28-12-2009 Beijing Rundschau
2009: Zehn wichtige Wirtschaftsnachrichten aus China

Das Jahr 2009 nähert sich seinem Ende, viele Fragen bleiben. Ist die Finanzkrise bereits überwunden? Kann das Entwicklungsmodell Chinas langfristig funktionieren? Lohnen sich die gigantischen Investitionen des Staates in die 3G-Technik? Auf diese Fragen hat vielleicht jeder seine eigene Antwort. Beijing Rundschau wirft zum Jahreswechsel einen Blick auf Themen, die nach Meinung der Redaktion zu den zehn wichtigsten Ereignissen im Wirtschaftsleben des Landes zählen.

 

Beschleunigung auf der Datenautobahn: 3G in China

Stichwort: neue Technik

Am 7. Januar ist China im 3G-Zeitalter angekommen. China Mobile bekam die Lizenz von TD-SCDMA, China Telecom erhielt die CDMA2000-Lizenz und China Unicom bekam eine WCDMA-Lizenz. In den letzten neun Monaten haben diese drei Unternehmen insgesamt 96,1 Milliarden Yuan in 3G investiert.

Da China die größte Zahl von Handybesitzern aufweist, wird das Land allgemein als großer Markt für Produkte der 3G-Technik angesehen. Die 3G-Dienstleistung beinhaltet alle 3G-Technikstandards; außerdem verfügt China mit TD-SCDMA über einen eigenen Technikstandard. Das Marktpotenzial ist groß, allerdings besteht auch die Gefahr einer Überhitzung des Marktes. Die Kosten für 3G bleiben immer noch zu hoch, deshalb beträgt die Zahl der Kunden bis 31. Oktober lediglich 2,3 Millionen. China Unicom bietet sogar das iPhone von Apple an, aber der Verkauf ist bislang nur schleppend.

 

Keine Übernahme von Huiyuan durch Coca-Cola

Stichwort: Dilemma ausländischer Unternehmen in China 

Das Beijinger Getränke- und Lebensmittelunternehmen Huiyuan hat am 18. März erklärt, es respektiere die Entscheidung des chinesischen Handelsministeriums über die Ablehnung des Gesuchs zur Übernahme der Firma durch den US-Getränkekonzern Coca-Cola.

Das Handelsministerium begründete seinen Entscheid damit, dass eine Übernahme negative Auswirkungen auf das Marktgeschehen haben würde. Coca-Cola respektiere die Entscheidung des chinesischen Handelsministeriums und zeigte sich zuversichtlich über seine weitere Entwicklung auf dem chinesischen Markt, hieß es am Abend des 18. März aus der Konzernzentrale.

"Huiyuan" hält derzeit in China den Löwenanteil auf dem Markt für Fruchtsäfte. Jährlich kann das Unternehmen mehr als 2,2 Millionen Tonnen Saft produzieren. Zudem verfügt "Huiyuan" über ein landesweites Distributionsnetz.

Es handelt es sich um den ersten Fall der Ablehnung einer Firmenübernahme seit dem Inkrafttreten des "Anti-Monopol-Gesetzes" im August 2008. Laut Online-Umfrage gibt es unter Internet-Usern eine Mehrheit für diese Entscheidung.

Eine Reihe ausländischer Unternehmen sind in ihrem Chinageschäft in eine Krise geraten. Noch vor dem 1. Oktober trennte sich Danone von seinem langjährigen Partner Wahaha. Auch ein Unternehmen von so großer Dynamik wie Google entwickelt sich in China nicht reibungslos. Googles Geschäftsführer in China, Li Kaifu, verließ das Unternehmen. Ein Hinweis darauf, dass Google noch nicht die Richtung seines Chinageschäfts gefunden hat.

 

Pläne für Regulierung und Wiederbelebung von zehn Industrien in China

Stichwort: Strukturregulierung

In diesem Jahr hat der Staatsrat schrittweise entsprechende Pläne für die Regulierung und Wiederbelebung der Automobil-, Eisen- und Stahl-, Schiffsbau-, Petrochemie- und Leichtindustrie sowie der Textil-, Buntmetall-, Fertigungsindustrie für Anlagen, IT-Industrie und die Logistik-Dienstleister angenommen. Diese Pläne sollen der wirtschaftlichen Erholung nach der Krise dienen, stoßen aber auch auf Kritik und provozieren protektionistische Maßnahmen im Ausland, weil sie dort als unzulässige Subventionierungen gelten. Außerdem hat die Zentralregierung u.a. das Projekt zur Verbreitung von Haushaltsgeräten in ländlichen Gebieten"  initiiert, um die Binnennachfrage anzukurbeln. Ziel ist nicht nur das Wachstum zu garantieren, sondern auch die Struktur zu regulieren, so dass die chinesische Wirtschaft sich gesund und stabil entwickeln kann. 

 

COFCO übernimmt Mengniu

Stichwort: Übernahme

Am 6. Juli hat die COFCO Corporation zusammen mit Hopu Investment Management 20 Prozent des Aktienbesitzes von Mengniu zum Preis von 6,1 Milliarden Hongkong Dollar erworben. Die Übernahme gilt als der größte Deal in der chinesischen Nahrungsmittelindustrie. COFCO Corporation ist nun Anbieter in fast allen Lebensmittelsparten: Öl, Reis, Wein, Saft, Zucker etc. Mit Mengniu verfügt das staatseigene Unternehmen nun auch über eine Produktionslinie für Milchprodukte. Durch die Übernahme erhält Mengniu Zugang zum weitgespannten Distributionsnetz von COFCO, verliert aber das Recht an der Marke. COFCO hat erklärt, sich nicht in die Führung des Unternehmens einzumischen.

 

Disneyland in Shanghai: Milliardenprojekt genehmigt

Stichwort: Neuer Markt

Die zuständige Behörde hat am 4. November den Antrag zum Bau eines Disneylands in Shanghai genehmigt. Die Baukosten des Zauberlandes" sollen etwa 25 Milliarden Yuan betragen.

Die Fläche des Freizeitparks sowie der zugehörigen Einrichtungen soll vier Quadratkilometer betragen, es ist ein Kernbereich von einer Quadratkilometer Größe geplant. Der erste Bauabschnitt soll in fünf bis sechs Jahren fertiggestellt sein.

Zwar ist der Park der kleinste Disneypark der Welt, aber die Preise für Wohnungen und Gewerbeflächen in seiner Nachbarschaft sind bereits gestiegen, auch zogen die Aktienkurse von Disney an. Kinder und Eltern in China gelten als Grundlage für eine sichere Rendite. Die Sonderverwaltungszone Hongkong hat nach vierjährigem Betrieb des Disney-Parks einen Gewinn von 117, 3 Milliarden Hongkong Dollar vorzuweisen. Ein Ergebnis, das weit hinter den erwarteten 148 Milliarden Hongkong Dollar zurückgeblieben ist. Allerdings ist die Stadt um eine Attraktion reicher geworden, das Gleiche wird man in Zukunft von Shanghai sagen können.

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