22-04-2014
Ökologie
Chinas Städte der Zukunft
von Maike Schulte

Wie können chinesische Metropolen zu umweltfreundlichen Smart Cities werden? Darüber diskutierten deutsche und chinesische Experten bei der China International Technology Transfer Convention in Beijing.

 

Ausblick bis zum Horizont: So soll es im Beijing der Zukunft immer aussehen (Foto: Tan Lei)

 

60 Prozent aller Chinesen sollen bis 2020 nach dem Willen der Regierung in Städten leben. Doch Chinas Metropolen kämpfen jetzt schon mit einer gravierenden Umweltverschmutzung, Verkehrschaos und einer veralteten Müll- und Abwasserentsorgung. Wie lassen sich solche Städte in Smart Cities verwandeln? Auf dem deutsch-chinesischen Forum „Innovative Approaches to Smart City" präsentierten Wissenschaftler und Unternehmensvertreter aus beiden Ländern Projekte und Lösungsansätze.

Eine Smart City bedeute weit mehr als nur die Nutzung intelligenter Informationstechnologie. Dazu gehörten die Senkung der CO2-Emissionen, eine effiziente Nutzung von Ressourcen, "ein modernes Verkehrs- und Transportsystem, soziale Gerechtigkeit und nicht zuletzt Bildung. „Eine Smart City hängt vor allem von 'Smart Citizens ab' ", leitete Jörn Beißert, Wirtschaftsexperte der Deutschen Botschaft in Beijing, das vom Ministerium für Wissenschaft undTechnik und der Beijinger Stadtverwaltung veranstaltete Forum ein. „Jedes Jahr ziehen 10 Millionen Chinesen in die Stadt. Die Herausforderung für die Stadtplanung ist also größer als in anderen Ländern", ergänzte er. Für deutsch-chinesische Kooperationen, die seit 2013 auf dem Boden einer offiziellen Urbanisierungspartnerschaft stehen, sieht er großes Potenzial. „Deutsche Städte sind Vorreiter bei Smart Cities. Mannheim hat mit seinem Stromnetz Zeichen gesetzt.  Zurzeit arbeiten Bonn und Chengdu gemeinsam an der CO2-Reduzierung und intelligenten Verkehrslösungen."

Der Schutz von Umwelt und Ressourcen stand anschließend im Mittelpunkt des ersten Forumsteils. Für Beijing ist mit Sicherheit die Bekämpfung der Luftverschmutzung einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zur „Intelligenten Stadt". Das Beijing Environmental Protection Science Research Institute gab einen Überblick über die aktuelle Situation und Maßnahmen gegen den Smog. „Die Umweltverschmutzung kommt nicht nur aus Beijing selbst, sondern auch aus Hebei und Tianjin. Hinzukommen ungünstige geografische und meteorologische Bedingungen", erläuterte Nie Lie. Ebenfalls problematisch: Viele Bewohner nutzen kleine Kohleöfen, LKW fahren oft mit Diesel. Das Forschungsinstitut will auf strengere Kontrollen und verbesserte Überwachungstechnologien setzen. Geplant seien Labore zur genaueren Untersuchung der Luftpartikel, tragbare Messgeräte, die Einführung der Euro-VI-Abgasnorm für Nutzfahrzeuge sowie umweltfreundliche Boiler und Dieselmotoren, die moderne Ultra-Low-NOx- und SCR-Technologien zur Reduzierung von Stickoxid-Emissionen nutzen.

Intelligente Müllverwertung: Zwei Redner präsentierten deutsch-chinesische Projekte zur Energieerzeugung aus Abfall (Xinhua)

Umweltfreundliche Energiegewinnung, nämlich aus Abfällen, war das Thema von zwei weiteren Referenten. 250 Kilo Müll produzierte jeder Chinese 2009, jedes Jahr steigt die Menge um acht bis zehn Prozent. 58 Prozent davon landet auf Mülldeponien, 28 Prozent wird wild entsorgt, 12 Prozent verbrannt und nur 1 Prozent kompostiert. „Wie man aus einer Tonne Müll 200 Prozent mehr Energie macht" betitelte Dieter Schweinsberg, Vorstandsberater bei German Bio Gas, seine Präsentation. „Mülldeponien und Müllverbrennung sind umweltschädlich und von gestern, die biologische Weiterverarbeitung von Müll ist die Technik des 21. Jahrhunderts", so Schweinsberg. Sein Unternehmen realisiert seit einigen Jahren Projekte zur Biogaserzeugung aus Tiermist in Hudian (Provinz Hubei) und Dongying (Provinz Shandong). Auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) realisiert in deutsch-chinesischer Kooperation ähnliche Anlagen. In Harbin wird mit Hilfe von Mikroben aus Bioabfall Energie erzeugt. „Biomasse könnte in Smart Cities den Kraftstoff für Fahrzeuge liefern", erklärte Projektleiter Volkmar Hasse. Sein Fazit: „Es gibt noch viel zu tun." Die Ziele des 11. Fünfjahresplans seien um 40 Prozent verfehlt worden, 155 Müllverwertungsanlagen nicht wie geplant gebaut worden.

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