25-01-2010 Beijing Rundschau Schätze in Übersee von Chen Wen und Zan Jifang
![]() Beijing Rundschau: Was macht den größten Anteil unter Ihren Stücken aus – und was sind Ihre wertvollsten Werke? Elinor Pearlstein: "Die größte Sammlung besteht aus Keramiken. Leider haben wir zu wenig Ausstellungsraum, um sie alle zu zeigen – deshalb rotieren sie. In unserer Obhut befinden sich auch Jadeschätze und außergewöhnliche Bronzegefäße sowie zwei Buddha-Figuren, die sehr selten sind. Die Köpfe sind ausgehöhlt und das Gewicht dementsprechend gering. Wenn chinesische Wissenschaftler uns besuchen, sind sie sehr fasziniert von den Stücken; sie sagen, so etwas hätten sie noch nie gesehen. Das Material ist so filigran, dass nur noch wenige dieser Kunstwerke auf der Welt existieren." Robert D. Mowry: "Unsere wichtigsten Stücke sind altertümliche Jadekunstwerke, rituelle Bronzegefäße und buddhistische Skulpturen, Chinesische Keramiken und Schnitzereien aus Rhinozeros-Horn." Kelly Grifford: "Bei uns sind es hauptsächlich frühe Gemälde von Personen und Landschaften, buddhistische Skulpturen, Keramiken und Porzellan."
Beijing Rundschau: Wie viele Besucher sehen sich die chinesische Sammlung Ihres Museums jedes Jahr an? Elinor Pearlstein: "Rund 3,3 Millionen Besucher kommen jedes Jahr ins Museum. Wir wissen nicht, wie viele Besucher welche einzelnen Sammlungen ansehen." Robert D. Mowry: "Vielleicht etwa 60 000 Besucher sehen sich jedes Jahr unsere China-Ausstellung an. Es herrscht großes Interesse, besonders seit wir weiterführende Informationen, Führungen und Fachtagungen anbieten." Kelly Gifford: "Das MFA heißt jedes Jahr etwa eine Million Besucher willkommen."
Beijing Rundschau: Werden die Werke neben Ausstellungen auch für Forschungs- und Bildungszwecke verwendet? Elinor Pearlstein: "Wir haben eine sehr große Bildungsabteilung, mit der wir eng zusammenarbeiten. Das sind exzellente Mitarbeiter. Wir halten Gruppenvorträge, haben ein Zentrum für Lehrer, und wir bieten Seminare zum Thema 'Relikte Chinesischer Kulturgeschichte' an. College- und High-School-Schüler können als Praktikanten in unserer Bildungseinrichtung arbeiten." Robert D. Mowry: "Fast alle Stücke unserer großen Sammlung werden für Forschungs- und Lehrzwecke verwendet. Das gehört zum Leitbild unseres Hauses. Harvard war schon in den vergangenen Jahrzehnten führend in der angewandten Lehre an authentischen Stücken." Kelly Gifford: "Das MFA hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Sammlungen an die Öffentlichkeit zu tragen. Wir verzeichnen einen hohen Anstieg an Lehrbesuchen und werden oft um weiterführende Informationen gebeten. Wir stellen jetzt viel mehr Informationen online bereit und bieten außergewöhnlich viele Ausstellungskataloge an. Gerade arbeiten wir an einem Katalog über unsere Highlights chinesischer Kunst – 100 ausgewählte Werke werden darin enthalten sein."
Beijing Rundschau: Kooperiert Ihr Museum mit Institutionen oder anderen Museen in China? Elinor Pearlstein: "Aktuell haben wir einen Wissenschaftler vom Museum der Verbotenen Stadt hier, sechs Monate wird er in unserem Museum arbeiten, hauptsächlich in der Abteilung für Restauration und Konservierung. Unsere Kuratoren stammen von den unterschiedlichsten chinesischen Museen. Die Universität von Chicago bietet eines der besten Studienprogramme in den USA für Chinastudien und chinesische Geschichte an. Oft nehmen an diesen oder anderen Programmen chinesische Historiker und Archäologen teil. Wir fördern den regen Austausch mit chinesischen Wissenschaftlern. In Kürze bieten wir ein Seminar zum Thema Bronze-Inschriften an, zu dem wir besonders Forscher der Peking University und des Shanghai-Museum eingeladen haben." Robert D. Mowry: "Obwohl wir keine festgelegten Kooperationen mit China haben, halten unsere Kuratoren engen Kontakt zu ihren chinesischen Kollegen. Viele Studenten und Forscher besuchen jedes Jahr unser Museum; manche studieren Werke unserer Sammlungen, andere interessieren sich besonders für unsere Ausstellungs- und Konservierungsmethoden und wiederum andere verbringen gleich ein ganzes Semester an Harvard zu Forschungszwecken, sie nutzen die Möglichkeiten, die unser Museum und die verschiedenen Bibliotheken ihnen bieten." Kelly Gifford: "Wir verzeichnen viele Besuche chinesischer Wissenschaftler und Kollegen, erst kürzlich kamen Fachleute vom Palastmuseum in Beijing zu uns, oder Kollegen vom Hunan Provinzmuseum und vom Shanghai-Museum. Wir kooperieren zudem mit dem J.S. Lee Memorial Fellowship Programm in Hongkong."
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