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Das Yiwu-Modell: „China-Chance“ statt „China-Schock“ |
| Von Wang Wen und Liu Ying* · 2026-07-07 · Quelle:cdd-online.com.cn |
| Stichwörter: Yiwu;Entwicklung |
Vor 20 Jahren beschrieb Xi Jinping, damals noch in seiner Rolle als Parteisekretär der Provinz Zhejiang, das Entwicklungswunder von Yiwu mit den Worten „unerklärlich, aus dem Nichts kommend und Steine in Gold verwandelnd“. Steine in Gold verwandeln, das steht im Chinesischen unter anderem für höchstes Business-Geschick. Die Kunst, kleine Geschäfte in großen Gewinn zu verwandeln. Yiwu ist von einer kleinen, zu Beginn der Reform und Öffnung noch völlig unbekannten Kreisstadt zur weltberühmten Kleinwarenhandelsmetropole aufgestiegen. Längst stützt sich die Stadt dabei nicht mehr nur auf die reine Erfolgsgeschichte des chinesischen Marktes. Sie gilt heute vielmehr als wichtiges Fenster, um Chinas Modernisierungsweg zu beobachten, die Logik der chinesischen Entwicklung zu verstehen und Zukunftstrends der Globalisierung zu erkennen.
Die Entwicklung Yiwus gilt seit 20 Jahren als Erfahrungswert von globaler Bedeutung. Denn der rasante Aufstieg des Städtchens hat der Welt einen Entwicklungsweg aufgezeigt, der sich von den traditionellen Industrialisierungs- und Modernisierungspfaden des Westens unterscheidet. Das Yiwu-Modell setzt auf marktwirtschaftliche Prinzipien, lässt der Regierung aber zugleich eine dienende Rolle zukommen. Es öffnet sich dem globalen Handel, bleibt aber in der heimischen Produktion verwurzelt. Die Stadt fördert Eigeninitiative, betont aber zugleich die Idee gemeinsamer Entwicklung. Dieses Zusammenspiel von effizientem Markt und handlungsfähiger Regierung ist gleichsam Sinnbild und Lehrstück der chinesischen Modernisierung.

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Effizienter Markt plus handlungsfähige Regierung
Yiwus Aufstieg ist in seiner kaufmännischen Tradition des „Hühnerfedern-gegen-Braunzucker-Tauschens“ verwurzelt, wie man in China sagt. In der Region ist der Ausspruch ein geflügeltes Wort. Er steht für eine „Millimeter-für-Millimeter-Mentalität“ – die Kunst, selbst aus kleinsten Geschäften Gewinn zu schlagen –, für den Mut, dabei Risiken einzugehen, und die Bereitschaft, auch schwierige Wege auf sich zu nehmen. Auf kargem Boden mit wenig Ackerland und vielen Menschen gelang es Yiwu im Zuge der Reform und Öffnung einst als eine der ersten Städte, die überlieferte Handelskultur der einfachen Bevölkerung in einen lebendigen, modernen Markt zu verwandeln. So schaffte die Stadt den Sprung vom einfachen Straßenmarkt zum weltweit größten Umschlagsplatz für Kleinstwaren.
Heute tummeln sich in Yiwu über 2,1 Millionen Produkte, das hier verankerte Handelsnetz umspannt mehr als 230 Länder und Regionen. Noch bemerkenswerter als diese schiere Größe ist die zugrundeliegende Funktionslogik des heute weltberühmten Großmarktes: Die Regierung agiert zum einen als Dienstleister und Infrastrukturanbieter. Sie baut Straßen und Häfen, verbessert die Logistiksysteme, optimiert das Geschäftsumfeld und erneuert die Regulierungsmodelle, um so dem Markt den Weg zu ebnen und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Zum anderen respektiert sie vollumfänglich die Dynamik der Privatwirtschaft, ermöglicht es unzähligen Kleinhändlern, mit niedrigen Markteintrittsbarrieren, geringen Betriebskosten und hoher Effizienz Geschäfte zu machen.
Dieses Modell – das Volk schafft den Markt, die Regierung dient diesem Markt und der Markt verbindet die Welt – unterscheidet sich sowohl von staatsdominierten als auch von kapitalgetriebenen, monopolistischen Marktsystemen. Treibende Kraft des Yiwu-Modells sind Zehntausende von Kleinhändlern, die zu extrem niedrigen Kosten in den Markt eintreten, mit höchster Effizienz handeln und so reale Gewinne erwirtschaften. Die Kernkompetenz des Yiwu-Modells besteht darin, durch institutionelle Innovation Chancen für die breite Bevölkerung zu schaffen, ungezügelte Kapitalexpansion und Marktmonopole zu verhindern und die Früchte der Entwicklung möglichst breit zu teilen.

Hanfu tragen und Drachenbootfest-Traditionen erleben: Am 18. Juni erleben ausländische Studierende des Yiwu Industrial & Commercial College die Zubereitung von Zongzi, den in Bambus- oder Schilfrohrblättern eingewickelten Klebreisklößchen zum Drachenbootfest.
Der praktische Wert einer „menschenzentrierten Globalisierung“
Westliche Narrative reduzieren Chinas Entwicklungserfolge seit langem gerne auf „billige Arbeitskräfte“ oder „staatliche Subventionen“. Das Beispiel Yiwu zeigt jedoch, dass die wahre Wettbewerbsstärke der chinesischen Wirtschaft in ihrer Fähigkeit zur Marktorganisation, industriellen Koordination und effizienten Lieferkettensteuerung liegt.
Vielen Europäern und Afrikanern ist Yiwu längst kein Fremdwort mehr. Ob in kleinen Läden in ganz Afrika, Großhandelsmärkten in Südfrankreich, Hafenlagern in Nordafrika oder Handelszentren in Mittel- und Osteuropa – überall tummeln sich heute Waren aus Yiwu. Die ostchinesische Stadt im Herzen der Provinz Zhejiang verbindet nicht nur den Warenhandel, sondern, wichtiger noch, die Existenzgrundlagen und Träume von Entwicklungsländern weltweit, von Millionen mittelständischer Unternehmen, ja letztlich von Milliarden einfacher Familien.
Für Afrika ist Yiwu eine Vorlage für inklusive Entwicklung mit Nachahmungswert. Der Kontinent verfügt über die jüngste Bevölkerung der Welt und einen riesigen Konsummarkt, kämpft jedoch mit einer schwachen Industrie und lückenhaften Lieferketten. Der Weg Yiwus zeigt, dass selbst ohne natürliche Ressourcen eine offene, effiziente Marktökologie mit niedrigen Transaktionskosten und privaten Initiativen globale Wettbewerbsfähigkeit hervorbringen kann. In Yiwu haben unzählige Heimwerkstätten und Kleinstunternehmen über den örtlichen Großmarkt Zugang zum internationalen Handel – es ist ein Gefüge entstanden, in dem heute Tausende von Haushalten am Außenhandel beteiligt sind. Dieses auf kleinen und mittleren Unternehmen basierende Entwicklungsmodell ist für afrikanische Länder von großem Vorbildcharakter.
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