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Mein Weg zur Arbeit

Von Pamela Tobey  ·   2018-07-24  ·  Quelle:Beijing Rundschau
Stichwörter: Beijing;Fahrrad
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Pams Abenteuer auf Rädern in Beijing 

Pamela fährt am 13. Juli in Beijing mit ihrem Roller zur Arbeit. (Foto: Shi Gang) 

Als ich vor einigen Jahren in China ankam, war ich beeindruckt von der schieren Anzahl von Fahrrädern und Elektromotorrollern, die auf den Fahrradwegen der Straßen Beijings unterwegs waren. Zuerst war es einschüchternd, an Kreuzungen abzubiegen, aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an die Hektik. Anfänglich getraute ich mich mit meinem alten Fahrrad allerdings nur durch das Campusviertel zu fahren, in dem ich lebe. Doch so entwickelte ich nach und nach ein Gefühl dafür, mit meinem Fahrrad Teil des ganzen Verkehrsrummels zu werden. 

Ein Jahr später wagte ich dann den Sprung und kaufte mir mit Hilfe eines chinesischen Freundes mein erstes Elektrofahrrad und lernte, wie man sicher auf den belebten Radwegen fährt. Ich schätzte das neue Lebensgefühl, überall leichter hinkommen zu können und konnte von nun an schwere Einkaufstaschen auf meinem treuen Begleiter mit nach Hause befördern. Dann fing ich damit an, mit meinem Elektrofahrrad zur Arbeit zu pendeln,  da die Route zugegebenermaßen ziemlich einfach ist, und verließ also den Campus, um auf einer großen Straße mit breiten Radwegen auf beiden Seiten nach Süden zu fahren, bevor ich schlussendlich links in die Straße abbiege, wo sich mein Büro befindet. Vor kurzem habe ich mir nun einen Scooter gegönnt, der mit vielen Sicherheitsfunktionen ausgestattet ist und über ein schickes Design verfügt, und da der gute Scooter natürlich ebenfalls elektrisch ist, habe ich ihn gleich Sparky genannt.  

Ich liebe die Aussicht entlang meines Weges nach Süden: der BeiDa (Peking Universität) Campus, das blühende Zhongguancun Viertel,  welches auch als Chinas Silicon Valley bekannt ist, die traditionelle Architektur des eleganten Friendship Hotels und die große Nationalbibliothek. Wenn ich früh zur Arbeit gehe, sehe ich oft dieselben älteren Männer, die langsam auf ihren alten Fahrrädern fahren, einen Vogelkäfig an jedem Lenker, was für die kleinen Vögel etwas Zeit im Freien und frische Luft bedeutet. Ich sehe jeden Morgen und Abend an vielen Kreuzungen dieselben Verkehrswächter in blauen Uniformen oder leuchtend gelben Jacken, die versuchen, die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten und die Autos auf der rechten Seite in den Verkehr zu lenken, während sie die Fußgänger sicher überqueren lassen. Mein Lieblingsverkehrswächter ist ein älterer Herr, der mit einem kleinen Mikrofon und Verstärker dafür sorgt, dass seine Stimme auch garantiert gehört wird. Er sorgt mit eiserner Hand dafür, dass sich Fahrer und Fußgänger an der belebten Kreuzung an die Ampel halten und zögert nicht, diejenigen anzuschreien, die versuchen, die Ampelanzeige zu ignorieren. Die Fahrer und Fußgänger hören meist auf seine Worte und gehorchen. 

Aber neulich hat sich bei meinem täglichen Weg zur Arbeit etwas ereignet, das diese Routine um eine völlig neue Dimension erweitert.  

Es war ein schöner, klarer Sommertag auf dem Weg zur Arbeit. Ich genoss die kühle Morgenbrise, aber ein ernüchternder Anblick begrüßte mich ein paar Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Eine weiße Baseballkappe lag in der Mitte des Radweges in Zhongguancun. Gleich dahinter lag ein großes Elektro-Motorrad auf der Seite. Normalerweise fahre ich in dieser Gegend wegen des regen Verkehrs langsam, aber diesmal bin ich noch langsamer gefahren. Dann bemerkte ich einen Fuß darunter. Eine Frau war offenbar noch auf dem Motorrad, aber bewusstlos, und unter ihrem Kopf war eine rote Lache zu sehen. Da es den Anschein machte, dass die Fußgänger und Arbeiter in der Nähe die Situation fest im Griff hatten –  und ich mit meinem limitierten Chinesisch wohl ohnehin keine allzu große Hilfe dargestellt hätte, ging ich weiter.  

Danach fuhr ich Sparky allerdings wie eine ältere Großmutter und ließ alle anderen eilig an mir vorbei, als ich darüber nachdachte, was ich gerade gesehen hatte. Wenige Elektromotorroller- und Motorradfahrer tragen Helme, doch wenn diese Frau einen getragen hätte, hätte sie ihren Kopf vor dem direkten Aufprall auf die Straße geschützt. Ich begrüße demnach den jüngsten Schritt der Beijinger Behörden zur Einführung neuer Sicherheitsvorschriften und niedrigerer Geschwindigkeitsbegrenzungen für Elektroroller und Fahrräder. Die Einhaltung niedrigerer Geschwindigkeitsbegrenzungen kann Verletzungen bei einem Unfall vermindern und möglicherweise viele von ihnen sogar verhindern. 

Meine Fahrt zur Arbeit dauert nun zwar etwas länger, aber ich werde daran erinnert, meine Umgebung zu verlangsamen, meine Mitreisenden im Auge zu behalten und mein Ziel sicher zu erreichen. Ich denke immer an diese Frau, wenn ich auf meinen kleinen Motorroller steige. 

 (Die Autorin ist eine Amerikanerin, die in Beijing lebt.)

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