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Ökologische Zivilisation und KI: Hans d’Orville plädiert für globale Partnerschaften

Ren Bin, Dali  ·   2026-06-02  ·  Quelle:german.china.org.cn
Stichwörter: Erhai-Forum;Ökologische Zivilisation
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Anlässlich des diesjährigen Erhai-Forums kamen im südwestchinesischen Dali hochrangige Vertreter aus 16 Ländern zusammen, um über den globalen grünen Wandel zu beraten. Der UNESCO-Experte Hans d’Orville plädiert dafür, das chinesische Konzept der „Eco-Civilization“ global zu verankern und Künstliche Intelligenz für den internationalen Umweltschutz nutzbar zu machen.

 

Hans d’Orville, Vorsitzender des Beratungsgremiums „International Center for Creativity and Sustainable Development (ICCSD)“, im Interview am Rande des Erhai-Forums 2026 in Dali, Provinz Yunnan (Foto: Organisationskomitee des „2026 Erhai-Forums für den globalen Aufbau der ökologischen Zivilisation“) 

Vor der Kulisse des Erhai-Sees – einem der bekanntesten Süßwasserseen Südwestchinas – kamen am vergangenen Samstag Politiker, Umweltexperten und Wirtschaftsführer aus aller Welt in Dali in der südwestchinesischen Provinz Yunnan zum „Erhai-Forum für den globalen Aufbau der ökologischen Zivilisation“ zusammen. Diese Konferenz, die ursprünglich 2021 als langfristiges Begleitprojekt der UN-Biodiversitätskonferenz (COP15) ins Leben gerufen wurde, fand in diesem Jahr bereits zum fünften Mal statt. Unter dem Motto „Innovationskräfte für ein schönes China bündeln“ diskutierten mehr als 200 Teilnehmende aus 16 Ländern und Regionen – darunter Deutschland, Kanada, Japan, Thailand, Südafrika und Kenia – über ökologische Governance, grüne Innovationen und nachhaltige Entwicklung. Zu den profilierten internationalen Gästen gehörte Hans d’Orville, Vorsitzender des Beratungsgremiums „International Center for Creativity and Sustainable Development (ICCSD)“ der UNESCO, der die Bedeutung von Kreativität und technologischer Innovation für die Bewältigung globaler Umweltprobleme hervorhob.

Kreativität als Triebfeder der Nachhaltigkeit 

In seiner Rede unterstrich der ehemalige stellvertretende Generaldirektor der UNESCO für Strategische Planung die zentrale Rolle der menschlichen Kreativität im Kampf gegen die ökologische Krise. Angesichts schwindender planetarer Ressourcen sei diese die wertvollste erneuerbare Ressource der Menschheit und der entscheidende Treiber, um Traditionen und Innovationen zu verbinden und den Übergang zu einer kohlenstoffarmen, grünen Wirtschaft zu gestalten.

Als Beispiel nannte d‘Orville die zunehmende Bedeutung digitaler Kulturindustrien. Die Verbindung von immateriellem Kulturerbe, traditionellem Wissen und digitalen Technologien könne dazu beitragen, bestehende Wirtschaftssektoren nachhaltiger und ressourcenschonender auszurichten.

Besonderes Augenmerk legte d’Orville auf das in der chinesischen Verfassung verankerte Konzept der „Ökologischen Zivilisation“. Dieses gehe weit über klassischen Umweltschutz hinaus und ziele auf tiefgreifende „Integration zwischen menschlichen Ideen und den Naturbedingungen“, um eine harmonische Koexistenz von Mensch und Ökosystem zu erreichen. Mit Blick auf die weltweit stockende Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) regte er an, das Konzept auch in die internationale Debatte über die Entwicklungsagenda nach 2030 einzubeziehen. „Ich würde mir wünschen, dass dann im Jahr 2030 die Vereinten Nationen die Ökologische Zivilisation voll aufnehmen“, sagte d’Orville im Gespräch mit China.org.cn.

Erhai-See als Beispiel für Gewässerschutz 

Während des Forums stellte Wang Xian‘gang, stellvertretender Generalsekretär der Provinzregierung von Yunnan, aktuelle Fortschritte der Provinz im Bereich des Umweltschutzes vor. Die Luftqualität in den Städten auf Präfekturebene liege seit mehreren Jahren an über 98 Prozent der Tage im ausgezeichneten Bereich. Die Wasserqualität der grenzüberschreitenden Abschnitte der sechs großen Flusssysteme der Provinz erreiche durchweg die Kategorie II oder besser. Zudem sei die Waldbedeckung auf mehr als 57 Prozent gestiegen. Der Veranstaltungsort der Konferenz, Dali, wurde inzwischen als „Internationale Feuchtgebietsstadt“ anerkannt. Darüber hinaus gehört der Bezirk Dali zu den ersten nationalen Pilotregionen für den Aufbau sogenannter „schöner Städte“.

D’Orville würdigte diese Entwicklungen als bemerkenswertes Beispiel erfolgreicher Umweltpolitik. „Die Flüsse werden sauberer, die Verschmutzung der Seen wird in den Griff bekommen, und Windkraft sowie Elektrofahrzeuge ersetzen zunehmend herkömmliche Energiequellen“, sagte er. Zugleich sprach er sich dafür aus, diese Erfahrungen auch international zu teilen. Während bereits großes Interesse aus Ländern des Globalen Südens bestehe, stelle sich zunehmend die Frage, wie die Konzepte der „ökologischen Zivilisation“ auch in Industrieländern eingebracht werden können. Als mögliches Beispiel nannte er einen direkten Erfahrungsaustausch zwischen den für den Erhai-See zuständigen Behörden und den Verantwortlichen großer europäischer Seen wie dem Bodensee oder dem Genfer See.

KI als Werkzeug und die kulturelle Schnittstelle 

Ein Schwerpunkt des Vortrags des deutschen Wissenschaftlers war das Zusammenspiel von Ökologie und Künstlicher Intelligenz (KI). Im anschließenden Interview erklärte d’Orville, neben den USA nehme auch China in diesem Bereich bereits eine globale Führungsrolle ein. KI könne das Umweltmanagement durch präzise Datenanalysen – etwa bei der Überwachung der Wasserqualität – revolutionieren und massiv zur Senkung des CO2-Fußabdrucks beitragen.

Dennoch warnte d’Orville vor technokratischer Blindheit: „KI ist ein mächtiges Werkzeug. Doch die Kultur ist der Kompass, der die Richtung vorgibt.“ Ohne ethische und kulturelle Orientierung bestehe die Gefahr, Vorurteile und gesellschaftliche Ungleichheiten zu verstärken.

D’Orville verwies daraufhin auf bestehende Richtlinien der UNESCO und sprach sich für eine stärkere internationale Zusammenarbeit bei der Regulierung neuer Technologien aus. Er hoffe, dass die Vereinten Nationen künftig ein inklusives Komitee schaffen werden, in dem Staaten, der Privatsektor und lokale Gemeinschaften gleichermaßen vertreten sind. So könne man die Dominanz großer Tech-Konzerne brechen und die digitale Kluft zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden überbrücken. „Nur durch die praktische Integration indigener Wissenssysteme und sprachlicher Vielfalt kann KI zu einem Werkzeug des interkulturellen Dialogs und einer gerechten globalen Zukunft werden,“ betonte der Experte.

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