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45 Jahre China und Deutschland

Von Mei Zhaorong  ·   2017-10-11  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: China;Deutschland;45 Jahre
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Die Regierung der Volksrepublik China und die Regierung der Bundesrepublik Deutschland haben am 11. Oktober 1972 beschlossen, diplomatische Beziehungen aufzunehmen und in Kürze Botschafter auszutauschen.“  

Die ersten Sondierungsgespraeche zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und Deutschland fanden 1972 in Bonn statt. Die chinesische Delegation wurde dabei von Wang Shu (linke Seite, lachend) und Mei Zhaorong (links neben Wang) geleitet. (Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Mei Zhaorong)

Am Vormittag des 11. Oktober 1972 unterzeichneten Chinas Außenminister Ji Pengfei und Walter Scheel, Bundesminister des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland, in Beijing ein gemeinsames Kommuniqué über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Bundesrepublik Deutschland. Am Abend desselben Tages gab es in der Großen Halle des Volkes einen Empfang, bei dem Beethovens „Ode an die Freude“ gespielt wurde – das erste Stück eines westlichen Komponisten, das seit der „Kulturrevolution“ in der Großen Halle des Volkes gespielt worden war. Am nächsten Tag war die Nachricht über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und der BRD weltweit in den Schlagzeilen. (Aus《五洲风云记》 王殊著 上海辞书出版社;dt. "Stürmische Geschichte auf den fünf Kontinenten" von Wang Shu, Shanghaier Wörterbuch Verlag) 

Dieses gemeinsame Kommuniqué mit seinem Inhalt von nur einem einzigen Satz stellte den Auftakt zur Normalisierung der Beziehungen zwischen China und einem starken Land in Westeuropa dar. Für diesen einen Satz verhandelten beide Seiten in insgesamt acht Runden über 40 Tage lang. Man kann sich also vorstellen, was einen steinigen und verhandlungsreichen Weg hatte man zurückgelegt bis zur wirklichen Normalisierung der Beziehungen zwischen China und der BRD.  

Am Vormittag des 17. August 1972 brachten Mei Zhaorong, der damalige zweite Sekretär und Nachrichtenkommissar der chinesischen Botschaft in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), und zwei seiner Kollegen eine zweihundert Kilogramm schwere Sende- und Empfangseinheit mit einem Volkswagen-Minivan heimlich über den Checkpoint Charlie durch die Berliner Mauer zum Flughafen in Westberlin. In der Abflughalle traf sich Mei Zhaorong, der einen aktuellen „Tagesspiegel“ in der Hand hatte, mit einem alten deutschen Mann mit Anzug und Melone, der – sich auf einen Gehstock stützend – die gleiche Zeitung in der Hand hatte, wie Mei. 

Begleitet von diesem Beamten des westdeutschen Auswärtigen Amts flogen Mei Zhaorong und seine Kollegen nach Köln und fuhren danach mit dem Auto nach Bonn, der damaligen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Sie wohnten dort in einem kleinen dreistöckigen Gebäude der Auslandsvertretung der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. Nachdem die Antenne mit zwei Bambusstangen befestigt und ausgerichtet war, konnte gegen sechs Uhr abends die Kommunikation zwischen Beijing und Bonn etabliert werden. Am nächsten Tag wurden mit den Verhandlungen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Bundesrepublik Deutschland offiziell angefangen. Chinas späterer Chefunterhändler Wang Shu war der Hauptkorrespondent in der Auslandsvertretung der Nachrichtenagentur Xinhua in Bonn. Mei Zhaorong war zu dieser Zeit Wang Shus Assistent und der einzige Diplomat der chinesischen Delegation. 

Diese Geschichte klingt heutzutage kaum vorstellbar, war aber die echte Situation zur damaligen Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte die Bundesrepublik Deutschland als Mitglied des von den Vereinigten Staaten von Amerika geführten westlichen Lagers die Volksrepublik China zunächst nicht an. Als die BRD 1955 die volle Souveränität erlangte und die Beziehungen zur Sowjetunion normalisiert hatte, gab der damalige chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai das Signal, dass China ebenfalls bereit sei, diplomatische Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen, kriegte jedoch keine Antwort. Im Jahr 1964 begann die Regierung der BRD erst damit, auf der Ebene des Botschaftsrates mit der chinesischen Botschaft in Bern Kontakt aufzunehmen. Aber der damalige Bundeskanzler Ludwig Erhard fügte sich dem Druck der amerikanischer Seite und gab bei seinem Besuch in den USA die Erklärung ab, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht beabsichtige, mit China Handelsabkommen zu schließen oder diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Somit wurde der erste Kontakt abgebrochen. 

Nachdem Willy Brandt 1969 an die Macht kam, verfolgte er zunächst die „Ostpolitik“, um die Beziehungen mit der Sowjetunion und den osteuropäischen Ländern zu verbessern. Angesichts der damaligen Spannungen in den chinesisch-sowjetischen Beziehungen und aus Sorge darüber, dass die BRD bei der Sowjetunion angestoßen war und die „Ostpolitik“ beeinträchtigt wurde, entschied sich Willy Brandt dafür, „der Sowjetunion den Vorrang zu geben“ und diplomatische Beziehungen mit China erst nach der Schließung der „Ostverträge“ aufzunehmen. Aber die damalige Oppositionspartei CDU forderte in einem Beschluss die Bundesregierung auf, diplomatische Beziehungen mit China schnellstmöglich aufzunehmen, ungeachtet der Haltung der Sowjetunion. Der damalige CDU-Funktionär und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Gerhard Schröder (gleicher Name wie der spätere Bundeskanzler), gab seine Besuchsabsichten in China bekannt. Zur damaligen Zeit erteilte der Vorsitzende Mao Zedong die Anweisung, im Osten diplomatische Beziehungen mit Japan zu normalisieren und im Westen diplomatische Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen, um die diplomatische Situation Chinas zu optimieren. Da Schröder ein Funktionär der Oppositionspartei war, wurde er von dem Chinesischen Volksinstituts für Auswärtige Angelegenheiten (CPIFA) eingeladen, China vom 14. bis zum 28. Juli 1972 zu besuchen.  

Schröder wurde während seines Besuchs vom Ministerpräsidenten Zhou Enlai empfangen und hatte ein Arbeitstreffen mit dem stellvertretenden Außenminister Qiao Guanhua. Er sagte bei seinem Chinabesuch, dass die Zeit reif sei für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen China und der Bundesrepublik Deutschland. Erstens hatte sich die Haltung der USA gegenüber China stark verändert; zweitens stellte die Sowjetunion nach der Schließung der „Ostverträge“ für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen keine Barriere mehr dar; drittens wollten sowohl die DDR als auch die BRD damals in die UNO eintreten und sie brauchten die Unterstützung Chinas, da sein legitimer UN-Sitz zuvor im Oktober 1971 wiederhergestellt worden war. Der Außenminister Walter Scheel war bereit, jederzeit nach China zu kommen, um über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu besprechen. Willy Brandt stimmte der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern auch zu, aber er wollte nicht der „Antragsteller“ sein und plädierte dafür, dass zunächst die diplomatischen Vertreter beider Länder in einem Drittland miteinander verhandeln sollten. 

Damals war das Büro der Nachrichtagentur Xinhua die einzige chinesische Auslandsvertretung in der BRD. Ihr Hauptkorrespondent Wang Shu hat viel für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern getan. Am 22. Juli wurde er aus der BRD zurückgerufen und von Mao Zedong persönlich empfangen. Danach wurde Wang zum Chefunterhändler der chinesischen Seite für die Verhandlungen mit der BRD ernannt. 

Am Vormittag des 18. August 1972 fand die Verhandlung im Konferenzraum des Außenministeriums in Bonn. Dank der Weisheit des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer, der Taiwan als einen Teil von China angesehen und keine offiziellen Beziehungen mit Taiwan aufgenommen und somit in der Tat an der Ein-China-Politik festgehalten hatte, wurden die Verhandlungen nicht durch die Anerkennung der Volksrepublik China als die einzige legitime Regierung ganz Chinas belastet, wie mit anderen Ländern. Jedoch tauchte dabei die Statusfrage Westberlins auf, was die Verhandlungen um über mehrere Tage verzögerte.  

Die sogenannte Statusfrage Westberlins bezieht sich darauf, wer Westberlin und die Bevölkerung dort offiziell vertreten sollte. In dieser Hinsicht kam es zu komplizierten und subtilen Differenzen zwischen den drei westlichen Besatzungsmächten und der Sowjetunion sowie Ost- und Westdeutschland. 

Die Regierung der BRD forderte China auf, zu bestätigen, dass Westberlin und die Bevölkerung dort von der Regierung der BRD vertreten werden und ein schriftliches Dokument unterzeichnet. Angesichts des international umstrittenen Status Westberlins und der Tatsache, dass die drei westlichen Besatzungsmächte Westberlin als „rechtlichen Bestandteil“ der BRD nicht anerkannten, konnte China es im Sinne des Gesetzes auch nicht anerkennen. Dennoch könnte es nach dem konkreten Zustand diese Frage praktisch behandeln. Mit dieser Haltung Chinas war die deutsche Seite prinzipiell „zufrieden“, forderte aber immer noch, ein schriftliches Dokument zur Vorlage im Bundestag abzufassen. China war damit nicht einverstanden. Am Ende wurde ein Kompromiss erzielt: dass beim Unterzeichnen des Kommuniqués die deutsche Seite die mündliche Erklärung des Standpunkts von der chinesischen Seite in den Verhandlungen verlas, den China dann auch nicht widerlegte. Selbstverständlich wurde der Wortlaut dieser mündlichen Erklärung vorher von der chinesischen Seite genehmigt. 

Während der Verhandlung gab es noch ein kleines Intermezzo. Ein Beamter des Auswärtigen Amtes kam zu Mei Zhaorong und erklärte, dass die chinesische Übersetzung des Begriffs „Bundesrepublik Deutschland“ streng genommen nicht wirklich korrekt sei. Das deutsche Wort „Deutschland“ sei nämlich ein Nomen und kein Adjektiv. In der chinesischen Übertragung des Ländernamens mit dem Wort 德意志 habe man allerdings ein Adjektiv gewählt. Die korrekte Übersetzung von BRD müsse deshalb 德国联邦共和国 heißen, sonst würde die deutsche Übersetzung des chinesischen Ländernamens „Deutsche Bundesrepublik“ lauten, so die Erklärung des Beamten. Das Auswärtige Amt hatte auch einen Sinologen aus Hamburg eingeladen, um mit Mei über die chinesische Übersetzung von BRD zu diskutieren. Diese Fragestellung verkörperte sowohl das mangelnde Verständnis der Deutschen für die chinesische Sprache, stand aber auch im Zusammenhang mit der Kontroverse über die Deutschlandfrage zwischen Ost- und Westdeutschland. Mei Zhaorong stimmte der deutschen Seite nicht zu und machte eine deutliche Erklärung: Erstens werde die chinesische Übersetzung „德意志联邦共和国“ schon seit langem benutzt und ihre Korrektheit sei weithin anerkannt. Zweitens könne Deutschland sowohl als „德国“ als auch als „德意志“ übersetzt werden, „德意志“ sei kein Adjektiv. Drittens seien die Merkmale und Regeln der chinesischen Sprache zu beachten, es dürfe in einem Staatsnamen nicht zweimal das Zeichen „“ (Land) benutzt werden, zum Beispiel entspreche die Übersetzung „美国合众国“ oder „中国人民共和国“ nicht den Regeln des Chinesischen. Die Erklärung Mei Zhaorongs schien dem Beamten sinnvoll, er legte daher einen weiteren Vorschlag vor und fragte, wenn die Chinesen die Ländernamen von „Polen“ und „Irland“  in „波兰“ und „爱尔兰“ übertragen hatten, warum habe man dann „Deutschland“ nicht als „德意志兰“ übersetzt? Für Mei Zhaorong mutete diese Bezeichnung jedoch überaus seltsam an. Durch eine solche Begriffswahl hätte man ein „drittes Deutschland“ auf die sprachliche Weltbühne gehievt. Schließlich gab es bereits West- und Ostdeutschland. Die Situation sei also schon chaotisch genug gewesen. Danach erklärte Mei Zhaorong dem Direktor der Abteilung für ostasiatische Angelegenheiten des Auswärtigen Amts nochmal umfassend und tiefgehend, und äußerte nachdrücklich, dass er mit den beiden von der deutschen Seite unterbreiteten „Vorschlägen“ nicht einverstanden sei. Später drückte die deutsche Seite bei den offiziellen Verhandlungen mit aller Deutlichkeit aus, dass auf der Grundlage der Erklärung von Herrn Mei die deutsche Seite darauf verzichte, eine Änderung der chinesischen Übersetzung von „BRD“ zu fordern, und hoffe, dass die chinesische Seite die Bezeichnung für die BRD in den offiziellen Dokumenten gemäß den Bestimmungen des Grundgesetzes verwende.  

Am 25. September 1972 haben sich die beiden Seiten auf die verbleibenden spezifischen Themen geeinigt. Am 29. September dann unterzeichnete Wang Shu im Namen der Volksrepublik China zusammen mit dem Vertreter der Bundesrepublik Deutschland den Entwurf des Kommuniqués über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern. Danach stattete der damalige Außenminister Walter Scheel auf Einladung des chinesischen Außenministers Ji Pengfei vom 11. bis zum 15. Oktober Beijing einen offiziellen Besuch ab. Seitdem sind bereits 45 Jahre vergangen, in denen die chinesisch-deutschen Beziehungen bisweilen eine Achterbahnfahrt waren, doch dank der gemeinsamen Anstrengungen beider Seiten haben sich die bilateralen Beziehungen kontinuierlich weiterentwickelt, mit dem Fokus auf einer Zusammenarbeit mit gemeinsamen Nutzen. Die bilateralen Beziehungen – in ihrer ganzen Breite und Tiefe – spielen eine führende Rolle bei den chinesisch-europäischen Beziehungen. 

(Der vorliegende Artikel wurde unter Berücksichtigung der mündlichen Erklärungen des ehemaligen chinesischen Botschafters in Deutschland, Herrn Mei Zhaorong, redigiert.) 

  

  

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