11-05-2009 Quelle: Nanfang Weekend Kann die Schweinegrippe in China effektiv bekämpft werden? Von Su Ling
Interviewpartner: Zeng Guang, Leiter der Abteilung Epidemie bei der nationalen Seuchenschutzbehörde, Chen Yude, Professor am Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit an der Peking-Universität, Zhang Yonghui, Leiter der Seuchenschutzbehörde der Provinz Guangdong, Zhong Nanshan, Wissenschaftsrat an der Akademie für Ingenieurwesen und Professor des Guangdonger Instituts für Medizin Am Abend des 4. Mai hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgeteilt, dass bisher insgesamt 1085 Menschen in 21 verschiedenen Ländern und Gebieten am Virus A/H1N1 erkrankt sind. Durch den weltweiten Ausbruch der Schweinegrippe in mehreren Ländern fühlt man sich automatisch an die Spanischen Grippe 1918 und an SARS in China im Jahr 2003 erinnert. Besonders nach dem Auftreten eines Krankheitsfalls in Hongkong, werden die chinesischen Gesundheitsbehörden gefragt, ob sie bereit seien, es mit dem Virus A/H1N1 aufzunehmen. Man sorgt sich darüber, dass das Virus A/H1N1 in unseren heimischen Schweinefarmen mutiert und ansteckend werden kann. Ist China gefährdet? Zhong Nanshan: Absolut. Das Virus der Vogelgrippe trägt die wissenschaftliche Bezeichnung H5N1, bei dem jetzt aufgetretenen Virus handelt es sich um den Virus A/H1N1. Gegenwärtig steht noch nicht fest, ob das Virus im großen Maßstab zwischen Menschen übertragen werden kann. Deshalb ist erhöhte Wachsamkeit angebracht. Wie kann China der Epidemie vorbeugen und sie gegebenenfalls unter Kontrolle bringen? Zhong Nanshan: Die effektivste Maßnahme von allen ist noch immer Quarantäne. Da das Virus von außen kommt, muss man ein wachsames Auge auf Reisende aus betroffenen Gebieten werfen. Wenn Reisende aus Epidemiegebieten nach China einreisen, müssen sie so früh wie möglich isoliert werden. Warum ist 1918/1919 die zweite Welle der Spanischen Grippe ausgebrochen? Damals wurden keine Vorbeugungsmaßnahme ergriffen. Das Virus hat sich schnell verbreitet und mutierte. Allerdings werden jetzt weltweit Quarantänemaßnahmen ergriffen. Dank gegenwärtiger Isoliermaßnahmen wird sich die Geschichte der Spanischen Grippe auf keinen Fall wiederholen. Wie kommentieren Sie die Koordinierung der zuständigen Behörden in China? Chen Yude: Ich finde, dass es im Vergleich zur Lage während der SARS-Epidemie einen Fortschritt hinsichtlich der Koordination vorbeugender Maßnahmen gibt. Diesmal werden die Aufgaben vom Gesundheitsministerium sehr klar verteilt. Das Staatliche Amt für Qualitäts- und Technische Kontrolle ist hauptsächlich verantwortlich für die Durchführung von Quarantänemaßnahmen an der Grenze. Falls diese Behörde auffällige Personen findet, wird das Amt für Gesundheitswesen diese Verdächtigen überprüfen. Wenn sie an Grippesymptomen leiden, werden diese Personen in speziellen Kliniken isoliert und geheilt. Gibt es neben Untersuchen und Isolieren noch weitere Maßnahmen, die man ergreifen kann? Zeng Guang: Man kann mehr medizinische Einrichtungen zum Einsatz bringen. Nach Möglichkeit sollten die Medikamenten für die Heilung der Grippe kostenfrei abgegeben werden. Auch sollte insgesamt die entsprechende medizinische Behandlung kostenlos sein. Gibt es im Vergleich zu SARS einen Unterschied bei der Vorbeugung in China? Chen Yude: Die Eigenschaften von SARS waren am Anfang ganz unklar, während die Schweinegrippe doch eine Grippevariante ist, wenn auch eine mit gefährlich mutierten Viren. Die normalen Maßnahmen gegen Grippe sind vielleicht auch in diesem Fall effektiv. Außerdem sind Ausbreitung und Verlauf sehr deutlich umrissen. Nach SARS wurden erst die Grundlagen im Kampf gegen Epidemien in China geschaffen. Zu Beginn der SARS-Epidemie hatten wir keine genaue Kenntnis über SARS. Im gegenwärtigen Fall sind unsere Kenntnisse jedoch wohl fundiert. Daher meine ich, dass wir im Kampf gegen das Virus A/H1N1 keine Angst haben müssen, sondern die Epidemie aktiv und effektiv behandeln können. Gibt es gegenwärtig eine ausreichende Zahl von Kliniken und insgesamt befriedigende Bedingungen für die medizinische Behandlung von Schweinegrippe? Chen Yude: Nach der SARS-Epidemie sind vielen spezielle Kliniken und Institute für klinische Analysen in Städten und Kreisen gegründet worden. Sie können sofort in Gang gesetzt werden, wenn die Epidemie in China ausbrechen sollte. Außerdem muss das medizinische Personal sehr sorgfällig sein, wenn es erkrankte Personen behandelt. Es geht darum, so schnell wie möglich eine zutreffende Diagnose zu erhalten. Wir sollten eine Lehre aus SARS ziehen: Die auffälligen Patienten müssen von anderen Patienten isoliert behandelt werden. Außerdem müssen die Ärzte Maßnahmen zum Selbstschutz ergreifen. Selbstschutz ist zugleich auch Schutz des Mitmenschen. Zeng Guang: Wir werden die Xiaotangshan-Klinik wieder in Betrieb nehmen. Die Xiaotangshan-Klinik diente dazu, während der SARS-Epidemie alle schweren SARS-Fälle dort zentral behandeln zu lassen. Haben sie Ratschläge hinsichtlich der Vorbeugung gegen das Virus A/H1N1? Zhong Nanshan: Grundsätzlich sollte man es vermeiden, an Orte zu gehen, an denen viele Menschen versammelt sind. Die gegenwärtige Jahreszeit und das Wetter begünstigen einen Ausbruch der Krankheit. Am besten verzichtet man auf Reisen, die in Risikogebiete führen sollen.
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