27-02-2009 Quelle: Shanghaier Morgenpost
Nach dem Bergwerksunglück in Shanxi
Zhang Yuan berichtet aus Gujiao

Die Tunlan-Kohlenmine mit einer Förderkapazität von fünf Millionen Tonnen im Jahr und einer Belegschaft von 4000 Bergleuten wird von der Shanxi Koks- und Kohlen Gruppe betrieben und galt als relativ sicherer Betrie, denn die Anlagen sind modern und die Arbeitsbedingungen relativ gut. Die meisten Bergleute hier stammen aus Shanxi. Das Bergwerk ist wie eine kleine Stadt für sich, hier befinden sich ein Buchladen, ein Friseur und ein Lebensmittelmarkt, der die Bergleute mit allem Nötigen versorgt.

Vielen der Arbeiter ist das Unglück unerklärlich. “Die Anlagen sind auf dem neuesten Stand der Technik: wenn die Dichte austretender Gase 0,8 Prozent erreicht, kommt es zur Warnung, wenn die Dichte ein Prozent erreicht, wird die Stromversorgung unterbrochen und die Bergleute aus dem Schacht gerufen. In einer derartigen Situation ist Arbeit unmöglich. Als es zur Gasexplosion kam, lag die Dichte bestimmt bei über fünf Prozent, warum haben die Sensoren nicht Alarm ausgelöst?“ fragt ein Arbeiter. Außerdem ist eigens ein so genannter „Gasmann“ angestellt, der rund um die Uhr den Gasgehalt der Luft überwachen soll. Eine Sitzung über Fragen der Betriebssicherheit hat noch wenige Tage vor dem Unglück stattgefunden. Die Gasexplosion ist dadurch nicht verhindert worden.

An den Inhalt der Sitzung können sich die Bergleute nicht mehr erinnern, aber der Leiter, die in der Sitzung eine Ansprache hielt, wurden seines Amtes enthoben.

Hohes Risiko für wenig Geld

Die Arbeiter in der Tunlan-Kohlenmine werden in zwei Gruppen unterteilt: Arbeiter am Tageslicht und Arbeiter unter Tage. Die verunglückten 400 Arbeiter sind ausnahmslos Arbeiter unter Tage gewesen. Li Liang, ein Arbeiter der Frühschicht, bedauert zwar die Opfer, freut sich aber auch darüber, dass er nicht zur Nachtschicht eingeteilt war. Die 1500 Arbeiter der Belegschaft unter Tage sind in drei Schichten eingeteilt, die am Morgen, zur Tagesmitte und während der Nacht arbeiten. So wird 24 Stunden am Tag Kohle gefördert.

Li Liang kann jeden Monat 3000 Yuan verdienen - im Schacht. Ein Arbeiter an der Erdoberfläche verdient rund 800 Yuan weniger. Der Grund für diesen Einkommensunterschied ist klar: die Arbeit unter Tage ist viel gefährlicher. „Ich will eigentlich nicht im Schacht arbeiten. Aber hier lässt sich nur schwer ein Arbeitsplatz an der Erdoberfläche finden. Sie brauchen Beziehungen, um so einen Job zu bekommen. Aber Arbeit im Schacht bekommt jeder, der will.“ Li Liang arbeitet schon seit zwei Jahre in der Kohlenmine und hat ein bisschen Geld angespart. „Eigentlich wollte ich noch zwei Jahre bleiben. Nach dem Unglück aber will ich nur noch nach Hause und mir daheim eine andere Arbeit suchen.“

„Wir fühlten uns eigentlich sicher in einem großen staatseigenen Bergwerk, aber jetzt sind hier so viele Leute ums Leben gekommen! Wer kann uns garantieren, dass bei uns so etwas nicht vorkommen wird? Es lohnt sich nicht, für ein paar hundert Yuan Zusatzverdienst sein Leben zu riskieren!“, sagt Li Liang. Viele Arbeiter teilen seine Meinung. Das Unglück hat die Bergleute sehr verunsichert.

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