25-03-2010 Beijing Rundschau
Dürre im Südwesten offenbart Mängel in der Infrastruktur
von Lan Xinzhen

„Die Provinzen Yunnan und Guizhou leiden üblicherweise nicht an Wasserknappheit, die Dürre zeigt in erster Linie die Probleme auf, die wir mit den kleinen Bewässerungsanlagen haben," sagt Zheng Fengtian, die stellvertretende Präsidentin der Schule für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung an der Beijinger Volksuniversität.

„Die Dürre ist ein Warnschuss für uns, Infrastrukturmaßnahmen müssen zeitnah ergriffen werden. Wassermangel aufgrund fehlender Wasserbauprojekte sollte bald der Vergangenheit angehören," sagt Bai Enpei, der Sekretär des Parteikomitees der Provinz Yunnan. Seine Provinz habe die Wasserressourcen nicht ausreichend entwickelt. Was den Umfang der verfügbaren Wassermengen betrifft, steht Yunnan landesweit auf Platz drei. Aber die Nutzungsrate beträgt gerade einmal sechs Prozent, während der Landesdurchschnitt bei 16 Prozent liegt.

Wegen zu geringer Investitionen gibt es in ländlichen Gebieten Yunnans zu wenige kleine Zisternen. In vielen Dörfern verfügen nur die Hälfte der Einwohner über Zisternen. Für den Bau von Zisternen hat die Lokalregierung jedem Haushalt nur zwei bis drei Sack Zement zugeteilt.

Auch die Provinz Guizhou ist reich an Niederschlägen, aber die dort vorherrschende Karstlandschaft lässt das Wasser rasch versickern. Deshalb spielen Wasserbauprojekte in Guizhou eine besonders wichtige Rolle für die Wasserversorgung. Nach Meinung der örtlichen Kader haben sich die Bewässerungsanlagen in der Dürreperiode bewährt. Allerdings gibt es noch zu wenige von ihnen. Die Geldmittel der lokalen Regierungen reichen für einen Ausbau nicht aus. Die Hilfe der Zentralregierung ist dringend erforderlich.

Wie vom Amt für Wasserwirtschaft der Provinz Guizhou zu erfahren ist, gibt es in der gesamten Provinz 2000 kleine Staubecken, die alle in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut wurden. Sie haben lange gute Dienste geleistet, sind aber nicht sachgerecht unterhalten und erneuert worden. Viele Stauseen sind undicht und stellen eine Gefahr für die Anwohner dar.

„Die Bewässerungsanlagen aus den 50er und 60er Jahren haben ausgedient. Derzeit werden die Bauern nicht dazu angehalten, Bewässerungsanlagen zu bauen und in Stand zu halten. Die Jugendlichen gehen alle in die Städte, um dort Arbeit zu finden, so dass die Landwirtschaft gebietsweise arg vernachlässigt wird", sagt Zheng Fengtian.

Viele Regionen stehen der Dürre ratlos gegenüber. Die Bewässerungsanlagen sind überlastet. Nur 50 Prozent der großen Bewässerungsanlagen sind voll einsatzfähig, bei den mittelgroßen und kleinen Anlagen sind es nur 40 Prozent. Die meisten Pumpstationen sind nicht imstande, die Bewässerung wie vorgesehen zu leisten. Einige sind überhaupt nicht einsatzfähig, 85 Prozent der großen Pumpstationen müssten dringend erneuert und ausgebaut werden. Insgesamt wird nur 48 Prozent der Ackerfläche Chinas effektiv bewässert, mehr als die Hälfte ist allein von den natürlichen Witterungsverhältnissen abhängig.

„In Gebirgsgegenden wie Yunnan und Guizhou ist bei Dürre sofort die Ernte gefährdet, was die Grundversorgung der Bevölkerung in Frage stellt. Deshalb sind kleine Bewässerungsanlage für den Lebensunterhalt der Menschen sehr wichtig", sagt Zheng Fengtian. Gegenwärtig fehlt es an Initiativen der Regierung für den Betrieb solcher Anlagen. In der Vergangenheit hat man sich auf Investitionen von Wasserbauprojekten an Chinas großen Flüssen konzentriert, da wurden dann riesige Stauseen gebaut. Aber fernes Wasser löscht nicht den Durst, der in der Kehle brennt. So kommt es, dass einerseits große Stauseen gut gefüllt sind, andererseits Ackerland vor der Dürre steht.  

Zheng Fengtian sieht die dringlichste Aufgabe der Gegenwart in der Verteilung der Geldmittel durch die Regierung und die Bereitstellung der Arbeitskraft durch die Bauern. So können Bewässerungsanlagen gebaut und unterhalten werden. In Südchina kann man dadurch Wasser in der Regenzeit speichern und den Menschen in Zeiten geringerer Niederschläge als Trink- und Brauchwasser in ausreichendem Maße zur Verfügung stellen.

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