09-07-2009 Beijing Rundschau
Supranationale Reservewährung: nur ein Thema in akademischen Kreisen?
von Zhang Ying

Wie die „International Finance News" berichtete, machte der stellvertretende chinesische Außenminister He Yafei am 5. Juli in Rom vor der Dialogskonferenz zwischen den G8-Staaten und den Entwicklungsländern deutlich, dass sich der Ruf nach einer internationalen und unabhängigen Leitwährung derzeit nur auf akademische Kreise beschränke. Die chinesische Regierung unterstütze diese Idee nicht.

Vor einer Woche klang es aus amtlicher Quelle noch ganz anders: in dem von der chinesischen Zentralbank alljährlich herausgegebenen „Bericht über die Stabilität des chinesischen Finanzsystems" wird vorgeschlagen, eine neue internationale Reservewährung auf der Grundlage der Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu schaffen. Wie kommt es, dass zwei wichtige Institutionen des chinesischen Staates in einer so wichtigen Frage wie der Schaffung einer supranationalen Reservewährung zu konträren Auffassungen gelangen? 

Unterschiedliche Ansichten

Auf einer Pressekonferenz legte He Yafei die Position der chinesischen Regierung dar, wonach die USA für die Stabilität des US-Dollars als internationale Leitwährung verantwortlich seien. In den letzten Jahren riefen mehrere Länder die amerikanische Regierung dazu auf, Maßnahmen zur Stabilisierung des Dollars zu ergreifen. Vor allem China zeigte sich besorgt über die Wertbeständigkeit seines Engagements in amerikanischen Staatsanleihen.

Über die Frage einer supranationalen Reservewährung sagte He: „Der US-Dollar ist die wichtigste Reservewährung in der Welt. Wir glauben, dies wird auch in den nächsten Jahren so bleiben. Das ist die Realität."

Ganz anders die Forderung des „Berichts über die Stabilität des chinesischen Finanzsystems". Um die inhärenten Mängel der Verwendung einer kreditbasierten nationalen Währung als internationaler Reservewährung zu beheben, müsse eine supranationale Reservewährung geschaffen werden. Diese sollte von einzelnen nationalen Währungen unabhängig sein, denn so könnte ihr Wert langfristig stabil bleiben. Außerdem wird vorgeschlagen, die Rolle der Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) auszubauen.

Diese abweichenden Stellungnahmen führt Xi Junyang, der stellvertretende Direktor des Forschungszentrums für modernes Finanzmanagement bei der Shanghai University of Finance and Economics, auf unterschiedliche Perspektiven hinsichtlich der Schaffung einer supranationalen Reservewährung zurück. Xi hebt hervor, dass die Notenbank mit Verwaltung und Kontrolle des Finanzsystems befasst sei, und deshalb von den Auswirkungen einer kreditbasierten nationalen Reservewährung in besonderem Maße betroffen ist. Um mehr Mitsprachrecht bei der Reform des internationalen Währungssystems zu gewinnen, sei es folgerichtig, eine supranationale Reservewährung zu fordern. Aus der Sicht des Außenministeriums müssten in dieser Frage jedoch weitere Faktoren berücksichtigt werden, die vor allem die internationale Politik beträfen.

Ähnlich sieht dies auch Lu Hongjun, Direktor des Shanghai International Finance Institute. Nach Lu arbeitet die Notenbank die Währungspolitik aus, während das Außenministerium sich mit der Außenpolitik befasst. Ihre unterschiedliche Auffassung des Gegenstandes rührt von ihrem jeweiligen Aufgabengebiet her.

Deutliche Richtung

 „Die Reform des internationalen Währungssystems zielt eindeutig in Richtung der Schaffung einer supranationalen Reservewährung. In akademischen Kreisen besteht darüber kein Zweifel," sagt Xi. Dies entspreche nicht nur den Erfordernissen der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas, sondern auch den Interessen der Entwicklungsländer und der BRIC-Staaten.

Tatsächlich war es nicht die chinesische Notenbank, die als Erste eine supranationale Reservewährung in die Diskussion geworfen hat. Ende 2007 hat Fred Bergsten, Direktor des Peterson Institute for International Economics, den Vorschlag unterbreitet, die Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF als supranationale Währung zu gestalten. Die Notenbanken Russlands und Brasiliens setzten große Hoffnungen in eine entsprechende Initiative. Eine supranationale Währung kann den Entwicklungsländern mehr Mitspracherechte in internationalen Finanzinstitutionen gewähren, die Kontrolle über das Weltwährungssystems verbessern und die Emission einer internationalen Reservewährung erleichtern.  

Lu Hongjun ist der Ansicht, dass eine "kreditbasierte nationale Währung" als internationale Reservewährung große Gefahren in sich trägt. Es sei nötig, das Weltwährungssystem angemessen zu reformieren, „aber das kann nur in einem sehr langen Prozess geschehen." Nach Lu gibt es möglicherweise zwei Modelle der Reform: entweder einen Korb mehrerer Währungen als Reservewährung, oder eine gänzlich neue supranationale Währung.

„Ausgehend von der aktuellen Situation wäre die Korblösung leichter zu realisieren. Für eine eigenständige supranationale Währung müssten zunächst sehr viele höchst komplizierte Fragen geklärt werden", sagt Lu Hongjun. Bei beiden Lösungsansätzen müssten jedoch Fragen wie die Internationalisierung der chinesischen Währung und die Stabilität des Euro Berücksichtigung finden. 

 

 

Mehr dazu:
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