23-05-2012
Kulturerben erzählen...
Hat Scherenschnitt aus dem Kreis Yu eine Zukunft?

Was für ein feines Gespinst! Kann man sich vorstellen, dass dies Scherenschnitte sind? Es handelt sich um eine einzigartige Spezialität aus Hebei: Scherenschnitte aus dem Kreis Yu.

Diese Scherenschnitttechnik ist seit der Ming-Dynastie (1368-1644) eine weithin bekannte Ausdrucksform chinesischer Volkskunst. Anders als bei Scherenschnitten aus anderen Gegenden wird beim Scherenschnitt aus Yu der verbleibende Umriss betont, während die Ausschnitte lediglich als ornamentale Ergänzung dienen. Eine große Rolle spielt des weiteren die Farbgestaltung durch Färben des Papiers. Als Faustregel gilt, das die Wirkung eines Scherenschnitts aus Yu zu 30 Prozent aus Schnitttechnik und zu 70 Prozent aus Färbetechnik besteht. Inhaltlich dominieren aber auch hier Tierdarstellungen, Blumenmotive und glücksverheißende Schriftzeichen.

Eine große Meisterin ihres Fachs ist Zhou Shuying. Bereits in der dritten Generation wird in ihrer Familie der Scherenschnitt betrieben. Zhou hat die traditionellen Schnitt- und Färbetechniken in jahrelangem Experimentieren eigenständig weiterentwickelt und bislang sieben neue Methoden etabliert. Der Inhalt ist bei ihr anders als der Tradition gemäß, vielfältiger geworden und nahe am Alltagsleben der Menschen.

Das Werk trägt den Namen „Lebensbaum." Es war 1996 Zhous Abschlussarbeitwerk an der Central Academy of Fine Arts in Beijing. Zwischen Himmel und Erde wächst ein hoher Lebensbaum, der den Himmel stützt, ein Glückskind sitzt sorglos auf blühendem Lotus und genießt das ruhige Leben in einer harmonischen Welt.

Jahrzehntelange Erfahrungen in Leben und Kunst lassen Zhou immer tiefer nachdenken über die Kunst des Scherenschnitts und den "Nährwert" der Kunst für das Leben der Menschen.