29-10-2009 Beijing Rundschau
Ausländische Universitäten konkurrieren um die besten Köpfe
von Rebecca Sumy Roth

 

Der Andrang vor der Messehalle ist groß. Schon um kurz nach neun bildet sich eine riesige Schlange, die vom Eingang der China Education Expo bis zum Ausgang der U-Bahnstation reicht. An diesem Wochenende sind es mehr als 35.000 Besucher, die sich über ein Studium im Ausland informieren möchten. Schon vor der Messe verteilen private Vermittlungsagenturen massenhaft Werbematerial und große, mit ihrer Adresse bedruckte, grellbunte Taschen. Praktisch für die vielen Broschüren, die im Laufe des Tages an den Messeständen eingesammelt werden können. Auf einer Fläche von 8.000 Quadratmetern präsentieren sich immerhin mehr als 500 Hochschulen und Bildungseinrichtungen aus der ganzen Welt, allein 50 von ihnen kommen aus Deutschland.

 

„In den letzten 10 Jahren ist ein riesiger Bildungsmarkt entstanden. Dieser Markt wächst nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ“, erklärt Stefan Hase-Bergen, Direktor des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Beijing. Man hört die Begeisterung in seiner Stimme. „Die Chinesen sind die größte Gruppe ausländischer Studierender in Deutschland. Wir haben enorme Zuwachsraten von über 10% pro Jahr an Interessenten für ein Studium, das Interesse ist ungebrochen.“

 

Und das, obwohl seit 2001 alle Chinesen, die in Deutschland studieren wollen, ihre Bewerbungsunterlagen bei der Akademischen Prüfstelle der Deutschen Botschaft kontrollieren lassen müssen. „Uns geht es eben um Qualität, nicht um Quantität,“ begründet Hase-Bergen diese zusätzliche Hürde. Besonders interessiert seien deutsche Hochschulen an Master- und Promotionsstudenten aus China. Doch auch hier habe sich in den letzten Jahren enorm viel getan: „Vor zwei, drei Jahren war es noch so, dass China nicht mehr Promotionsabsolventen hatte als Deutschland. Das Niveau lag um die Zahl von 25.000 Absolventen herum. Mittlerweile hat China über 40.000 Absolventen pro Jahr.“

 

Und um diese klugen Köpfe reißen sich nun Universitäten aus 34 Ländern mit ausgefeilten Marketingkonzepten. „Study in Spain“ - „Estudia en Espania“ locken rot weiße Sprechblasen am Gemeinschaftsstand der spanischen Universitäten. Mit Schloss Neuschwanstein hält Bayern dagegen, während die Freie Universität Berlin mit dem Slogan „Zukunft von Anfang an“ wirbt.

 

Tatsächlich ist es die Aussicht auf eine bessere Zukunft, die ein Studium im Ausland so attraktiv macht. Nicht nur für Studierende und Schüler, sondern besonders auch für deren Eltern, die bereit sind, für die Zukunft ihres einzigen Kindes einiges zu investieren. Davon profitieren private Agenturen, die hohe Summen für die Unterbringung eines Studenten an einer ausländischen Uni kassieren. Einige Eltern informieren sich lieber selbst an den verschiedenen Ständen der China Education Fair über die besten Bildungsangebote.

 

Besonders Deutschland hat als Wissenschaftsstandort einen guten Ruf, weiß der Vater einer Informatikstudentin. Er möchte, dass seine Tochter in Deutschland studiert und ist davon überzeugt, dass seine Tochter dadurch nicht nur bessere Berufschancen hat, sondern, dass ein Studium in Deutschland auch ihrer persönlichen Entwicklung gut tun würde. Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor, der für Deutschland spricht, ist, dass sich ein Studium dort nicht nur Studierende mit reichen Eltern leisten können. Die Studiengebühren sind im internationalen Vergleich relativ niedrig, teilweise muss man nur eine Verwaltungsgebühr bezahlen.

 

Das mag ein Grund dafür sein, warum chinesische Studenten mittlerweile an vielen deutschen Universitäten die größte Gruppe ausländischer Studierender stellen. Doch nicht alle Studenten, die in Deutschland ein Studium beginnen, haben damit auch automatisch einen erfolgreichen Studienabschluss in der Tasche, gibt Hase-Bergen vom DAAD in Beijing zu bedenken. Für einige chinesische Studenten sei das ein ungewohnter Gedanke. Gelinge es doch fast allen Studenten, die zuvor die schweren zentralen Universitäts-Aufnahmeprüfungen bestanden haben, das Studium in China zu absolvieren. Besonders für diejenigen Studenten, die außerhalb jeglicher Programme ganz individuell an deutsche Hochschulen gingen, sei es oft schwierig, das Studium in Deutschland zu beenden. „Man kann sich leicht verlieren,“ gibt DAAD Direktor Hase-Bergen zu. Um das zu vermeiden, seien die deutschen Universitäten jedoch in den letzten Jahren vermehrt strukturierte Ausbildungspartnerschaften eingegangen und hätten so bessere Betreuungsprogramme für ausländische Studierende geschaffen. Trotzdem sei eine gute Vorbereitung auf das Studium in Deutschland, wie es die Tongji Universität in Shanghai anbietet, sehr empfehlenswert. Zu einer optimalen Vorbereitung gehöre auch, die deutsche Sprache zu lernen.

 

Damit hat zumindest der 25-jährige Wang Hao kein Problem. Er spricht bereits ein ausgezeichnetes Deutsch und weiß genau, was er in Deutschland möchte: An der Universität Karlsruhe oder an seiner Partneruniversität Darmstadt Wirtschaftsingenieurswissenschaft studieren. „Ich möchte einen Mastertitel bekommen und vielleicht werde ich weiterstudieren und einen Doktor bekommen. Aber am wichtigsten ist die Auslandserfahrung,“ erzählt er selbstbewusst. Danach könne er auf der ganzen Welt eine Arbeitsstelle finden, nicht nur in China. „Ich möchte gerne einige Jahre in Deutschland arbeiten aber ich denke, dass ist ein bisschen schwer, vor allem jetzt.“

Die junge Germanistikstudentin Yang Min dagegen will später wieder in China arbeiten, als Deutschlehrerin. Doch bis dahin möchte sie das Leben in Deutschland genießen, viele deutsche Freunde kennen lernen und Europa bereisen. Sie freue sich jetzt schon auf ihr künftiges Leben in Deutschland, sagt sie und strahlt. Ob sie sich keine Gedanken darüber mache, dass es vielleicht auch Schwierigkeiten geben könne, in einem ganz anderen Land zu studieren? Da müsse sie erst einmal überlegen, antwortet Yang Min und findet dann schnell eine Antwort: „Ich finde jede Sache hat Schwierigkeiten. Aber,“ fügt sie auf Englisch an, „no pains no gains!“

 
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