12-05-2010 Beijing Rundschau
Eine Idealstadt muss nicht gross sein
 

Xiao Xiao, 48 Jahre alt, Chemieingenieurin

Geburtsort: Beijing

Wohnorte: Beijing, Frankfurt, Berlin, Karlsruhe, Braunschweig, München, Lörrach, Qingdao

Meine ideale Stadt ist erstens eine Stadt mit guten öffentlichen Verkehrsmitteln, die es einem gestatten, leicht von A nach B zu kommen. Zweitens muss sie ein attraktives Zentrum haben. Einkaufsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und einen Treffpunkt für Menschen aus aller Welt sollte dieses Zentrum bieten. Es ist wichtig, auch andere Leute zu Gesicht zu bekommen, nicht nur die Stadtbürger, sondern auch Touristen und Studenten, die sich nur zeitweilig in der Stadt aufhalten. Das Stadtzentrum sollte also ein Platz zur multikulturellen Begegnung sein. Drittens ist Sicherheit wichtig. Vor allem in China fühlt sich ein Städter auf dem Land unsicher. Weil es so abgelegen ist, traut sich kaum jemand aufs Land zu ziehen. In China ist die Sicherheit ein großer Wert. Viertens soll meine Idealstadt attraktive Freizeitmöglichkeiten bieten: Parks, Museen, Kunst, Film, internationales Flair usw. Ich glaube, dass im Moment diese vier Punkte für mich die wichtigsten Merkmale meiner Idealstadt sind. Es ist eher eine Großstadt, zumindest nach deutschen Maßstäben!

Beijing ist mir mittlerweile schlicht zu groß. Es gibt zu viele Gebäude und zu wenig Grünflächen. Aber die öffentlichen Verkehrsmittel sind jetzt sehr gut. Ähnliches gilt für Shanghai und Guangzhou. In China würde ich am liebsten in einer südchinesischen Stadt mittlerer Größe wohnen, wie zum Beispiel Wuhan. Außerhalb Chinas finde ich München eine schöne Stadt, nicht zu groß, nicht zu klein. München ist die beste Stadt, auch im Hinblick auf die Lebensqualität. Sehr gemütlich, aber das sind die meisten Großstädte in Deutschland, verglichen mit China. Berlin ist überaus vielseitig, außerdem kann man sehr spät noch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Hamburg hat für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig Leute, ist aber sonst ganz o.k. Paris ist ein Sonderfall: die Stadt hat eigentlich zu viele Touristen, da tritt das Eigenleben der Stadt zu sehr zurück. Karlsruhe hingegen hat wiederum zu wenig internationale Atmosphäre.

Derzeit lebe ich in Qingdao. Stadt und Umgebung sind zwar sehr schön, aber es ist nicht so viel los. Für mich ist wichtig, dass es abends nach der Arbeit noch Aktivitäten gibt, dass man zum Essen gehen kann oder in eine Kneipe. Auf der Straße nachts in einem Café sitzen, das kann man vor allem in Südchina sehr gut. Sonst fühlt man sich wie auf dem Dorf, man kann gleich ins Bettchen gehen, wenn es dunkel ist!


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