14-04-2009 Beijing Rundschau
Chinas Wirtschaft: Talsohle schon durchschritten?

Laut neuen Statistiken scheint die Wirtschaft in China von dem Konjunkturpaket zu profitieren und sich allmählich zu erholen. Experten sind sich allerdings in der Beurteilung der Lage uneins.

Das Amt für Statistik hat am 9. April Wirtschaftsdaten zum ersten Quartal 2009 veröffentlicht. Der Zuversichtsindex der Unternehmer in China beträgt 101,1 Punkte im ersten Quartal, ein Anstieg um 6,5 Punkte gegenüber dem letzten Quartal, der Geschäftsklimaindex beträgt 105,6 Punkt, und ist damit um 1,4 Punkte im Vergleich zum vierten Quartal des Jahres 2008 gefallen. Aber die Absenkung ist viel geringer als die 21,6 Punkte, um die der Index im vierten Quartal gegenüber dem 3. Quartal gesunken war.

„Die Unternehmen sind die kleinsten Einheiten des Wirtschaftsgeschehens. Die Veröffentlichung beider Indices deutet an, dass die Produzentenseite der Wirtschaft Chinas bereits positive Signale sendet," sagt Cai Zhizhou, Wissenschaftler am Forschungszentrum für volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Peking Universität.

Aufgrund der Auswirkung der internationalen Wirtschaftskrise und der zyklischen Schwankung der chinesischen Wirtschaft sind beide Indices erheblich abgesunken. Der Zuversichtsindex der Unternehmer sank von 123,8 im dritten Quartal 2008 drastisch auf 94,6 Punkte im vierten Quartal, während der Geschäftsklimaindex damals von 128,6 auf 107,0 absackte.

Zhang Wenkui, stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts für Unternehmen des Forschungszentrums für Entwicklung beim chinesischen Staatsrat erkennt in der positiven Entwicklung der beiden Indices im ersten Quartal die Auswirkungen des Konjunkturpakets der Regierung. Zugleich würde nach einer Phase rückläufigen Binnenkonsums die Nachfrage auf dem Immobilien- und Automarkt langsam wieder anziehen. Der Automarkt hat im März wegen der Anreize durch die Regierung und frühlingshafter Temperaturen eine Belebung erfahren. Produktion und Umsatz sind signifikant gestiegen. Im März gab es gegenüber Februar einen Anstieg um 30 Prozent, im Jahresvergleich immerhin noch eine Zunahme um fünf Prozent. Der Automarkt sendet positive Signale aus.

„Es ist jetzt leicht, die Produkte abzusetzen. Die Rohstoffpreise sind auch gesunken, so kann preiswerter produziert werden", sagt Cai Zhizhou. Zur Zeit steige die Inlandsnachfrage stark an. Dank der Fördermaßnahme zur „Verbreitung von preiswerten elektrischen Haushaltsgeräten in ländlichen Gebieten" und den Plänen zur Förderung von zehn Branchen einschließlich der Automobilindustrie erhalten die Unternehmen Rückenwind durch ordnungspolitische Maßnahmen, was sich günstig auf innerbetriebliche Modernisierungsmaßnahmen auswirken wird.

 „Die Rohstoffpreise zeigen eine deutlich fallende Tendenz", sagt Shen Wuchun, Chef eines Unternehmens in der Provinz Zhejiang, das mit Produktion und Export von Chemieprodukten zu tun hat. Die Preise für Rohmaterial waren im letzten Jahr großen Schwankungen ausgesetzt, manche Rohstoffe hatten zeitweilig ihren Preis verzehnfacht. Die gegenwärtigen Preissenkungen dienten der Erholung des Marktes und stärkten die Zuversicht der Hersteller.

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Mehr dazu:
Geteilte Meinung über Lage der chinesischen Wirtschaft
 
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