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Die deutsche Erinnerungskultur nach dem Zweiten Weltkrieg

Von Zhao Piao  ·   2019-11-22  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Erinnerungskultur;Deutschland;China
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Vom 14. bis 16. November fand das internationale Expertenforum zum Thema „Entwicklung und Gestaltung der deutschen Erinnerungskultur nach dem Zweiten Weltkrieg“ in Beijing statt. Dutzende von Experten und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland, unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, Russland, Polen und Ungarn, nahmen an dem Forum teil. Es wurden ausführliche Diskussionen zu Themen wie nationale Identität und kulturelles Gedächtnis geführt. Dabei standen deren Auswirkungen auf die deutsche Innen- und Außenpolitik, die Erinnerungskultur sowie die Entwicklungstendenzen der deutschen Außenpolitik und der deutsch-chinesischen Beziehungen im Fokus.

2019 ist sowohl ein „Super-Gedenkjahr“ als auch ein „Super-Wahljahr“ für Deutschland: Vor 100 Jahren wurde die Weimarer Verfassung verabschiedet, vor 80 Jahren brach der Zweite Weltkrieg in Europa aus, vor 70 Jahren wurde das Grundgesetz verabschiedet. In diesem Jahr fand nicht nur landesweit die Europawahl statt, sondern auch Landtagswahlen im westdeutschen Bundesland Bremen und in den drei ostdeutschen Bundesländern Sachsen, Brandenburg und Thüringen. Es ist nicht zu vernachlässigen, dass Nationalismus und Populismus in den vergangenen Jahren einem weltweiten Trend folgend auch in Deutschland immer stärker in Erscheinung treten. All dies übt gewissen Einfluss auf die innen- und außenpolitische Entwicklung Deutschlands sowie die Situation in Europa aus.

Die Podiumsdiskussion zum Thema nationale Identität, kulturelles Gedächtnis und ihre Auswirkungen auf die deutsche Innen- und Außenpolitik findet am 15. November statt. (Foto vom Organisator zur Verfügung gestellt)  

Aus der Geschichte lernen 

Vor 80 Jahren brach der Zweite Weltkrieg in Europa aus, was nicht nur eine große Katastrophe für die ganze Welt darstellte, sondern schließlich auch zur Spaltung Deutschlands führte. Prof. Dr. Sebastian Harnisch, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Politische Wissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, meinte, dass Deutschland eines der wenigen Länder des 20. Jahrhunderts gewesen sei, das die Geschichte der internationalen Politik und Gemeinschaft stark geprägt habe. Die deutsche Geschichte präge heute nach wie vor die internationale Politik. Aus dieser Perspektive gehöre die deutsche Geschichte nicht nur den Deutschen, sondern auch allen anderen Völkern.

Angesichts der gegenwärtigen Situation des Wiederauflebens rechtsextremer Kräfte in Deutschland sagte Prof. Gu Junli, Vorsitzender der Chinesischen Forschungsgesellschaft für Deutschlandstudien, Institut für Europastudien an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, dass es momentan von großer Bedeutung sei, die Erinnerungskultur Deutschlands zu untersuchen.

Prof. Dr. Yang Xiepu, Direktorin des chinesisch-deutschen Kooperationszentrums der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, blickte auf den Prozess der europäischen Integration zurück, in dem Deutschland als Initiator und besiegtes Land der beiden Weltkriege das traumatische historische Gedächtnis repariert, die Aussöhnung mit den Nachbarländern wie Frankreich und Polen erreicht, seine Wirtschaft wiederhergestellt und einen normalen Entwicklungspfad eingeschlagen habe. Sie wies darauf hin, dass heutzutage, wo Populismus, Nationalismus und Konservatismus Europa und Amerika durchzögen, es sich lohne, tief zu erforschen, wie sich die Erinnerungskultur auf die Rolle Deutschlands auswirken wird.

Chinesisch-deutsche Beziehungen unter historischen und kulturellen Einflussfaktoren 

Angesichts der gegenwärtigen düsteren internationalen politischen und wirtschaftlichen Lage und der engen Partnerschaft zwischen China und Deutschland, wurde auf dem Forum der Einfluss der deutschen Erfahrungen hinsichtlich der Vergangenheitsaufarbeitung auf die Weiterentwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen schwerpunktmäßig analysiert.

Prof. Dr. Cui Hongjian, Direktor der Forschungsabteilung für EU-Studien des Chinesischen Forschungsinstituts für Internationale Fragen, sagte, dass China heute seit drei Jahren der größte deutsche Handelspartner sei, und die Frage, wie man sich gegenseitig ein Vertrauenspartner werden könne, zu einem äußerst wichtigen und dringenden Thema geworden sei. „Der Aufbau gegenseitigen Vertrauens ist nicht nur ein enger politischer Austausch, Personalaustausch und enge Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, sondern ein systematisches Projekt von der gegenseitigen Kenntnis zur gegenseitigen Anerkennung, das Werte, Institutionen, Verhaltensweisen und tiefgreifende historische und kulturelle Faktoren abdeckt“, erklärte Cui.

Dr. Yu Fang von der Germanistikabteilung der Fremdsprachenuniversität Beijing meinte, obwohl der menschliche Austausch zwischen China und Deutschland große Erfolge erzielt habe, sei das Problem der „Asymmetrie“ zu erkennen. Laut Yu existiere„Asymmetrie“ in der kulturellen Kommunikation, im Personalaustausch und auch in der gegenseitigen kognitiven Einstellung. „Die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des menschlichen Austauschs zwischen China und Deutschland haben sich immer weiter verbessert. Wenn wir den Austausch zwischen China und Deutschland in verschiedenen Bereichen auf der Mikro-, Meso- und Makroebene weiter ausbauen können, dann werden wir bestimmt in der Lage sein, fruchtbarere Ergebnisse zu erzielen“, so Yu.

Aus der Perspektive der chinesisch-deutschen Wirtschafts- und Handelszusammenarbeit analysierte Prof. Dr. Tian Dewen, Stellvertretender Direktor des Europa-Forschungszentrums an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, dass sich die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit in einen neuen Modus der Zusammenarbeit zwischen entwickelten und starken Entwicklungsländern verwandele, da die chinesische Wirtschaft in den letzten Jahren mit hoher Geschwindigkeit weiter gewachsen sei. „Solange China und Deutschland jedoch aktiv aus der Geschichte lernen und sich weiterhin an eine offene, integrative und für beide Seiten vorteilhafte Denkweise halten können, wird die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit eine strahlende Zukunft haben“, stellte Tian fest. Prof. Dr. Zheng Chunrong, Direktor des Forschungsinstituts für Deutschlandstudien an der Tongji-Universität in Shanghai, betonte, dass der Einfluss des historischen Gedächtnisses auf die diplomatische Entscheidungsfindung jedoch nicht verallgemeinert werden könne. Dies liege daran, dass es im konkreten Einzelfall viele Möglichkeiten gebe, im Einklang mit dem historischen Gedächtnis zu handeln.

Das Expertenforum wurde von dem Fremdspracheninstitut der Renmin-Universität China und dem Forschungsteam des Schwerpunktforschungsprojekts der Chinesischen Nationalstiftung für Sozialwissenschaften „Der Deutsche Bundestag und der Aufbau der deutschen Erinnerungskultur (1990-2015)“ gemeinsam mit der Chinesischen Forschungsgesellschaft für deutsche Geschichte, der Chinesischen Forschungsgesellschaft für Deutschlandstudien der Chinesischen Dachgesellschaft für Europastudien, der Redaktion der Fachzeitschrift „Deutschlandstudien“ sowie der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Hanns-Seidel-Stiftung veranstaltet.

In Bezug auf die Rolle der Forschung über den Aufbau der deutschen Erinnerungskultur bei der Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen im neuen Zeitalter sagte Prof. Dr. Meng Hong von der Germanistikabteilung der Renmin-Universität China im Interview mit der Beijing Rundschau, dass der Aufbau der Erinnerungskultur viele Faktoren wie das Friedenskonzept der deutschen Außenpolitik und die Garantie für Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Freiheit in der Innenpolitik sowie die Transparenz der politischen Entscheidungsfindung einbeziehe, den Prozess und Inhalt der demokratische Entscheidungsfindung Deutschlands beeinflusse und sich somit unmittelbar auf die Entwicklung der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit auswirke. Beispielweise lege Deutschland im Prozess der bilateralen Zusammenarbeit Wert auf Wertorientierung, kritisches Denken und nachhaltige Entwicklung.

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