04-01-2010 Quelle: Xinhua Eisenbahntarife in der Diskussion von Dou Hanzhang
![]() Am 26. Dezember ist die Hochgeschwindigkeitseisenbahn zwischen der zentralchinesischen Stadt Wuhan und dem südchinesischen Guangzhou offiziell in Betrieb genommen worden. Die höchste Geschwindigkeit beträgt rund 390 Kilometer pro Stunde, die Züge sollen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 350 km/h verkehren. Damit ist diese Strecke die schnellste Hochgeschwindigkeitseisenbahnlinie der Welt. Dank der neuen Verbindung auf einem eigenen Gleiskörper wird die Fahrt von zehn Stunden auf drei Stunden verkürzt, was allgemein als Ankunft eines neuen Eisenbahnzeitalters in China gewertet wird. Mit der Eröffnung der Linie richten sich die Blicke jedoch verstärkt auf das Tarifsystem der chinesischen Eisenbahn und vor allem auf die Fahrpreise für die Hochgeschwindigkeitszüge. Nach gegenwärtiger Regelung kostet eine Fahrkarte für die 1. Klasse 780 Yuan (umgerechnet 78 Euro) und für die 2. Klasse 490 Yuan (49 Euro). Viele Leute finden, dass sich normale Bürger das Ticket nicht leisten können, wenn der Preis zu hoch angesetzt wird. Somit können sie auch nicht von schnelleren Zugverbindungen profitieren. Ob der Preis als zu hoch empfunden wird oder nicht, hängt in erster Linie von den Vergleichsgrößen ab. Wenn man ihn mit dem Eurostar, der zwischen Paris und London verkehrt, oder dem japanischen Shinkansen vergleicht, die mit ähnlich hohen Geschwindigkeiten im Normalbetrieb operieren, so schneidet der Fahrpreis auf der Strecke Wuhan-Guangzhou noch verhältnismäßig gut ab: Tokyo-Osaka kostet 13 750 Yen (umgerechnet 102 Euro), Paris-London 170 Euro, beide Strecken sind zudem nur etwa halb so lang wie die Distanz Wuhan-Guangzhou. Freilich beträgt das monatliche Durchschnittseinkommen in der Eurozone 1743 Euro, in Japan umgerechnet 3000 Euro, während es sich in China zwischen 49 und 160 Euro bewegt. Zugfahren ist also in Japan weitaus am billigsten, während eine Fahrt im neuen Hochgeschwindigkeitszug für die meisten Chinesen vollkommen unerschwinglich sein dürfte. Chinas Eisenbahn ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Die Eisenbahntarife sind dementsprechend niedrig. Daher ist die Eisenbahn für lange Reisen bei Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen das Verkehrsmittel der Wahl. Der Fahrpreis für die Hochgeschwindigkeitsstrecke allerdings steht in starkem Kontrast zum bisher üblichen Tarifsystem. Hinzu kommt, dass die Eisenbahn 13 Züge gestrichen hat, die täglich auf der herkömmlichen Strecke zwischen Wuhan und Guangzhou zum alten Preis verkehrten. Viele Leute befürchten, dass wegen dieser Streichungen Geringverdiener gezwungen sein werden, den teuren Zug zu benutzen. Diese Sorge scheint unbegründet. Nach Angaben des Eisenbahnministeriums verkehren auch nach den vorgenommenen Streichungen täglich noch weitere 37 Züge auf der normalen Strecke Wuhan – Guangzhou, zum normalen Preis. Von einem Zwangssystem zur Nutzung des Hochgeschwindigkeitszuges kann also keine Rede sein. Bedenkt man die hohen Baukosten, den Unterhalt der Strecke und die Rolle der Hochgeschwindigkeitszüge für eine nachhaltige Entwicklung der chinesischen Eisenbahn, so sind die hohen Fahrpreise in gewisser Hinsicht verständlich. Qualität hat ihren Preis. Die Gesamtkosten für den Bau der Wuhan-Guangzhou-Hochgeschwindigkeitseisenbahn betragen mehr als Hundert Milliarden Yuan (zehn Milliarden Euro). Diese Kosten wollen zumindest auf lange Sicht amortisiert sein. Hochgeschwindigkeitszüge liegen weltweit im Trend. Moderne Verkehrstechnik ist ein absolutes Muss für eine moderne Gesellschaft. Die Hochgeschwindigkeitseisenbahn wird die Leistungsfähigkeit des chinesischen Schienenverkehrs erhöhen. In zwei bis drei Jahren will China Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Beijing und Shanghai, Shanghai und Wuhan, Shanghai und Chengdu, Shanghai und Kunming eröffnen. Mit dem Ausbau des Streckennetzes sinken zudem Entwicklungs- und Unterhaltungskosten. Das lässt auf niedrigere Fahrpreise hoffen. Die Konkurrenz zum Luft- und Straßenverkehr wird sich in Zukunft sicher auch auf die Gestaltung des Fahrpreises auswirken. Der Markt wird also trotz des Staatsmonopols bei Eisenbahnen ein Wörtchen mitreden.
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