29-08-2014
Exklusivberichte
Eine Erfolgsgeschichte: 20 Jahre partnerschaftliche Hilfe für Tibet
von Zeng Wenhui

 

Die vor 20 Jahren eingeführte Politik der partnerschaftlichen Hilfe hat die Entwicklung Tibets vorangetrieben. Auch die Anwohner profitieren deutlich davon.

Hilfe im Bildungsbereich: Die Zhejiang Middle School in der Präfektur Nagqu (ZENG WENHUI)

Nima Dolma arbeitet bei Tianrui Industry and Trade Co. Ltd. in der Eierverpackung (ZENG WENHUI)

Dem Tibeter Dorjee (63) gefällt sein neues Zuhause. Im letzten September zog er in ein mehr als 200 Quadratmeter großes Haus in der Wohnanlage Zhejiang in der Präfektur Nagqu im Autonomen Gebiet Tibet. In diesem August wurde die Region von heftigen, sintflutartigen Regenfällen heimgesucht. Sein Haus überstand wie die anderen Neubauten in seiner Nachbarschaft den Sturm unbeschadet, viele der alten noch nicht sanierten Lehmhäuser wurden dagegen regelrecht weggespült.

Die neuen Häuser wurden mit Hilfe der ostchinesischen Provinz Zhejiang errichtet und sollen selbst Erdbeben der Stärke 8 überstehen können. Dorjee verfügt nur über ein geringes Einkommen, er erhält einen minimalen Zuschuss zu seinen Lebenshaltungskosten von der Regierung. Für den Abriss seines alten Lehmhauses und den Bau eines neuen Hauses wurden ihm 85.000 Yuan zugesichert

"Ich bin froh, in so einem tollen Haus wohnen zu können und der Regierung sehr dankbar, dass sie das Hilfsprojekt durchgeführt hat", sagte er.

1994 traf der Staatsrat die strategische Entscheidung, die partnerschaftliche Hilfe für Tibet auszuweiten. Wirtschaftlich gut entwickelte Provinzen wurden dazu aufgefordert, zu Partnern tibetischer Kreise, Städte oder Präfekturen zu werden und deren Entwicklung zu unterstützen.

In den letzten 20 Jahren haben 17 Provinzen und Stadtverwaltungen in Zentral- und Ostchina sowie 17 staatliche Unternehmen und zahlreiche Regierungsministerien mehr als 7600 Hilfsprojekte durchgeführt und 5695 Funktionäre in sieben Gruppen zur Arbeit nach Tibet geschickt. Der Schwerpunkt der Hilfsaktionen lag auf dem Aufbau der Infrastruktur, es ging um die Befestigung von Straßen oder die Errichtung von Brücken. Heute hat sich dieser Schwerpunkt in Richtung Bildung, Gesundheitswesen und andere Initiativen verschoben, um das Einkommen der Bauern und Hirten zu steigern und ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Die Partner-Hilfsprojekte haben das Wachstum in dem autonomen Gebiet angekurbelt. Offiziellen Statistiken zufolge stieg das BIP in Tibet von 5,61 Milliarden Yuan im Jahr 1995 auf 80,2 Milliarden Yuan im Jahr 2013, das Wachstum erhöhte sich um das 13-fache.

Bildung

Gunxujua (13) ist ein Schüler der Zhejiang Middle School in der Präfektur Nagqu. Während der Sommerferien kehrt er normalerweise mit seinem Vater in seine Heimatstadt in der Provinz Qinghai zurück oder reist aus religiösen Gründen in die Präfektur Shannan und Xigaze.

In zwei Jahren kommt er in die Senior High School. Er hoffe, dass er das Glück haben werde, in einer Schule in Zentral- oder Ostchina angenommen zu werden, die auch tibetische Schüler aufnimmt, beschreibt er seinen Zukunftsplan.

Die Zhejiang Middle School in Nagqu ist eine Junior High School, die mit mehr als 76 Millionen Yuan der Provinzregierung von Zhejiang gebaut wurde. Offiziell eröffnet wurde sie am 20. August 2013. Zurzeit besuchen 568 Schüler die Schule, 70 bis 80 Prozent davon sind Kinder von Bauern und Viehhirten.

Direktor der Schule ist Logden, ein 32-jähriger tibetischer Musiklehrer. Die Schule sei eine gute Wahl für die Anwohner der Region, weil sie bezahlbar und gut ausgestattet sei und der Unterricht fast die gleiche Qualität wie in anderen Landesteilen habe. Daher entschieden sich in diesem Jahr viele Schüler in Nagqu, die von Mittelschulen in Zentral- und Ostchina zugelassen wurde, am Ende für die Zhejiang Middle School.

Die Schule ermöglicht den Kindern eine gute Ausbildung, ohne dass sie ihre Heimatstadt verlassen müssen. „Auch wenn die meisten Kinder, die ihre Eltern so jung verlassen, um in Zentral- und Ostchina zur Schule zu gehen, gut aufwachsen, sind einige nicht an das Klima und die Ernährung gewöhnt. Durch die Abwesenheit der Eltern können sie auch psychologische Probleme bekommen", erklärt Logden.

Er gibt aber auch zu, dass einige seiner aktuellen Lehrer keine adäquate Ausbildung haben und die moderne Ausrüstung der Schule bislang noch nicht effizient eingesetzt worden ist. Die Schule wolle einige Lehrer zur Fortbildung in andere Regionen schicken und Lehrer von außerhalb zum Unterrichten.

Nachdem die Zentralregierung die Partnerschaftshilfe 1994 in Tibet eingeführt hatte, investierten die teilnehmenden Provinzen und Stadtverwaltungen bis 2000 295 Millionen Yuan in den Aufbau der Bildung in Tibet, so Du Jiangong, stellvertretender Direktor der Bildungsbehörde dem Autonomen Gebíet Tibet. Danach intensivierte sich die Unterstützung. Unvollständige Statistiken zeigen, dass die Bildungsinvestitionen von 2002 bis 2103 960 Millionen Yuan betrugen. Insgesamt 1823 Hilfsprojekte wurden durchgeführt, 6829 Menschen erhielten so eine Ausbildung, 3585 Personen boten Tibet Hilfe im Bildungsbereich an und es wurden Bildungseinrichtungen mit einer Gesamtfläche von 530.000 Quadratmetern errichtet.

Die Stadtverwaltung von Beijing investierte 182 Millionen Yuan in den Bau der Lhasa Beijing Experimental Middle School, die am 1. September ihre Pforten öffnen soll. Die Baufläche beträgt 47.000 Quadratmeter, es gibt Klassenräume, Schlafsäle, Esssäle und eine Sporthalle. Die Schulverwaltung und einige der Mitglieder des Lehrkörpers stammen aus Beijing.

Zhang Zhihong, stellvertretender Schuldirektor und verantwortlich für die moralische Erziehung, kam im Juni in Tibet an. Vorher war er stellvertretender Direktor einer angesehenen Mittelschule in Beijing. Die Ausrüstung der Schule sei erstklassig für Lhasa, sogar besser als in vielen Schulen Beijings, erklärte Zhang. Die Schule will 3000 Schüler aufnehmen und 268 Lehrer einstellen, darunter 50 herausragende Lehrer aus Beijing.

"Eine unzureichende Bildung hat die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Tibets früher behindert. Die Hilfe in diesem Bereich gibt große Hoffnung und ist eine wertvolle Unterstützung", erklärte Lozang Tenpa, stellvertretender Sekretär des Parteikomitees von Lhasa.

Landwirtschaft

Nudeln aus Kartoffelmehl lagen zum Trocknen außerhalb der geräumigen Anlagen, in den riesigen Gewächshäusern sah man ineinander verflochtene Reihen von Tomaten und Ringelblumen und in großen Hallen verpackten Arbeiter Eier mit Aufklebern. Das waren typische Szenen bei Tianrui Industry and Trade Co. Ltd., einem landwirtschaftlichen Betrieb im Kreis Gonggar in der Präfektur Shannan.  

Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Wang Qinggui, wurde einst als Funktionär nach Tibet geschickt, um dort zu helfen. 2003 wurde Wang, der Viehzucht studiert hatte, von der Provinz Hunan nach Tibet geschickt. Seine erste Aufgabe war es, etwa gegen die niedrige Schlupfquote der Hühner zu tun.

Wang hatte viel Geschäftssinn und großes Interesse für Viehzucht, daher gab er später seine Regierungsposition auf und ging in die Wirtschaft. 2007 brachte er Produkte von Tanrui zurück in seine Heimatprovinz Hunan. Das Unternehmen nahm an der internationalen Agrarausstellung teil und seine Produkte gewannen den ersten Preis, eine Ehre, die ihnen sieben Jahre hintereinander widerfuhr. Das Unternehmen eröffnete Verkaufsfilialen in zehn Provinzen, die Umsätze erreichten fast 100 Millionen Yuan, so Wang.

Das Unternehmen hat in Tibet 15.000 Haushalte unter Vertrag, die tibetische Hühner und Yaks züchten sowie rote Kartoffeln anpflanzen.  Nima Dolma (31) gehört auch dazu. In ihrem Haus füttert sie 60 Hühner, jedes produziert Eier und Fleisch im Wert von 50 Yuan. Jedes Jahr verdient sie so 3000 Yuan. Nebenbei arbeitet sie in der Eierverpackungsanlage von Tianrui und verdient monatlich mehr als 2000 Yuan.

Gesundheitswesen

Mit Hilfe der nordchinesischen Provinz Liaoning konnte das Tibetische Krankenhaus der Präfektur Nagqu um mehr als das 3,5-fache seiner ursprünglichen Größe ausgebaut werden. Es wurden außerdem medizinische Ausrüstung wie Computertomographen und Ultraschall-Geräte angeschafft.

"Das Krankenhaus hat einen riesigen Entwicklungssprung gemacht", erklärt sein Leiter Gonpo Wangdu. "Die Hilfe aus Liaoning hat unsere Diagnosekapazitäten stark verbessert. Jetzt kommen im Durchschnitt 300 Patienten pro Tag zu uns."

Zusätzlich zur Finanzierung von Krankenhäusern hat eine ganze Reihe von Provinzen auch Ärzte nach Tibet geschickt oder gemeinnützige Stiftungen für ärztliche Betreuung gegründet.

Saizhoin, ein sechsjähriges Mädchen aus einem Dorf im Kreis Maizhokunggar, leidet an einem Fußproblem, seit sie zwei Jahre alt ist. Weil sie zu arm waren, suchten die Eltern keinen Arzt mit ihr auf, bis die Probleme allzu augenfällig wurden.

Im Kreiskrankenhaus traf Saizhoin auf einen Arzt aus Nanjing. Er arrangierte für das kleine Mädchen eine Operation im Kinderkrankenhaus von Nanjing (Provinz Jiangsu). Die Familie erhielt Spenden in Höhe von 20.000 Yuan aus einer gemeinnützigen Stiftung, die von Funktionären gegründet wurde, die Tibet unterstützen. Nach der Operation im Juni kehrte das Mädchen nach Tibet zurück und erholt sich nun zu Hause.