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Teil 1: „Es ist mein Zeitalter, das mich nicht loslässt“

  ·   2018-07-16  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Reform und Öffnung;Jia Zhangke
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Jia Zhangke wurde 1970 in der Stadt Fenyang in der nordchinesischen Provinz Shanxi geboren. 1993 wurde er an der Literaturabteilung der Filmhochschule Beijing aufgenommen. Seit Beginn seiner Arbeit als Drehbuchautor und Regisseur (1995) hat er zahlreiche Preise auf internationalen Filmfestivals wie Venedig, Cannes und Berlin gewonnen und gilt als einer der „Regisseure der sechsten Generation“ in China. Trotz der Höhen und Tiefen seiner Karriere konzentrierten sich seine Werke immer darauf, das Schicksal und die Emotionen verschiedener Individuen im sozialen Wandel zu zeigen. Seine Filme werden als „eine besondere Art des Zugangs für all jene, die China besser verstehen wollen“ angesehen. 

„Wenn ein Zeuge für den modernen Wandel Chinas gesucht wird, dann bin ich eine geeignete Person. Weil ich zu Beginn der Reform und Öffnung 8 Jahre alt war und jetzt 48 Jahre alt bin. Die Reform und Öffnung hat sozusagen mein gesamtes bisheriges Leben bestimmt“, sagte Jia. 

Das unvergessliche Hungergefühl 

Im Jahr 1978 ging der damals achtjährige Jia Zhangke in die erste Klasse der Grundschule. Sein Vater war Chinesischlehrer an einer Kreisschule und seine Mutter war Verkäuferin bei einer Zucker- und Tabakfirma. Für damalige Verhältnisse waren die Jias eine normale Familie in der Kreisstadt – nicht arm, aber auch nicht reich. 

„Das unvergesslichste Gefühl in meiner Erinnerung ist der Hunger, denn zu dieser Zeit gab es in China immer noch Leute, die an Hunger litten. Als ich in der ersten Klasse der Grundschule war, aß ich zum Frühstück immer ein Maisbrötchen, das aber nicht genug Energie lieferte. Darum hatte ich immer nach der zweiten Unterrichtsstunde bereits wieder großen Hunger! Dieses ständige Hungergefühl werde ich nie vergessen. In den frühen 1980er Jahren verschwand der Hunger plötzlich. Die ganze Gesellschaft war plötzlich mit einem Schlag aktiv geworden, weil die Reform und Öffnung gestartet wurde. Für uns Kinder bedeutete das meiner Erinnerung nach vor allem, dass wir endlich genug zu essen hatten.“ 

Der „Science-Fiction-Wandel“ 

Der große Wandel kam zunächst auf leisen Sohlen. Neue Namen, neue Sachen und neue Ideen tauchten auf. Rückblickend verwendete Jia Zhangke viele Jahre später das Wort „Science-Fiction“, um diesen Wandel zu beschreiben: „Während der Grundschule, im Jahr 1979 oder 1980, habe ich einen Dokumentarfilm gesehen. In dem Film wurde davon berichtet, dass zu dieser Zeit in Shanghai eine Art Waschmaschine produziert wurde, die Kleider waschen und trocknen konnte. Ich dachte, ich bin in einem Science-Fiction-Film gelandet! Meine Mutter wusch damals immer noch im Becken, mit Waschbrett und Waschpulver! Wie hätte ich mir da eine Waschmaschine vorstellen können! Eine Zeit lang schien alles wie aus einer noch sehr weit entfernten, imaginären Zukunft zu sein. Aber schon drei oder vier Jahre später hatte fast jede Familie eine Waschmaschine“. 

Breakdance-Meister 

„Reform und Öffnung“ bezieht sich nicht nur auf die Transformationen im Bereich Politik und Wirtschaft, sondern auch auf die Aufhebung der ideologischen und kulturellen Verbote. Jia Zhangke und seine Mutter haben sich früher häufig den alten Film The Spring River Flows East angeschaut. Nach und nach begann das Kino damit, alle drei Tage einen neuen Film aufzuführen. Im Jahr 1982 wurde der Film Shaolin-Tempel veröffentlicht, den sich Jia sieben Mal angeschaut hat. Während seiner Zeit in der Mittelschule gab es in der Kreisstadt eine Videothek, in der man für 0,2 Yuan einen Kampfkunstfilm aus Hongkong sehen konnte. Jia Zhangke „berauschte“ sich an den Filmen mit den schnellen Schnitten. 1987 wurde der US-amerikanische Breakdance-Film Breakin’ in China gezeigt – und wurde kurz vor dem Abitur zu Jias neuem Lieblingsfilm. 

Jia sagt, dass er schon nach ein paar Minuten völlig in dem Film „versunken“ sei und das Gefühl gehabt habe, dass dieser Tanzstil wirklich für ihn geeignet sei! Er habe die Bewegungen wie den Moonwalk und Popping gesehen und sich gedacht: „Wow! So will ich auch tanzen können! Aber niemand konnte es mir beibringen!“ 

Deswegen sah Jia sich den Film immer wieder an und erlernte den Tanz im Selbststudium. Später gründete er mit seinen Freunden eine Tanzgruppe namens „Schädlinge“. Mit ihrem Kassettenrecorder „tourten“ die Jungs durch die Gegend und tanzten überall – auf öffentlichen Plätzen, in Hinterhöfen… 

Zeit der „Rastlosigkeit und Abenteuer“ 

Seine Jugendzeit verbrachte er damit, Gedichte zu schreiben, Fußball zu spielen und Breakdance zu tanzen. Genau wie all die anderen, die endlich von der ideologischen Gefangenschaft befreit waren, mochte er diese Zeit der Rastlosigkeit und Abenteuer. 

Für Jia Zhangke war das Beste jener Zeit, dass jeder denken, tun und lassen konnte, was er wollte. Diesen „abenteuerlichen“ inneren Zustand fühlten auch viele andere Menschen in seiner Umgebung. Er habe damals instinktiv gewusst, dass die Gesellschaft einen solchen Zustand unbedingt brauchte, sagt Jia. 

Die abenteuerlichste Zeit in seinem Leben sei die gewesen, als er die Hochschulaufnahmeprüfung nicht bestand. Nach einer Zeit der Verwirrung habe er aber schließlich beschlossen, sich für ein Studium an der Filmhochschule Beijing zu bewerben. 

Jia erinnert sich: „Ich rief meinen Vater an und sagte ihm, dass ich nicht mehr Malerei studieren wolle. Ich möchte mich an der Filmhochschule bewerben. Mein Vater legte sofort auf und kam ein paar Stunden später zu mir (von der Stadt Fenyang nach Taiyuan), um herauszufinden, was mit seinem Sohn los ist – war ich etwa krank?“ Das war im Jahr 1991. Wollte ein Kind zu dieser Zeit in einer Kreisstadt in der Filmindustrie arbeiten, konnten die Eltern einfach nicht verstehen, woher diese verrückte Idee kam! Wer damals solche Ideen hatte, schien ein bisschen abgehoben, unrealistisch und verrückt zu sein. 

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