwischen fast zu einer „Fischwüste“ geworden.  

Bei einem Treffen im April in Wuhan, in der zentralchinesischen Provinz Hubei, welches  den Wirtschaftsgürtel entlang des Jangtse-Fluss zum Thema hatte, sagte Xi, dass der Biointegritätsindex des Jangtse das Niveau „fischfrei“ erreicht habe. Das bedeutet, dass die Gewässerökologie des Flusses auf das niedrigste Niveau der Biodiversität gefallen ist. 

Sechs Monate später forderte der Staatsrat, das chinesische Kabinett, die lokalen Regierungen auf, den Schutz der Wasserlebewesen zu verstärken und die Wiederherstellung der ökologischen Umwelt des Jangtse zu beschleunigen. 

Die 6.380 Kilometer lange „Wasserstraße“ ist der drittlängste Fluss der Welt nach dem Nil (6.670 km) und dem Amazonas (6.400 km). Der Jangtse weist insgesamt ein Einzugsgebiet von 1,8 Millionen Quadratkilometern auf ein Gebiet, in dem rund 400 Millionen Menschen leben.  

In den letzten 20 Jahren ist das Stadtgebiet im Einzugsgebiet des Flusses um rund 40 Prozent gewachsen. 

Die hohe Bevölkerungs- und Wirtschaftsbelastung hat allerdings ihren Tribut gefordert. 

Der Jangtse-Flussdelfin wurde 2006 für funktionsfähig ausgestorben erklärt, bis Mitte dieses Jahres gab es im Jangtse nur noch etwa 1.000 Schweinswale und der chinesische Schwertstör ist seit 2003 nicht mehr im Fluss gesichtet worden. 

Der chinesische Stör, chinesische Saugfische, chinesische Steinkarpfen und der Jangtse-Stör alle endemisch im Jangtse stehen ebenfalls kurz vor dem Aussterben. 

Cao Wenxuan, ein Akademiker, an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, der sich auf Wasserorganismen am Mittel- und Oberlauf des Jangtse spezialisiert hat, sagte, dass die Gewässer in diesen Gebieten des Flusses 43,3 Prozent der 124 Arten von endemischen Fischen beherbergen würden und daher besondere Aufmerksamkeit und Schutz verdienten. 

 

Mitglieder einer Jangtse-Patrouille beschlagnahmen Fischernetze, die illegal im Fluss, in Jinzhou, Hubei, platziert wurden. [Liu Tao, China Daily] 

Nach Ansicht von Experten hat die übermäßige und unkontrollierte Entwicklung von Wasserwirtschaftsprojekten den „schwersten Einfluss“ auf die Ökologie der Wasserstraße gehabt. 

Am 19. Juni veröffentlichte der Rechnungshof der Volksrepublik China einen Bericht über den ökologischen Umweltschutz im Wirtschaftsgürtel des Jangtse. 

Der Bericht zeigt, dass 24.100 Kleinwasserkraftwerke entlang der Bäche und Nebenflüsse des Jangtse in 10 Provinzen gebaut wurden, von denen 930 abgeschlossen wurden, bevor sie eine Umweltverträglichkeitsprüfung bestanden.  

Der Bericht verdeutlicht auch, dass eine übermäßige Entwicklung zu unterschiedlich starken Abflüssen in 333 Flüssen im Einzugsgebiet des Jangtse geführt hat. 

Abflüsse beziehen sich auf die Niederschlagsmenge an Land, die letztendlich oft mit gelöstem oder suspendiertem Material in Flüsse gelangt. 

Ein in den 1960er Jahren vorgeschlagenes nationales Projekt zur Übertragung von Wasser- und Wärmeenergie aus dem westlichen Binnenland in die Küstenregionen wurde in den 90er Jahren gestartet, um den schnell wachsenden Strombedarf dieser Regionen zu decken. Viele Wasserkraftwerke wurden in den 90er und frühen 2000er Jahren im Einzugsgebiet des Jangtse gebaut. 

Cao sagte, dass viele dieser Kraftwerke auf Nebenflüssen der zweiten oder dritten Klasse gebaut worden seien, und die installierte Leistung bei einigen nur Hunderte von Kilowatt betragen würden. 

Die Stationen trugen dazu bei, die Energieknappheit in den 1980er und 90er Jahren zu mildern. Aber es gibt so viele von ihnen, dass sie oft drastische Veränderungen bei den Abflüssen in den Flüssen verursachen. 

„Die Einnahmen aus der Stromerzeugung reichen wahrscheinlich nicht aus, um die Verluste durch ökologische Schäden an den Gewässern zu decken“, sagte Cao. 

Chen Yiyu, ein Forschungsakademiker an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, der Wasserarten untersucht, sagte gegenüber dem Magazin Caixin: „Die Probleme umfassen den Bau von Wasserschutzprojekten, die Trennung von Flüssen und Seen, Überfischung, Wasserverschmutzung und die Invasion fremder Arten.“ 

„Die reiche aquatische Biodiversität des Jangtse ist eng mit der Flusslandschaft und den saisonalen Überschwemmungen am Mittel- und Unterlauf des Flusses verbunden. Aber menschliche Aktivitäten haben all diese Faktoren nachhaltig verändert.“ 

Chen sagte, dass es im Einzugsgebiet des Jangtse mehr als 50.000 Dämme gäbe, von denen 20.000 Wasserkraftwerke seien, und diese hätten schwerwiegende Auswirkungen auf die aquatische Umwelt gehabt. 

 

Ein Arbeiter vergleicht die Unterschiede in der Wasserqualität in einer Kläranlage in Chongqing. [Xinhua] 

Cao glaubt nicht, dass Fische in den Stauseen, die neben den Dämmen gebaut wurden, überleben können und dass die ergriffenen Maßnahmen die Ökologie der Wasserstraße wiederherstellen können. 

„Es ist eine Verschwendung von Zeit und Geld. Die Arten können überhaupt nicht wirksam geschützt werden“, sagte er. 

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