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Traditionelle chinesische Kleidung erlebt Renaissance

Von Jin Zhixiao  ·   2020-01-22  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Hanfu;Tradition
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Hanfu, die traditionelle chinesische Kleidung mit einer Geschichte von Tausenden von Jahren, kehrt heutzutage immer weiter in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zurück und wird von immer mehr Leuten verstanden und geliebt. Diese „Renaissance“ bezieht sich jedoch nicht nur auf die Kleidung, sondern auch auf die traditionelle chinesische Kultur.  

„Vor zehn Jahren, als ich noch aufs Gymnasium ging, hörte ich gerne chinesische Lieder im antiken Stil. Zu dieser Zeit lernte ich auch zum ersten Mal Hanfu, die traditionellen Gewänder der Han-Chinesen, kennen. Danach wollte ich tiefer in die Materie eintauchen. Ich las einige Artikel über Hanfu in Internetforen und eignete mir so ein respektables Grundwissen an. Im Jahr 2012 kaufte ich mir schließlich mein erstes Hanfu-Gewand“, sagt die in den 90er Jahren geborene Huang Yang aus der Provinz Fujian. Sie kann sich noch genau an die Reaktionen erinnern, als sie ihr traditionelles Kleid erstmals in der Öffentlichkeit trug. „Zu dieser Zeit war der Kreis der Hanfu-Liebhaber noch klein, und die Leute, die Hanfu trugen, wurden geflüstert. Jetzt gehen wir ganz selbstverständlich in Hanfu auf die Straße, und es gibt immer mehr bewundernde Blicke. Auch unsere Eltern verstehen uns jetzt besser und unterstützen ihre Kinder, wenn sie sich für traditionelle Dinge entscheiden.“ Vor einem Jahr machte Huang Yang ihren Master-Abschluss. Hanfu will sie auch weiterhin tragen. 

Viele Hanfu-Liebhaber, insbesondere diejenigen, die sich schon früh mit Hanfu beschäftigt haben, haben ähnliche Erfahrungen gemacht wie Huang Yang. Das Wiederaufleben der Hanfu-Kultur begann etwa im Jahr 2002, zunächst in einigen Online-Foren. Auf der Grundlage der Foren bildeten sich dann allmählich Vereine, die professionellere Untersuchungen über Hanfu betrieben. Seit 2004 haben Hanfu-Liebhaber schrittweise von der Online-Kommunikation zu Offline-Aktivitäten gewechselt. Die Szene der Hanfu-Freunde hat sich seit 2007 in eine aktive Vereinslandschaft verwandelt. 

Mit der Entwicklung des Internets und der Kurzvideo-Plattformen nahm die Bekanntheit von Hanfu allmählich zu, und die Gruppe der Hanfu-Liebhaber weitete sich von den Post-80ern und Post-90ern zur nächsten Altersgruppe aus: an immer mehr Mittel- und Oberschulen in China wurden und werden Hanfu-Vereine ins Leben gerufen. 

Von traditioneller Kleidung zu traditioneller Kultur 

 

Huangfu Yuehua nimmt in Hanfu an dem altertümlichen Pitch-Pot-Spiel teil. [Foto mit freundlicher Genehmigung von Huangfu Yuehua] 

Huangfu Yuehua wurde nach 1990 geboren. Die „Post-90erin“, die seit 2009 eine Hanfu-Liebhaberin ist, ist derzeit stellvertretende Vorsitzende des „Beijing Hanfu“-Vereins, der der größte und am längsten bestehende Hanfu-Verein der chinesischen Hauptstadt ist. „Dass Hanfu so schnell populär wurde, liegt wahrscheinlich daran, dass die damals kleinen Liebhaber inzwischen erwachsen sind. Es gibt aber noch tiefer liegende Gründe. Zum Beispiel den, dass die Menschen heute wieder mehr Wert auf traditionelle Kultur legen“, sagte sie. „Wenn ich Hanfu anziehe, achte ich mehr auf meine Haltung. Während ich mich über Hanfu weiterbilde, lerne ich auch etwas über die Ursprünge traditioneller Feste. Zudem habe ich mir Fähigkeiten wie Guqin-Spielen, Bogenschießen, Reiten und die Herstellung von Weihrauch zu Eigen gemacht“, sagte Huangfu. 

Gegenwärtig zählt der „Beijing Hanfu“-Verein mehr als 600 registrierte Mitglieder und führt regelmäßig Aktivitäten wie Vorträge und Foren zu traditioneller Kleidung, Riten und Gebräuchen durch. 

 

Die Studentin Du Shengnan in Hanfu. (Foto mit freundlicher Genehmigung von Du Shengnan) 

Du Shengnan, die im Jahr 2000 geboren wurde, studiert Luft- und Raumfahrt an der Tsinghua-Universität. Als sie noch im Gymnasium war, hat sie mit mehreren Klassenkameraden einen Hanfu-Verein gegründet. Mit Beginn ihres Studiums trat sie dem „Songfeng Hanfu“-Verein der Tsinghua-Universität bei, dessen Vorsitzende sie inzwischen ist.  

Dus Meinung nach ist die Popularität von Hanfu auf den kulturellen Charme und die traditionelle Ästhetik dieser Kleidung zurückzuführen. Dies sei auch der größte Einfluss, den Hanfu auf sie selbst ausgeübt habe. „Zwischen der Kleidung und dem gesellschaftlichen Leben bestand schon immer eine enge Verbindung, was auch mein Interesse am Erlernen von Geschichte und Kultur geweckt hat“, sagte die junge Studentin. 

 

Dieses Foto zeigt die neuen Mitglieder des „Songfeng Hanfu“-Vereins im Frühjahr 2018. [Foto mit freundlicher Genehmigung von Du Shengnan] 

Gegenwärtig verfügt der Hanfu-Verein über 278 Mitglieder aus fast allen Studien- bzw. Jahrgängen und Klassenstufen der Uni. Etwa 20 Prozent der Mitglieder sind internationale Studenten. Im Oktober letzten Jahres tauschte Du Shengnan während der „Hanfu-Nacht“ an der Tsinghua-Universität Ideen mit zwei Amerikanern chinesischer Abstammung aus, die auch an der Veranstaltung teilnahmen. „Was mich am meisten beeindruckt, ist, dass sie und sogar ihre Eltern in den USA aufgewachsen sind und nur sehr begrenzte Kenntnisse über die chinesische Kultur haben. Wenn sie jedoch über Hanfu und die traditionelle chinesische Kultur sprechen, sind sie auch stolz darauf“, sagte Du Shengnan. Die traditionelle Kleidung findet somit auch Resonanz bei Menschen, die auf anderen Kontinenten geboren wurden. 

Kleider machen Leute 

 

Zheng Nanxru (links) trägt schon seit Jahren auch im Alltag Hanfu. Hier beim Besuch einer Ausstellung im Nationalmuseum. [Foto mit freundlicher Genehmigung von Zheng Nanru] 

„Für mich ist Hanfu so natürlich wie Wasser und Luft“, sagte Zheng Nanru, Studentin an der Beijinger Fremdsprachenuniversität. Die 21 Jahre junge Studentin trägt schon seit sieben Jahren Hanfu. Die traditionellen Kleider sind voll und ganz in ihr Leben integriert. „Hanfu ist für mich einfach ein normales Kleid im Kleidungschrank“, erklärte Zheng, „deshalb achte ich neben dem Aussehen auch darauf, dass die Kleider praktisch und alltagstauglich sind.“ Auch zum Unterricht oder beim Einkaufen trägt Zheng gerne einfache Hanfu-Kleider. Für die Neujahrsfeier hingegen wirft sie sich richtig in Schale – da muss dann schon ein komplexes, „großes“ Hanfu-Kleid her. Und selbstverständlich will sie nächstes Jahr in einem wunderschönen Hanfu an ihrer Abschlussfeier teilnehmen. Laut Zheng habe Hanfu ihre Definition von Schönheit erweitert und ihr auch Gelegenheit gegeben, ihren eigenen Charakter durch ihre Kleidung zum Ausdruck zu bringen. 

 

Xu Gangyu kombiniert Hanfu gerne mit anderen, moderneren Kleidern. [Foto mit freundlicher Genehmigung von Zheng Nanru] 

Xu Gangyus Verständnis von Hanfu ist noch persönlicher. Xu war schon immer ein Fan der Handarbeit, doch nachdem sie 2012 zum ersten Mal selbst ein Hanfu-Gewand getragen hatte, lernte sie von Grund auf den Umgang mit der Nähmaschine – und nähte ihr erstes Hanfu selbst. Im Alltagsleben liebt sie es, traditionelle chinesische Kleidungsstücke mit anderen, moderneren Kleidern zu kombinieren, um so ihren eigenen Stil zu entwickeln. Darüber hinaus hat Hanfu ihr mehr Möglichkeiten gebracht, ihre persönlichen Werte zu verwirklichen. Inzwischen ist Xu die Vizepräsidentin des „Beijing Hanfu“-Vereins und kümmert sich neben der Veranstaltungsplanung auch um die Herstellung kleiner Geschenke wie Stempel und Gedenkkarten, wobei sie ihre künstlerischen Fähigkeiten voll zur Geltung bringen kann. 

Laut dem im Januar 2019 veröffentlichten Hanfu-Branchenbericht 2018 lag die Hauptkonsumentengruppe des Hanfu-Marktes am 30. Dezember 2018 bereits bei über zwei Millionen, was einer Steigerung von 72,9 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2017 entspricht. Gegenwärtig liegt das Durchschnittsalter der Hanfu-Liebhaber bei etwa 21 Jahren. Etwa 52,1 Prozent der Hanfu-Fans sind 19 bis 24 Jahre, weitere 26,8 Prozent 16 bis 18 Jahre jung. Bemerkenswert ist außerdem, dass die Zahl der Hanfu-Fans im Alter von unter 18 Jahren kontinuierlich zunimmt.  

Es ist nicht auszuschließen, dass die Arten und der künstlerische Ausdruck der Hanfu-Stile immer vielfältiger werden, wenn die Hanfu-Liebhaber immer jünger werden. Derartige Trends lassen sich bereits jetzt schon beobachten. 

Weiterentwicklung der Hanfu-Industrie erfordert standardisierte Industrienormen 

Während die Popularität von Hanfu den Menschen neue ästhetische und kulturelle Erfahrungen bringt, treibt sie auch die Entwicklung der Hanfu-Industrie und die daran beteiligten, unterstützenden Dienstleistungsindustrien voran. Ende 2018 gab es mehr als 800 Hanfu-Händler, eine Steigerung von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und der Umsatz der Branche belief sich auf etwa 1,1 Milliarden Yuan. 

„Die derzeitige Renaissance der Hanfu-Kleidung ist nicht nur eine ideologische und kulturelle Bewegung, sondern auch eine aufstrebende Industrie“, sagte Long Xiang, stellvertretender Vorsitzender des Vereins für chinesische Kulturforschung, dessen Ziel ist, Hanfu zu fördern und die traditionelle Kultur wiederzubeleben. „Heute schließen sich immer mehr Unternehmen der Hanfu-Industriekette an, was die Entwicklung der Hanfu-Industrie voranbringt. Manche Unternehmen haben jedoch das Problem, dass sie Hanfu und die traditionelle chinesische Kultur nicht gut genug verstehen. So haben beispielsweise einige Firmen bei der Auswahl von Hanfu für traditionelle Hochzeiten Fehler gemacht, was auch die Förderung von Hanfu in der Gesellschaft beeinträchtigt“, sagte Long.  

Neben dem mangelnden Verständnis gibt es ein weiteres Problem bei der Gestaltung und Herstellung von Hanfu – Plagiate. Das Entwerfen und Herstellen eines rein handgefertigten Hanfu-Kleides von hoher Qualität dauert normalerweise Monate oder sogar ein Jahr. Mit zunehmender Nachfrage nach Hanfu entscheiden sich einige Unternehmen jedoch dafür, die Designs anderer zu kopieren oder minderwertige Kleidung herzustellen. Natürlich sind Hanfu-Gewänder auch ein Stück Geschichte, und die Wiederbelebung dieser Geschichte hängt von umfassenden Forschungsarbeiten zur Geschichte und zur traditionellen Kultur ab. Doch wie kann man eigentlich zwischen Original und Plagiat unterscheiden? Inwiefern wird ein „verbessertes“ Design am Markt Akzeptanz finden, um Hanfu für das moderne Leben und die moderne Ästhetik geeigneter zu machen? Welche Schwierigkeiten gibt es beispielsweise beim Schutz des geistigen Eigentums an neuen Hanfu-Designs? Dies sind die Fragen von morgen, über die die Hanfu-Liebhaber und -Hersteller heute schon nachdenken müssen. 

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