25-01-2010 Beijing Rundschau Schätze in Übersee von Chen Wen und Zan Jifang
Immer mehr Chinesen können es sich heutzutage leisten, auch außerhalb Chinas zu verreisen. Während ihrer Aufenthalte entdecken sie dabei des Öfteren zahlreiche Relikte chinesischer Kulturgeschichte – in ausländischen Museen, die sie schon seit Jahrzehnten sammeln. Chen Wen und Zan Jifan haben nachgefragt beim Art Institute of Chicago, dem Harvard Art Museum und dem Museum of Fine Arts in Boston, um herauszufinden, welche Geschichten hinter den Sammlungen stecken. ![]() ![]()
Beijing Rundschau: Wann hat Ihr Museum damit begonnen, chinesische Kunst zu sammeln? Und woher haben Sie die Stücke bekommen? Elinor Pearlstein, Art Institute of Chicago: "Die Abteilung wurde 1922 gegründet. Einige der ersten Stücke stammen von Frau Calhoun, der Gattin des US-Gesandten William J. Calhoun in China. Zwischen 1909 und 1913 hatten sie direkt neben der Verbotenen Stadt gewohnt. Wir haben einige ihrer Briefe hier, aus denen hervorgeht, dass sie auch Textilien von Leuten erworben hat, die in die Botschaft gekommen sind, um sie zu verkaufen. Auch ein Gemälde ist in unserer Sammlung, das sie seinerzeit von der Kaiserinwitwe Longyu (1868–1913) aus der Qing-Dynastie erhalten hat. Viele Bürger in Chicago haben enge Verbindungen zu China; sie war die erste." Robert D. Mowry, Harvard Art Museum: "Die ersten chinesischen Arbeiten wurden 1919 auf Geheiß des Harvard-Absolventen Hervey Wetzel akquiriert, der auch Teile seiner Sammlung sowohl dem Harvard Art Museum als auch dem Museum of Fine Arts in Boston vermachte. Die Stücke der Wetzel-Kollektion reichen von italienischen Renaissance-Gemälden über chinesische Bronzegefäße bis hin zu koreanischen Keramiken und bieten eine grandiose Vielfalt." Kelly Gifford, Museum of Fine Arts (MFA), Boston: "Das MFA erhielt schon 1878 das erste Stück chinesischer Kunst, 1894 gab es die erste Ausstellung auf diesem Gebiet. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchs die Sammlung stets, vor allem durch Gaben von Ernest Fenollosa, Denman Waldo Ross und Okakura Kakuzo. Einer der Neuzugänge aus dem Jahr 1991 ist die Jewell-Sammlung, die 118 Werke mit Hofkunst der Qing-Dynastie enthält. Frau Sarah Jewell, die Witwe von T. Edson Jewell, die im August 2009 im Alter von 106 Jahren gestorben ist, hatte sie von ihren Eltern, Fred Erskine und Laura Conger Buchan bekommen – ihr Großvater, Edwin Hurd Conger, war zur Zeit des Boxeraufstands US-Botschafter in China und hatte die Stücke von der Kaiserinwitwe Cixi (1835-1908) erhalten: Gemälde, Drucke, Keramiken, Textilien, Kalligrafien, Fotografien und Metallarbeiten."
Beijing Rundschau: Wie viele chinesische Werke befinden sich in ihren Sammlungen? Elinor Pearlstein: "Wir haben etwa 3500 chinesische Kunstwerke in unserem Museum. Die meisten sind Keramiken, 2000 Stück oder mehr. Wir haben außerdem 900 Jade-Kunstwerke, die alle von einem amerikanischen Sammler stammen, der 1935 verstorben ist. 70 Bronzewerke, 150 Gemälde; über 100 verschiedene Objekte, Möbel, Lackarbeiten, Silber. Der Großteil der Stücke wurde gespendet. Wir haben auch selbst erworbene Objekte, für die Spender aufgekommen sind. Alle Stücke sind permanenter Bestandteil des Museums." Robert D. Mowry: "Wir haben 6466 Stücke. Genauer gesagt: 1715 Keramiken, 856 Jade-Stücke aus verschiedenen Dynastien, 1127 Gemälde und Kalligraphien (sowohl traditionelle als auch zeitgenössische), 920 Druck-Erzeugnisse und 1848 Bronzegefäße, buddhistische Skulpturen, Rhinozeros-Horn-Ziselierungen, Lackarbeiten, Textilien und vieles mehr. Alle Stücke sind im permanenten Bestand des Museums." Kelly Gifford: "Das MFA hat etwa 8000 Objekte in seiner China-Sammlung. Gemälde, Skulpturen, Textilien, Keramiken, Metallwerke, Einrichtungsgegenstände. Der Großteil davon ist im festen Bestand des Museums."
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