11-09-2009 Beijing Rundschau
Beijinger Buchmesse verbindet China mit der Welt
von Florian Siebeck

 

 

Michael Schaefer war noch keine zwei Tage als deutscher Botschafter im Amt, da hatte er schon seinen ersten großen Auftritt in Beijing: Im Namen des Ehrengastes Deutschland eröffnete er die Buchmesse Beijing. Das war im August 2007. Zwei Jahre später gibt er sich wesentlich gelassener, als er am deutschen Stand der 16. Beijing International Book Fair (BIBF) steht und seinen Blick über die deutsche Literaturlandschaft schweifen lässt. "Der Turm" von Uwe Tellkamp. "Das lese ich gerade", sagt Schaefer, und fügt hinzu: "ein zeitraubendes, episches Werk. Schon seit Monaten lese ich daran. Es ist nicht einfach, wenn man jeden Abend nur eine halbe Stunde dafür hat." 

Mehr als 1600 Verlage aus 56 Ländern haben sich für die BIBF im China International Exhibition Center aufgestellt - ein Großteil aus Spanien, Ehrengast des Jahres 2009. Deutschland ist mit 47 Verlagen und 900 Büchern vertreten - die reichen von Romanen über wissenschaftliche Essays bis hin zu Kinderbüchern und Designlexika. Große Namen sind darunter wie Brockhaus, Tessloff, Klett, Cornelsen, Herrmann Schmidt. "Ich freue mich, dass sich so viele renommierte Verlage auf den Weg nach Beijing gemacht haben", sagt Schaefer. 

Denn für die wird es zunehmend wichtiger, auch auf der Beijinger Buchmesse präsent zu sein - der viertgrößten weltweit -, um auf dem asiatischen Markt Fuß zu fassen. Hier treffen deutsche Verleger auf chinesische, taiwanesische, koreanische oder japanische Kollegen, die den weiten Weg nach Frankfurt oder London scheuen. Schon seit 1986 organisiert die Frankfurter Buchmesse einen deutschen Gemeinschaftsstand auf der BIBF, um Verlagen den Einstieg in die chinesische Kultur zu erleichtern. Zusammen mit dem Deutschen Buchinformationszentrum (BIZ) regen die Frankfurter außerdem zum Austausch zwischen chinesischen und deutschen Verlegern an. 
Seit 1997 zählt China zu den zehn wichtigsten Abnehmern deutscher Buchlizenzen. Astrid Barth ist Leiterin von "wissenmedia international". Auch sie knüpft auf der Messe Kontakte nach Asien. "Wir vertreiben hauptsächlich Nachschlagewerke, neuerdings auch den Brockhaus", sagt sie, "aber in Beijing biete ich unser Kinderbuchprogramm für Interessenten aus China, Taiwan und Korea an. Im asiatischen Raum verkaufen wir fast nur Kinderbuchlizenzen." Der Menschenstrom um sie herum will gar nicht abreißen. "Dieses Jahr ist die Nachfrage schon wieder angestiegen, ich wurde fast überrannt am ersten Tag." Die Lizenzvermarktung ist ein - wenn nicht sogar der - Kernbereich der Beijinger Buchmesse. Allein im vergangenen Jahr wurden 1 824 Lizenzverträge auf der BIBF  geschlossen. "Von den Angeboten, die wir bekommen, wählen wir dann den besten Lizenzpartner aus", sagt Astrid Barth. "Der übersetzt, druckt und vermarktet dann unsere Werke vor Ort." 

Die Studenten Lu Yajun und Chen Yuhua aus Nanjing sind nicht der Lizenzen wegen nach Beijing gekommen, sie wollen vielmehr einen Blick auf europäisches Buchdesign werfen. Besonders angetan hat es ihnen der Bildband "Morgenliebe" von Katrin Trautner, der das Thema Sexualität im Alter feinfühlig aufgreift. "Besonders lieben wir deutsche Bücher", sagen sie, "vor allem wegen der künstlerischen Aufmachung, des Layouts und Designs." 

In den vergangenen 30 Jahren hat sich Chinas Büchermarkt rasant entwickelt, das Land ist heute führend in der weltweiten Buchproduktion, zumindest was die Zahl der Titel und die Höhe der Auflagen betrifft. Liu Binjie, Leiter des Chinesischen Hauptamts für Presse und Verlagswesen, sieht die Buchmesse als "ein Band, das chinesische und ausländische Verlage miteinander verbindet". Und doch - die Verlagsbranche in China sei zwar groß, aber noch nicht stark genug; der Verkauf von Buchlizenzen und der Bücherexport sind unbefriedigend, die meisten Bücher nicht das Interesse der ausländischen Leserschaft finden.

Große Erwartungen setzt man auf die Frankfurter Buchmesse im Oktober. Liu Binjie hat sich mit Juergen Boos, dem Direktor der Messe, zusammengetan: 2009 ist China Ehrengast auf der wichtigsten Buchmesse der Welt. "Wir wollen China der Welt näherbringen", sagt Liu, "Missverständnisse aus dem Weg räumen und das falsche Bild, das sich der Westen von China macht, korrigieren."

Botschafter Schaefer wird auch in Frankfurt sein, vielleicht hat er bis dahin ja Tellkamps "Turm" ausgelesen. Falls nicht, kann er sich zehn Flugstunden damit versüßen.

 
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