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Warum die Welt China braucht — Der Volksrepublik zum Siebzigsten

Von Christian Y. Schmidt  ·   2019-09-30  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: China;Gründungsjubiläum
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Hoffnung für die Armen  

Die Welt ist aufgeteilt in arm und reich. Etwa fünfzehn Prozent der Weltbevölkerung lebt in reichen Ländern, die wiederum hauptsächlich in der westlichen Welt liegen. Dieser Zustand schien jahrhundertelang wie festgemeisselt. Außer in einigen kleineren Sonderfällen hatte es kein Land der dritten Welt geschafft, der Armut zu entkommen. Erst mit dem Auftritt der Volksrepublik China auf der Weltbühne hat sich das geändert. Nach Angaben der Weltbank hat China in den letzten Jahrzehnten achthundert Millionen Menschen aus der Armut geholt; zum Mittelstand zählen inzwischen sogar etwa vierhundert Millionen Chinesen.  

Damit ist China ein Modell für die Welt geworden, ganz besonders dort, wo sie noch am ärmsten ist: In Afrika. Der Westen hatte diesen Kontinent lange Zeit vollkommen abgeschrieben. Bezeichnungen wie „Hopeless Africa“ (The Economist im Mai 2000) oder „der vergessene Kontinent“ waren gang und gäbe. Und selbst im Juni 2009 erklärte der britische Ökonom Paul Collier in der deutschen Tageszeitung „Die Welt“ noch, dieser „verlorene Kontinent“ wäre nur durch gezielte militärische Interventionen des Westens zu retten. Auch hier änderte sich das Bild erst, als China als Akteur auftrat. Im größeren Stil begann das im November 2006 mit einem ersten Gipfeltreffen von Staatsoberhäuptern und Regierungschefs aus fünfunddreißig afrikanischen Ländern in Beijing. Anlässlich dieser Konferenz wurde unter anderem der China-Africa Development Fund aufgelegt.   

Christian Y. Schmidt (Foto: Jo Zarth)

Ich erinnere mich noch gut, wie dieser Gipfel im Westen belächelt wurde. Nur drei Jahre später jedoch übertraf China die USA als größter Handelspartner Afrikas. Danach änderte sich das Bild des Kontinents in den westlichen Medien. So erschien im März 2013 ein langer Special Report des „Economist“ zu Afrika, der jetzt mit  „A hopeful continent“ überschrieben war; geschildert wurde darin eine Region im Aufbruch, in der die Wirtschaft in vielen Ländern boomt, die Kindersterblichkeit sinkt und die allgemeine Lebenserwartung steigt. Und wenn es zwischendurch auch den einen oder anderen Rückschlag gab, so hält doch dieser Trend bis heute an. Dabei führen Länder wie Äthiopien („China of Africa“, Bloomberg) oder Kenia, die besonders eng mit China kooperieren, die Entwicklung an.   

Es ist also nicht unerheblich China zu verdanken, dass in weiten Teilen Afrikas die allgemeine Hoffnungslosigkeit ein Ende hat. Aber es sind nicht nur die armen Staaten, die von der Existenz Chinas profitieren. Inzwischen ist es ja schon fast wieder vergessen, doch es war hauptsächlich Chinas Investitionspolitik, die die Weltwirtschaft während der Weltfinanzkrise vor  mehr als zehn Jahren vor dem Kollaps bewahrte. Nicht auszudenken, in welchem Zustand die Welt sich heute befände, wenn in diesem Moment die chinesische Führung nicht die Nerven bewahrt und genau das Richtige getan hätte. Auch dafür kann man der Volksrepublik an ihrem siebzigsten Jahrestag einmal Danke sagen.  

Hoffnung für Umwelt und Weltklima 

Jede Entwicklung hat eine Kehrseite, und je wohlhabender die Menschheit wird und je mehr sie produziert, desto mehr untergräbt sie ihre eigenen Existenzgrundlagen. Auch hierauf hat China reagiert, und zwar schneller und entschiedener als andere. Die Volksrepublik ist weltweit führend bei der Elektrizitätsgewinnung aus erneuerbaren Energiequellen. Nach Angaben der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) haben sich die Windkraftkapazitäten des Landes im laufenden Jahrzehnt bisher verzweiundzwanzigfacht und die der Solarkraft versiebenhundertfacht. Damit erzeugt China dreißig Prozent der weltweiten erneuerbaren Energie und lässt die USA (10%) weit hinter sich. Und China ruht sich nicht auf diesen Erfolgen aus. Im Jahr 2018 investierte es 91,2 Milliarden US-Dollar in saubere Energien, während die USA nur 48,5 Milliarden und die Europäische Union 61,2 Milliarden ausgaben. „Kein Land hat sich besser als China positioniert, um die erste Erneuerbare-Energien-Supermacht zu werden“, stellte die „Global Commission on the Geopolitics of Energy Transformation“ zu Recht fest, der der ehemalige isländische Präsident Olafur Grimsson vorsteht.  

Zudem ist China bei der Begrünung des Planeten führend. Während in Südamerika, Afrika und Südostasien große Waldflächen verloren gehen, wird in China das größte Wiederaufforstungsprogramm in der Geschichte der Menschheit realisiert. Von 2013 bis 2018 hat die chinesische Regierung 338.000 Quadratkilometer mit Bäumen bepflanzen lassen, eine Fläche, fast so groß wie Deutschland. In China hat man aber auch verstanden, dass die weitere Bevorzugung des Individualverkehrs zu einem Kollaps führen wird. Zwar geht die Automobilisierung leider auch im Reich der Mitte weiter, aber immerhin fahren zusehends Elektroautos auf seinen Straßen. 2018 wurden in China mehr Elektroautos verkauft als im Rest der Welt zusammen. 

Viel wichtiger aber ist: China investiert in den öffentlichen Verkehr wie kein anderer Staat der Welt. Während in Ländern wie Deutschland immer noch Bahnlinien stillgelegt werden, wird in der Volksrepublik das Bahnnetz massiv ausgebaut. Allein in diesem Jahr nahm die China Railway Cooperation 6.800 Kilometer neue Eisenbahnlinien in Betrieb, davon 4.100 Hochgeschwindigkeitslinien. Dabei verfügt China mit knapp 30.000 Kilometern sowieso bereits über ein Hochgeschwindigkeitsnetz, das länger ist als alle Hochgeschwindigkeitsnetze auf der Welt addiert. Ähnliche Zahlen sind vom öffentlichen Nahverkehr zu vermelden: Inzwischen fahren in dreiunddreißig chinesischen Städten U-Bahnen auf rund 4.600 Kilometer Gleisen; unter den fünfzehn längsten Nahverkehrssystemen in der Welt liegen acht im Reich der Mitte. Auch dieser Fortschritt wird von China exportiert. Im Rahmen der Belt-and-Road-Initiative baut China Eisenbahnlinien in Afrika, Südostasien und sogar in Europa, und hat zudem laut einer Greenpeacestudie vom Juli 2019 bisher Wind- und Solarkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 12,6 Gigawatt außerhalb Chinas errichtet.  

Das bedeutet, dass nicht nur bei der Beseitigung der globalen Ungleichheit und Armut ohne China nicht viel passieren würde, sondern es auch im Kampf gegen den Klimawandel und für eine Verkehrswende ohne China deutlich schlechter aussehen würde. „Wird China den Planeten retten?“, fragt deshalb die Asien-Direktorin der US-Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council, Barbara Finamore, in einem gerade erschienenen Buch so richtig wie provokant, und antwortet, dass China auf jeden Fall einen großen Beitrag dazu leistet. Auch dafür, Volksrepublik China, an Deinem siebzigsten Geburtstag vielen Dank.  

Hoffnung auf Frieden 

Das Wichtigste aber bleibt, dass sich Chinas Aufstieg friedlich vollzieht. Seit vierzig Jahren hat die Volksrepublik keinen einzigen Krieg mehr geführt oder sich außerhalb seines Hoheitsgebiets militärisch eingemischt, und zwar auch dann nicht, wenn ihre ökonomischen Interessen massiv berührt waren (wie zum Beispiel beim Umsturz in Libyen, als China binnen kürzester Zeit 35.000 seiner Staatsbürger aus diesem Land evakuieren musste). Im selben Zeitraum waren die USA in mindestens zehn Kriege, Invasionen und bewaffnete Konflikte verwickelt. Dass China seinen Einfluß in der Welt bisher ohne Krieg ausgebaut hat, gibt Hoffnung, dass wir dieses Mal der Thukydides-Falle entkommen, die in der Geschichte immer wieder zugeschnappt ist, wenn eine Großmacht auf- und eine andere abstieg. 

Natürlich gibt es auch Punkte, die an China zu kritisieren sind;  genauso wie Menschen machen auch Staaten Fehler. Und klar ist, dass sich China weiter reformieren und öffnen muss, um den hier skizzierten Kurs erfolgreich fortzusetzen. Doch an einem Geburtstag sollte Kritik hintenanstehen. Also noch einmal: Herzlichen Glückwunsch zum Siebzigsten, Volksrepublik China. Auf viele Jahre noch. 万岁.   

Die Ansichten des Autors entsprechen nicht zwangsläufig denen der Beijing Rundschau.

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