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„Ein gemeinsamer organisatorischer Kraftakt“ - Corona-Charterflüge bringen deutsche Manager zurück nach China

Von Verena Menzel  ·   2020-07-30  ·  Quelle:China heute
Stichwörter: Deutschland;China;Charterflüge
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Als Mittler und kommunikative Anlaufstelle vor Ort: Mitarbeiter des Sino-German Ecopark Qingdao betreuen die deutschen Gäste im Quarantänehotel. 

Über 400 Deutsche AHK-Passagiere sind hier in dem Hotelkomplex direkt an der Küste in der Qingdaoer Vorstadt zeitgleich untergebracht. Wenn Krause und seine rund 200 Mitreisenden von Flug Nummer 3 in einigen Tagen aus der Quarantäne entlassen werden, rücken auch schon die Passagiere der nächsten Maschine nach. „Das ist organisatorisch eine riesige Herausforderung“, sagt Zhao Wei, Mitarbeiter des Sino-German Ecopark, Leiter des Deutsch-Chinesischen Treffpunktes Qingdao und mitverantwortlich für die Betreuung der deutschen Quarantäne-Gäste. Er und sein über zehnköpfiges deutsch- und englischsprachiges Team stehen den Gästen während des gesamten Aufenthaltes als Ansprechpartner zur Verfügung, kommunizieren per Zimmertelefon, Handy und WeChat mit ihnen, fungieren als sprachliche und kulturelle Mittler. Jeder Mitarbeiter ist dabei zuständig für rund 20 Zimmer.   

„Die Gäste tragen vielfältige Fragen und Anliegen an uns heran. Da ist es schon wichtig, dass wir als Mittler und kommunikative Anlaufstelle vor Ort sind“, beschreibt Zhao die Rolle des Deutsch-Chinesischen Ökoparks. Mit 400 ausländischen Gästen in einem Hotel sei das normale Personal kommunikativ einfach überfordert, so Zhao. Es mangele an Dolmetschern und fremdsprachigen Mitarbeitern. Hier helfe der Ökopark mit seinem Know-how aus. 

Destination Qingdao 

Die ersten beiden AHK-Charterflüge Ende Mai und Anfang Juni hatten noch die Städte Tianjin und Shanghai angesteuert. Dass die Organisatoren mittlerweile auf Qingdao als Destination umgeschwenkt sind, habe neben der günstigen Verkehrslage auf halber Strecke zwischen Beijing und Shanghai auch mit der langjährigen deutsch-chinesischen Kooperationstradition der Stadt zu tun. Über 200 deutsche Unternehmen haben sich in der Küstenmetropole niedergelassen. Die Stadtverwaltung fördert die Zusammenarbeit mit Deutschland in vielen Bereichen wie Wirtschaft, Kultur und Sport.  

 

Destination Qingdao: Am 8. Juli landete die dritte AHK-Maschine in der ostchinesischen Küstenstadt. Mit an Bord war auch Manager Andreas Krause. „Alles war bestens vorbereitet und wurde auch hervorragend durchgeführt“, so sein Fazit. 

Daneben gebe es aber auch noch einen ganz praktischen Grund, sagt Zhao, das gute Klima der Stadt nämlich. „In den Zimmern chinesischer Quarantänehotels muss aus Sicherheitsgründen die zentrale Klimaanlage ausgeschaltet werden.“ Das seien die Lehren, die man weltweit aus dem Corona-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff vor der Küste Japans gezogen habe, wo sich damals fast die Hälfte der Passagiere mit dem Virus angesteckt hätte. Qingdao mit seinem vergleichsweise kühlen Küstenklima sei von daher in der heißen Jahreszeit für die deutschen Quarantänegäste besser geeignet als Anlaufstellen in Südchina oder im Ballungsraum Beijing-Tianjin.  

Manager Krause zeigt sich insgesamt sehr zufrieden mit der Quarantäneunterbringung und der gesamten Organisation vor Ort. „Alles war bestens vorbereitet und wurde auch hervorragend durchgeführt, auch seitens aller beteiligten Behörden. Die gesamte Organisation wurde dem Namen ,Fast Track’ wirklich gerecht“, so sein Fazit. 

Warum die Präsenz vor Ort wichtig ist 

Der organisatorische und zeitliche Aufwand ist enorm, Flugtickets und Unterbringungen haben ihren Preis. Warum nehmen Unternehmen und Mitarbeiter in Zeiten von Onlinearbeit, Homeoffice und Videokonferenzen überhaupt derart große Kosten in Kauf, um persönlich vor Ort in China sein zu können? 

„Den persönlichen Kontakt vor Ort können Sie durch nichts ersetzen“, sagt Chinakenner Krause. „In Onlinemeetings hat man immer nur ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung, in das man versucht, das Wichtigste hineinzupacken. Doch oft fehlen online wichtige Seiteninformationen, und die sind oft entscheidend, um ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen. Von daher war es für uns als Unternehmen für die Wiederaufnahme des normalen Geschäftsbetriebes absolut wichtig, dass ein solcher Charterflug angeboten wurde. Das haben mir auch andere deutsche Manager, mit denen ich im Flieger saß, bestätigt.“ 

 

Nanjinger Niederlassung von M.A.i Automation Technology: Für den führenden deutschen Anbieter in der Automationsindustrie mit Stammsitz im bayerischen Kronach ist China ein wichtiger Markt. In Nanjing beschäftigt das Unternehmen rund 100 Mitarbeiter. 

Auch AHK-Chef Hildebrandt betrachtet die Präsenz vor Ort für deutsche Wirtschaftsvertreter als unerlässlich. „Bestimmte Geschäftsmeetings lassen sich einfach nicht gut in die virtuelle Welt übertragen. Das funktioniert zwar gut, wenn man sich kennt und den anderen versteht, aber nicht für neue Geschäfte oder Situationen, wo es Probleme zu lösen gilt. Zudem stammen die meisten deutschen Unternehmen hier in China aus den Bereichen Automotive und Maschinenbau. Und da spielen physisch-haptische Arbeitsprozesse eine zentrale Rolle. Da wird Personal vor Ort benötigt, das Maschinen wartet und repariert. Solche Dinge kann man einfach nicht online abliefern.“ 

Charterflüge als „Testballon“ für andere Länder? 

Jens Hildebrandt sieht das deutsch-chinesische Charterflug-Projekt auch als möglichen „Testballon“ für andere Länder, die ihre Staatsbürger in geordnetem Rahmen nach China zurückbringen wollen. Zhao Wei vom Qingdaoer Ökopark zeigt sich zuversichtlich, dass die gemeinsam organisierten Charterflüge in Zukunft auch als Schablone für andere Reisende in Coronazeiten dienen könnten. „Tatsächlich gibt es zur Zeit auch Überlegungen und Planungen der chinesischen Außenhandelskammer in Berlin, ähnliche Charterflüge in die umgekehrte Richtung zu organisieren. Wir in Qingdao sind jedenfalls grundsätzlich gerne bereit, unsere Erfahrungen zu teilen, insbesondere was die kommunikative Betreuung ausländischer Gäste während der Quarantänezeit angeht.“ 

Von deutscher Seite jedenfalls ist das Interesse an Folgeflügen weiter groß, wie Hildebrandt betont. „Eine Anfrage von Anfang Mai hat ergeben, dass zur Zeit etwa 2000 bis 2500 Arbeitnehmer und Spezialisten plus Familienangehörige dringend zurück nach China möchten. Der Bedarf ist also noch lange nicht gedeckt. Das Charterflug-Programm ist zwar ein wichtiger Schritt, um die Geschäftstätigkeiten deutscher Unternehmen in China zu normalisieren und Arbeit und Produktion wieder aufzunehmen, aber letztlich ist es langfristig auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wichtiger wäre es, den normalen Linienflugverkehr wieder aufzunehmen und die Ausstellung von Visa zu beschleunigen, um wieder eine gewisse Normalität im wirtschaftlichen Austausch herzustellen“, sagt er. 

Zhao Wei vom Qingdaoer Ökopark gibt zu bedenken: „Das große Problem ist es, das ausländische Passagieraufkommen im Einklang mit dem Seuchenschutz zu stemmen. Hier müssen die Städte, die diese Gäste empfangen, gut vorbereitet sein und alle Fragen des Gesundheitsschutzes gut lösen.“ Das fange schon vor dem Abflug in den Ursprungsländern an, wo vorab auf Corona getestet werden müsse. Dass so viel Bedarf an den Charterflügen besteht, wertet er als ein positives Zeichen, dass sich die deutsch-chinesische Wirtschaft generell erhole.  

Mit Blick auf das weltweite Infektionsgeschehen wird es also auch in Zukunft wichtig sein, den Spagat zwischen Wirtschaftsentwicklung und Gesundheitsschutz immer wieder neu auszutarieren. Das von deutscher und chinesischer Seite gemeinsam realisierte Charterflugprogramm jedenfalls ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich länderübergreifend flexible und innovative Lösungen finden lassen, um wirtschaftliche Interessen und lokalen Gesundheitsschutz unter einen Hut zu bringen. Gerade in Zeiten einer globalen Herausforderung wie COVID-19 ist es schließlich zentral, verschiedene Interessen und Bedürfnisse gut auszubalancieren und durch gemeinsame Lösungen dazu beizutragen, diese schwierige Zeit zu überstehen. 

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