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Gefiederte Internetstars: Wie eine Eulenfamilie in Songyang den Tierschutz beflügelt

Von Cui Xiaoqin  ·   2024-02-23  ·  Quelle:german.chinatoday.com.cn
Stichwörter: Tierschutz;China
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Üppige Vegetation soweit das Auge reicht: Das alte Wohnhaus der Familie Yuan liegt mitten im Wald. Jährlich beherbergt es Eulennachwuchs als gefiederte Untermieter. (Foto: Yu Xiangjun)  

Anfang August vergangenen Jahres sichtete Zhou Guimei aus dem Dörfchen Huangnan beim Wäschewaschen am Bach plötzlich einen Vogel, den sie noch nie gesehen hatte. Ihr Heimatdorf liegt im Kreis Songyang der Stadt Lishui, einer landschaftlich bezaubernden Ecke der Provinz Zhejiang. Grüne Krallen, große Augen, spitzer Schnabel und weißgefleckte Flügel, so beschreibt die Chinesin das gesichtete Tier, das scheinbar verletzt war. Der Vogel sei nicht in der Lage gewesen, sich alleine aufzurichten. Die Bäuerin wusste, was zu tun war. Sie kontaktierte umgehend den Dorfförster. Während sie auf den Ranger wartete, nahm sie den Vogel zunächst mit nach Hause und versuchte, ihn mit einem Fisch aufzupäppeln, den das Tier jedoch gleich wieder ausspie. 

Förster Ye Weirong, gleichsam stellvertretender Parteisekretär von Huangnan, meldete den Fund sofort der Forstbehörde des Kreises, machte Fotos des gefiederten Freundes und postete diese in ihrer WeChat-Gruppe. Noch am späten Abend trafen Fachleute der Forstbehörde im Dorf ein, um den Vogel zur medizinischen Behandlung in ein Wildtierschutzkrankenhaus zu bringen. 

Nach eingehender Begutachtung stand die Diagnose der Experten fest: Es handelte sich um ein Exemplar einer gefährdeten Art, die unter höchster nationaler Schutzstufe steht, nämlich einen Hainan-Reiher. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass der Vogel gar nicht verletzt war, sondern unter Parasitenbefall im Magen litt, weshalb er weder fressen noch aufstehen konnte. Einige Tage später konnte der Nachtreiher nach erfolgreicher Behandlung vollständig genesen in die Freiheit entlassen werden, eine Vogelrettung mit Happyend also. 

Naturliebe mit Tradition 

Mit einem geschätzten Bestand von nur 1000 Exemplaren gehört der Nachtreiher zu den 30 am stärksten gefährdeten Vogelarten der Welt. Er siedelt bevorzugt in Flusstälern mit sauberem Wasser und unberührter Natur. Umso mehr freut sich Ye Weirong über die Sichtung des Tiers in seinem Dorf. Für ihn ein klarer Beleg dafür, dass sich die ökologische Umwelt im Kreis Songyang deutlich verbessert hat. 

Der Vogel- und Wildtierschutz hat im Kreis Tradition. Hier kennt zum Beispiel jeder die Geschichte der Familie von Yuan Linwei, die sich schon seit mehreren Generationen unermüdlich dem Eulenschutz widmet.  

Alles habe im Jahr 1989 begonnen, erinnert sich Yuan Linwei für uns zurück. „Ich war neun, als ich eines Tages beim Spielen ein Eulenküken auf dem Hof vor unserem Haus fand.“ Der Mittvierziger sieht es vor sich, als sei es gestern gewesen, wie er und sein Großvater das Küken behutsam zurück ins Nest setzten. Seitdem taucht jedes Jahr Ende Februar ein Eulenpaar im Haus der Yuans auf. Vier Monate später fliegen die Vögel mit drei oder vier neugeborenen Küken wieder davon.  

Yuans Familie lebt noch immer in dem gelben Lehmhaus seiner Eltern und Großeltern, seit über 30 Jahren. Umziehen oder ein Umbau kamen für die Familie nicht in Frage, vor allem mit Blick auf die gefiederten Untermieter, die sich seit Generationen jedes Jahr auf dem Dachboden einnisten, um ihre Eier auszubrüten. 

Schätzungsweise pellten sich bereits mehr als 100 Eulenjungen in Yuans Haus aus der Schale und wurden flügge. Heute weiß der Einheimische, dass es sich bei den tierischen Untermietern um Halsband-Zwergohreulen (Otus lettia) handelt. Sie stehen in China unter Naturschutz der Stufe zwei. 

Das verbesserte ökologische Umfeld in Songyang lockt immer mehr Wildtiere an, die sich niederlassen. Mittlerweile ist der Kreis ein echtes Vogelparadies. Seit 2010 kommt beispielsweise jeden Winter der Chinesische Gänsesäger (Mergus squamatus) zum Überwintern hierher. 

Im Mai 2023, rund um den Internationalen Tag der Artenvielfalt, lud Songyang zum vierten internationalen Vogelbeobachtungswettbewerb in die Stadt Lishui ein. Insgesamt 30 Teams aus dem In- und Ausland erfassten in zwei Tagen insgesamt 228 Vogelarten und stellten damit einen neuen Rekord für den Wettbewerb auf, verglichen mit 133, 165 und 195 Arten, die jeweils beim ersten, zweiten bzw. dritten Contest dokumentiert worden waren.  

„Für viele Menschen ist Vogelbeobachtung mehr als nur ein Zeitvertreib. Für Naturfreunde ist das Aufzeichnen der Vögel und die Durchführung von Aufklärungskampagnen eine Herzensangelegenheit. Sie sehen es als Teil ihrer Verantwortung“, erklärt Xie Wei, Vorsitzender des Umwelt- und Vogelschutzvereins der Stadt Lishui. 

   

Gefiederte Untermieter: Jedes Jahr Ende Februar suchen Eulen Unterschlupf im Wohnhaus von Yuan Linwei. (Foto: Yu Xiangjun)  

Gemeinsam für den Umweltschutz 

Dank der regen Beteiligung der Öffentlichkeit am Vogelschutz hat sich Songyang in Sachen Umweltschutz mittlerweile einen echten Namen gemacht. Im Internet werden Inhalte über den Ort tausendfach geteilt. Die Eulen, die im Haus von Yuan Linwei Unterschlupf finden, sind mittlerweile zu kleinen Internetstars avanciert. Im Mai 2020 übertrug der Radio- und Fernsehsender von Lishui das Leben der Eulen rund um die Uhr per Livestream auf seinem Douyin-Kanal. Schnell fanden die kleinen Tiere eine große Fangemeinde. Zu Peakzeiten verfolgten hunderttausende Fans gleichzeitig die Kükenaufzucht der Eulenmutter. 

„Die Eulen-Videos zählen inzwischen mehr als 300 Millionen Aufrufe. Viele Netizens loggen sich morgens vor der Arbeit in den Eulen-Livestream ein, und dann wieder pünktlich zum Feierabend, um über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben“, sagt Chai Songwei, Ingenieur des Büros für Naturressourcen und Umweltplanung des Kreises. Er erinnert sich noch an ein besonderes Erlebnis: „Eines Nachts klingelte mein Telefon ununterbrochen. Unzählige Anrufer meldeten sich, da sie dachten, die Eule stecke im Zugang zum Dachboden fest.“ Chai wandte sich daraufhin eilig an Yuan Linwei, um die Situation aufzuklären. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dem beobachteten Tier nicht um die Eulenmutter, sondern um ihre Beute handelte: Eine große Ratte, welche die Eule gefangen hatte, war steckengeblieben. Die vielen besorgten Fans waren erleichtert, als sich die Sache schlussendlich aufklärte. Wieder ein Vogel-Happyend. 

Auch im Ausland ist man mittlerweile auf die Eulen von Songyang aufmerksam geworden. Bei einem Thementag über Zhejiang im Rahmen der zweiten Phase der 15. Konferenz der Vertragsparteien (COP15) des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt in Montreal im Dezember 2022 berührte die Geschichte der treuen Eulen die Teilnehmenden sehr.  

„In Songyang ziehen beim Wildtierschutz eben alle an einem Strang. Das ist das Besondere“, lobt Zhou Dongmei, Parteisekretärin des Dorfes Huangnan. Über das Lokalradio gebe es täglich nützliches Wissen rund um den Schutz der örtlichen Wildtiere, um das Umweltbewusstsein der Dorfbewohner weiter zu schärfen. Und am Straßen- und Wegesrand ermahnten zahlreiche Hinweisschilder Besucher zum vorsichtigen Umgang mit Tieren und Natur. 

  

Gute Taten machen gute Laune: Vogelretterin Zhou Guimei im Gespräch mit „China Heute“. (Foto: Yu Xiangjun)  

Institutionelle Garantien schaffen 

Der Erfolg beim Schutz der Wildtiere ist letztlich auch den kraftvollen institutionellen Garantien zu verdanken, die im Kreis geschaffen wurden. In den letzten Jahren arbeitete die Kreisregierung unermüdlich daran, neue Maßnahmen zum Wildtierschutz auszuloten und gezielt Schutzmechanismen einzurichten, um so die reichen Wildtierbestände von Songyang wirksam zu behüten. Jedes Dorf im Kreis hat beispielsweise heute zwei Förster, die regelmäßig in den Bergen patrouillieren und gegen Wilderei vorgehen. Zudem gibt es noch sogenannte Waldpaten, die dafür sorgen, dass die wertvollen wilden Orchideen sowie andere seltene Arten aktiv geschützt werden.  

Seit 2017 sei es in Huangnan auch nicht mehr gestattet, Holz zu fällen, wie uns Ye erklärt. „Die Kreisregierung hat eine entsprechende Genehmigung aus der Vergangenheit zurückgenommen, um die Vegetation noch besser zu schützen. Im Zuge dessen wurden auch spezielle Maßnahmen ergriffen, etwa die Entfernung veralteter Toiletten ohne Spülung und eine Verbesserung der Mülltrennung“, sagt er. Als Folge hätten sich die Wasserqualität und die Umwelt des Dorfes erheblich verbessert und der Bestand an seltenen Wildtieren sei deutlich gestiegen. 

Und noch mehr: In der ersten Jahreshälfte 2023 installierte das Büro für Naturressourcen und Umweltplanung des Kreises vier Kuppelkameras an den wichtigsten Aktivitätsorten im Überwinterungsgebiet des Gänsesägers und stellte 13 Infrarotmonitore an geeigneten Stellen auf. Gleichzeitig hat man Personal für die Datenerfassung entlang bestimmter Routen abgestellt, um in Not geratenen Wildtieren zu helfen. Im ersten Halbjahr 2023 legte die Patrouille rund 120 Kilometer zurück. Dabei wurden mehr als 13.000 Vögel aus 22 Arten beobachtet und keine Anomalien bei Wildtieren festgestellt. 

Mit der raschen Erholung der Wildtierbestände kommt es heute ab und an zu Schäden durch Wildtiere an den Anbauflächen und zu Angriffen auf Menschen. Aus diesem Grund bemüht sich die örtliche Regierung weiterhin um ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Wildtiere und der Wahrung der Rechte und Interessen der Öffentlichkeit. Es wurde eigens ein Hilfsmechanismus bei Wildtierschäden eingerichtet. Ergänzt wird er zur Entschädigung durch ein kommerzielles Versicherungsprojekt. Im Rahmen dieser Anstrengungen richtete die Kreisregierung im Mai 2021 einen Fonds in Höhe von 280.000 Yuan (umgerechnet rund 36.000 Euro) ein. Die Gelder werden unter anderem für eine Haftpflichtversicherung für Wildunfälle verwendet. Sie bietet all denjenigen, die durch Wildtiere Personen- oder Sachschäden erleiden, die notwendige Entschädigung. 

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