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„Der deutsche Buchhandel sollte sich von den ‚guten alten Zeiten‘ verabschieden“

Von Zhao Piao  ·   2018-06-07  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Buchhandel;Deutschland
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In den letzten Jahren erlebt der globale Buchmarkt im Allgemeinen einen Abschwung. Dabei bildet auch Deutschland, das trotz seiner relativ kleinen Bevölkerung von nur 83 Millionen Menschen den zweitgrößten Buchmarkt der Welt darstellt, keine Ausnahme. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass der deutsche Buchmarkt von 2013 bis 2017 insgesamt 6,4 Millionen Buchkäufer verloren hat und die Leserzahl auf unter 30 Millionen gesunken ist. Gleichzeitig sank der Anteil der Personen, die regelmäßig lesen, von 38 auf 32 Prozent. 

„In der heutigen Zeit sind Bücher nicht mehr das einzige Medium, um Geschichten zu erzählen. Lesen ist für viele Menschen auch keine Option mehr. Wir müssen uns diesem Entwicklungstrend stellen und uns von den guten alten Zeiten des Buchhandels verabschieden“, sagte Dr. Michael Roesler-Graichen, Redakteur beim Börsenblatt, auf der sechsten internationalen „StoryDrive“-Konferenz in Beijing. 

Dr. Michael Roesler-Graichen bei seiner Rede auf der sechsten internationalen „StoryDrive“-Konferenz. (Foto: Deutsches Buchinformationszentrum Beijing) 

Der stabile aber schwächelnde deutsche Buchhandel 

Trotz der starken Konkurrenz durch andere Medien, einschließlich des Internets, ist der deutsche Buchmarkt in den letzten zehn Jahren im Großen und Ganzen stabil geblieben. Laut der jüngsten Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels könne man den Trend hinter den derzeit noch ordentlichen Verkaufszahlen nicht mehr leugnen: der Markt schrumpft. 

Neben der sinkenden Anzahl von Buchkäufern pro Jahr sind die durchschnittliche Lesezeit und die Anzahl der gelesenen Bücher in Deutschland in den letzten fünf Jahren weiter zurückgegangen: demnach lesen derzeit nur 42 Prozent der Befragten mindestens ein Buch pro Woche. Auffällig ist, dass dieser Trend nichts mit dem Bildungsniveau der Befragten zu tun hat – was bedeutet, dass auch die Lesegewohnheiten gebildeter Menschen allmählich verschwinden. 

Laut Dr. Michael Roesler-Graichen ist die Gesamtzeit, die die Deutschen auf verschiedenen Medien verbringen, im Wesentlichen stabil geblieben. Aber die Verteilung der Aufmerksamkeit und Zeit auf verschiedene Medien verändere sich rasant. Im Jahr 2017 haben die Deutschen durchschnittlich zweieinhalb Stunden pro Tag im Internet verbracht, 20 Minuten mehr als noch im Jahr 2016. Die Leute verbringen auch immer mehr Zeit damit, sich online Filme anzusehen und Spiele zu spielen. 

Auch wenn die Gesamteinnahmen der unterschiedlichen Medienmärkte stetig gestiegen sind, ist der Anteil der Buchmarktumsätze 2017 gegenüber 2016 geschrumpft und gehörte zu den ganz wenigen Märkten mit negativem Wachstum. 

„Das Hauptproblem ist ganz einfach, dass die Leute nicht mehr lesen“, betonte Roesler-Graichen im Interview mit der Beijing Rundschau. 

Dr. Michael Roesler-Graichen beim Interview mit der Beijing Rundschau. (Foto: Zhao Piao/BR) 

Das neue Lese-Dilemma der Deutschen 

In einer sich schnell entwickelnden, modernen Gesellschaft achten die Menschen vermehrt darauf, das Arbeits- und Privatleben miteinander im Einklang stehen – die vielbeschworene „Work-Life-Balance“, also genügend Freizeit zu haben, ist vielen Leuten immer wichtiger. Die meisten Menschen sind jedoch übermäßig von elektronischen Geräten wie Smartphone und Tabletcomputer abhängig und werden von früh bis spät mit digitalen Informationen überschwemmt.

Damit verändern sich auch die Lesegewohnheiten der Leute. Mit begrenzter Freizeit und Energie wird es für sie immer schwieriger, sich beim Lesen zu entspannen – oder sich für einige Stunden ohne Ablenkung auf einen Text zu konzentrieren. 

Somit entsteht eine neue Art von Widerspruch, nämlich der Widerspruch zwischen dem Bedürfnis der Leute nach Selbstverbesserung in ihrer Freizeit und dem Verlust ihrer Lesegewohnheiten. 

Viele Deutsche lesen nicht mehr, weil ihnen inzwischen andere, bequemere Alternativen in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen – die neuen Medien haben in hohem Maße das traditionelle Lesen ersetzt. Allerdings haben viele befragte Deutsche auch gesagt, dass sie sich verloren fühlen würden, wenn Bücher vollständig aus ihrem Leben verschwinden würden. 

„Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus? Das ist die Frage, die Buchhändler und Verlage sich derzeit stellen. Wir sind noch auf der Suche nach einem Ausweg“, sagte Roesler-Graichen. 

Leseförderung ist die grundlegendste Lösung 

Roesler-Graichen ist der Meinung, dass es am wichtigsten sei, darüber nachzudenken, wie man das Lesen fördern, eine neue Lesekultur etablieren und den Deutschen, insbesondere den Jugendlichen, bei der Überwindung dieses Dilemmas helfen könne – damit sie sich nicht völlig vom Lesen abwenden.

Er erklärte, dass viele Einrichtungen in Deutschland bereits Leseförderungsaktivitäten durchführen, um eine neue Leseumgebung und -kultur zu schaffen. So veranstaltet beispielsweise der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 1959 jährlich den „Vorlesewettbewerb“. Über 570.000 Schülerinnen und Schüler aus 7.000 Schulen in Deutschland nahmen im letzten Jahr daran teil. Darüber hinaus organisiert die Interessengruppe Leseförderung jedes Jahr das Projekt „Lesetüte“ für Lese- und Schulanfänger. Dabei erhält jedes Kind zur Einschulung als Willkommensgruß eine fantasievoll bemalte und farbenfrohe Lesetüte. In diesem Jahr werden insgesamt 130.000 Bücher und Lesetüten für Erstklässler an alle teilnehmenden Buchhandlungen ausgeliefert.

Mitarbeiter der Buchhandlung „Buchplatz“ in Frankfurt befüllen die „Lesetüten“ – ein Angebot der Interessengruppe Leseförderung für junge Leser. (Foto: Claus Setzer) 

In Bezug auf die Beziehungen zwischen den traditionellen Papierbüchern und den neuen E-Books meinte Roesler-Graichen, dass beide von großer Bedeutung seien, solange sie bei den Leuten die Lust am Lesen wecken könnten. 

In Deutschland gibt es bereits eine Vielzahl digitaler Leseplattformen. Zum Beispiel können die Leser mit der Lese-App „Pagego“ jederzeit zwischen Buch und mobilem Lesen wechseln, indem sie die zuletzt gelesene Buchseite scannen und das Buch dann auf dem Smartphone oder Tablet weiterlesen. Mit einer anderen App namens „lesio“ kann man auf dem Smartphone kostenlos neue Bücher anlesen – ohne den Autor des Textes, den Verlag oder gar den Buchtitel zu kennen. Wenn der Inhalt des Buches gefällt, kann man das Buch durch die App bestellen. „Es sind also nicht der Autor, der Verlag oder die schön gestalteten Cover, die die Leser dazu anregen, die Bücher zu kaufen, sondern die Geschichte beziehungsweise der Inhalt der Bücher selbst. Das ist genau die Entwicklungsrichtung, die wir in der Verlagsbranche sehen wollen“, sagte Roesler-Graichen. 

Roesler-Graichen betonte, dass der deutsche Buchhandel der Realität ins Auge sehen müsse. Elektronische Geräte wie Smartphones und Tabletcomputer hätten längst die ursprüngliche Position von Büchern übernommen und seien zu den neuen, digitalen Geschichtenerzählern der Gesellschaft geworden. Heutzutage sei Lesen für viele Leute gar kein Thema mehr, daher müsse sich der deutsche Buchhandel von den „guten alten Zeiten“ verabschieden und sich an den neuen Entwicklungstrend anpassen. 

„Die gute Nachricht ist, dass es für den Buchhandel immer noch Chancen gibt, weil die Leute mit dem Lesen immer positive und schöne Erinnerungen und Gefühle verbinden werden. Bücher sind immerhin ein Produkt, das den Menschen neben Unterhaltung und Bildung auch einen positiveren Ausblick auf das Leben bieten kann“, sagte Roesler-Graichen. 

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