22-01-2009 Beijing Rundschau Sind China und andere Schwellenländer die Urheber der Finanzkrise?
![]() In den vergangenen Tagen haben einige westliche Politiker Vorwürfe an die Adresse von China und anderer wirtschaftlich aufstrebender Staaten gerichtet. Sie behaupteten, die hohen Bankeinlagen in China und anderen Ländern hätten den übermäßigen Konsum in den USA gefördert, bis die Blase schließlich geplatzt sei. Dies sei der Hauptgrund für die globale Finanzkrise. Xuan Changneng, Leiter des Finanzforschungsinstituts der chinesischen Zentralbank, und Long Yongtu, Generalsekretär des Boao Forums haben jeweils an verschiedenen Orten derartige Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen. Xuan Changneng (am 16. Januar auf der Pressekonferenz über die chinesische wirtschaftliche Lage): Aus makroökonomischer Ansicht Erstens, laut den Vorwürfen hätten die hohen Bankeinlagen in China und anderen Ländern den übermäßigen Konsum in Vereinigten Staaten gefördert, bis die Blase schließlich geplatzt sei. Dies ist kein triftiger Grund für die Krise. Den Statistiken zufolge war die Sparrate in den USA 1997 und 1998 erheblich gefallen. Bis 1999 ist sie auf ungefähr zwei Prozent gesunken. Hingegen wuchsen die Devisenreserven Chinas erst im Jahr 2003 schnell an. Die beiden Vorgänge haben sich in verschiedenen Zeiträumen abgespielt und stehen miteinander in keinem direkten Zusammenhang. Zweitens, wenn wir einen Blick auf die Geschichte der letzten asiatischen Finanzkrise werfen, dann stellen wir fest, dass der Rettungsplan des Internationalen Währungsfonds, der unter der Federführung der USA aufgestellt wurde, eine restriktive Haushaltspolitik, eine Politik zur Stabilisierung der Währungen und eine weitere Öffnung der Märkte vorsah. Dies führte in den USA zu einer euphorischen Stimmung des „anything goes“ und einem Höhenflug an den Finanzmärkten. Die Sparrate in den USA sank weiterhin, während der übermäßige Konsum und damit verbunden die Kreditaufnahme anstieg. Die amerikanische Regierung hat seit 2001 mehrmals die Höhe der Bankrücklagen abgesenkt: von über sechs Prozent bis zuletzt auf ein Prozent. Bis Juni 2003 wurde dieser niedrige Wert beibehalten. Aus mikroökonomischer Sicht Im November letztes Jahres fand der „G20-Gipfel“ in Washington D. C. statt. Dabei wurden die Gründe für die Finanzkrise sehr klar zusammengefasst. Die gegenwärtige Finanzkrise ist einzig und allein auf die verfehlte Wirtschaftspolitik der US-Regierung, die mangelnde Finanzkontrolle, das Ignorieren von Risiken durch die amerikanischen Finanzinstitute, sowie deren eklatantes Missmanagement zurückzuführen. In einem Moment, da die gesamte Welt aktive Maßnahmen ergreift, um auf die negativen Auswirkung der Finanzkrise zu reagieren, sollte man nicht anderen die Schuld geben, sondern zuerst sich selbst kritisieren. Das englische Wort „accountability“ bedeutet, dass Jeder für die Auswirkungen seiner Aktionen verantwortlich ist. Man muss aus diesen Auswirkungen seine Lehren ziehen, damit sich derartige Dinge später nicht mehr wiederholen.
Long Yongtu (am 16. Januar auf dem Forum „Finanzkrise und Chinas Öffnungspolitik“): „Die Finanzkrise hat nichts mit Chinas Reform und Öffnung zu tun. Die Auffassung, dass China in Reaktion auf die Finanzkrise seine Öffnung verlangsamen soll, ist inakzeptabel. Der Schlüssel zur wirtschaftlichen Entwicklung ist Reform und Öffnung. Nur wenn man die Dynamik der Reform erhöht, kann China mehr Arbeitsplätze schaffen. Barack Obama hat nach seiner Wahl zahlreiche Maßnahmen zur Rettung der Wirtschaft ergriffen. Ein Hauptziel seiner Politik ist die Schaffung von drei Millionen Arbeitsplätzen. Auch für China ist es vordringlich, das Beschäftigungsproblem zu lösen.“
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