18-12-2009 Beijing Rundschau
Macau zehn Jahre nach der Übergabe an China: Die Bilanz ist positiv
von Zhang Juan

In den vergangenen zehn Jahren ist die Ausbildung von Verwaltungspersonal eine der Hauptaufgaben von Florinda da Rosa Silva Chan gewesen. Sie hat von klein auf Portugiesisch in der Schule gelernt und zwanzig Jahre lang als Beamtin in der Verwaltung der Kolonie gearbeitet. Als sie vor zehn Jahren zur Direktorin der Administrations- und Justizabteilung ernannt wurde, war sie darüber nicht nur überrascht, sondern auch stolz: „Die Zentralregierung verlässt sich auf mich, eine Beamtin, die früher unter den Portugiesen gearbeitet hat, was bedeutet, dass die chinesische Zentralregierung tatsächlich ‚ein Land, zwei Systeme' und ‚Macauer verwalten Macau' praktizieren möchte."

Lau Cheok-va, Präsident der Gesetzgebenden Versammlung in Macau, ist seit 1984 Abgeordneter der Versammlung. Als er über „Macauer verwalten Macau" redet, erinnert er sich: Vor der Rückgabe Macaus an China hatte die Versammlung nur wenig Möglichkeiten, Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen. Die damalige portugiesische Verwaltung sprach vor allem dem Generalgouverneur das Recht zu, Gesetz zu erlassen.70 Prozent aller Gesetze wurden denn auch vom Generalgouverneur erlassen. Nach dem Grundgesetz der Sonderverwaltungszone Macau kann die Regierung heute jedoch nur noch administrative Reglungen ausarbeiten. Alle Gesetzgebungsarbeit muss von der Gesetzgebenden Versammlung geleistet werden. In den vergangenen zehn Jahren hat die Versammlung mehr als 200 Gesetze ausgearbeitet. „Das Grundgesetz hat der Gesetzgebenden Versammlung mehr Rechte zugesprochen. Die Abgeordneten sind aktiver an der Gesetzgebung beteiligt", sagt Lau. 

Was steckt hinter dem „Wirtschaftswunder"?

Viele Leute nennen das rasante Wachstum der vergangenen zehn Jahren in Macau ein Wirtschaftswunder. Dazu aber meint Edmund Ho Hau-wah: „Die Menschen können natürlich kein Wunder bewirken. Alle Ergebnisse sind die Frucht eigener Bemühungen." Er führt den Erfolg auf die Vorteile des Prinzips „Ein Land, zwei Systeme", die Unterstützung durch die Zentralregierung und aller Bevölkerungskreise Macaus zurück.

Seit der Rückgabe hat die chinesische Zentralregierung konsequent am Kurs des Grundgesetzes und des Prinzips „Ein Land, zwei Systeme" festgehalten. Allerdings hat es durchaus Unzufriedenheit in der Bevölkerung über die enorme Korruption in der Verwaltung der Sonderverwaltungszone gegeben. So kam es 2006 zu einer spektakulären Umbildung im Amt für öffentliche Arbeiten aufgrund von Korruptionsfällen in der Führungsetage.

Wesentlichen Anteil am Wirtschaftswunder hat der Fluss ausländischen Kapitals nach Macau. Dieses Kapital konzentriert sich auf die Glücksspielindustrie, die in Macau traditionell einen geradezu mythischen Ruf genießt. Das „Las Vegas Ostasiens" kann sich heute tatsächlich sehen lassen: Die Las Vegas Sands Inc. aus den USA hat mit dem Bau des „Venetian Macao Resort Hotel Casino" einen der größten Gebäudekomplexe der Welt geschaffen, der sogar die Dimensionen seines Vorbildes – des „Venedigs in der Wüste" in Las Vegas - weit hinter sich lässt. Und den Rang als umsatzstärkste Glücksspielstadt musste Las Vegas auch bereits an Macau abtreten.  

Touristen, die nicht unbedingt den Nervenkitzel im Spielkasino brauchen, findet man hingegen in der malerischen Altstadt Macaus. Zu Beispiel im Wing Kei Beef Offal in der Travessa Dos Anjos. Das Restaurant erfreut sich einer 70-jährigen Geschichte und hat immer ein reges Geschäft. Dieses Jahr sind die Umsätze sogar noch gestiegen. Der Inhaber stellt fest, dass immer mehr Kunden vom chinesischen Festland kommen. Nach Aufhebung der Reisebeschränkungen ist die Touristenzahl vom Festland nach Macau stark angestiegen. Im Jahr 2008 sind 32 Millionen Touristen nach Macao gereist.

Wirtschaftsforscher Young meint, nach der 10-jährigen Boomphase stehe Macau nun an einem Wendepunkt, an dem es mit einer ganzen Reihe von Problemen konfrontiert sei, darunter die überproportionale Entwicklung der Glücksspielindustrie. Fernando Chui Sai-on, der künftige amtierende Chefadministrator meint ebenfalls, dass eine zu schnelle Entwicklung von einzelnen Branchen für die nachhaltige Wirtschaftsentwicklung im ganzen Gebiet nachteilig sei: „Aus der Perspektive einer langfristigen Entwicklung von Macau finden wir, dass die Wirtschaft dazu geeignet ist, vielfältigere Richtungen einzuschlagen."  

Zunächst aber werden noch einmal kräftig die Paläste des Garten Eden für Zocker ausgebaut: bis 2010 sollen für eine Investitionssumme von rund 12 Milliarden US-Dollar 20 000 Hotelzimmer am Strand von Cotai entstehen.

 

 

 

 

 

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