26-12-2011
Wirtschaft 2011
Wirtschaftswachstum in China: Qualität statt Quantität
von Lan Xinzhen

 

Die chinesische Wirtschaft gilt nach wie vor als Indikator des globalen Wirtschaftswachstums

 

Die Wachstumsrate des chinesischen BIP wird weiterhin um die 8,9 Prozent liegen. Nachzulesen ist diese Prognose im so genannten Blaubuch der Chinesischen  Akademie der Sozialwissenschaften (CASW), das am 7. Dezember herausgegeben wurde. Zwar liegt das Wachstum für 2012 ein wenig unter der Rate des Jahres 2011, bleibt aber dennoch relativ hoch.

Seit 1992 erscheint das Blaubuch. Es ist die Frucht sorgfältiger Analyse von Wissenschaftlern und Experten aus Regierungsbehörden, Forschungsinstituten und Universitäten und gibt Auskunft über die wirtschaftliche Lage des Landes und den Kurs der Wirtschaftspolitik.

Chen Jiagui, Direktor der Wirtschaftsabteilung der CASW erklärt, dass das Wachstum der chinesischen Wirtschaft im Rahmen geringfügiger Schwankungen stabil bleiben wird. Eine Wachstumsrate von acht bis neun Prozent sei ideal für eine gute makroökonomische Umgebung zur Vertiefung der Reform, Eindämmung der Inflation, Regulierung der Wirtschaftsstruktur und zum Wandel des wirtschaftlichen Entwicklungsmodells.

In den letzten zwei Jahren hat sich die chinesische Wirtschaft langsamer entwickelt, so dass in China und im Ausland Befürchtungen aufkamen, dass eine harte Landung bevorsteht. Diese Ängste werden im Blaubuch als unbegründet zurückgewiesen. Chinas Wirtschaft werde weiter zur Wiederbelebung der Weltwirtschaft beitragen.

 

Die Lage

Das Blaubuch stellt bedeutende Veränderungen in der wirtschaftlichen Situation für das Jahr 2012 in Aussicht. Im Jahr 2011 musste China wegen des zu raschen Anstiegs der Verbraucherpreise vor allem die Inflation bekämpfen. Bei einem relativ langsameren Wachstum der Wirtschaft im Jahr 2012 muss China nun Stabilisierungsmaßnahmen ergreifen, weiter die Inflation eindämmen und die Regulierung der Wirtschaftsstruktur verstärken.

Chen sagt, dank regulierender Eingriffe wurden im Lauf des Jahres 2011 die steigenden Preise in gewissem Umfang eingedämmt, aber die inflationäre Tendenz wirkt weiter fort. Eine Trendwende sei nicht in Sicht.

Das Niveau der Verbraucherpreise wird sowohl von Angebot und Nachfrage als auch durch steigende Entstehungskosten beeinflusst. Das Blaubuch sagt voraus, dass der Verbraucherpreisindex im Jahr 2012 weiter leicht steigen wird. Angesichts wachsender Unsicherheiten auf dem internationalen Ölmarkt wird China sich genötigt sehen, die Rohstoffpreise anzuheben. Über das Jahr wird eine Inflationsrate von um die vier Prozent erwartet.

Im kommenden Jahr werden detaillierte Maßnahmen zur Realisierung des 12. Fünfjahresplans (2011-15) zu formulieren sein. Bei der Regulierung der Wirtschaftsstruktur muss China dafür Sorge tragen, dass das Wirtschaftswachstum stabil bleibt. Das ist nicht einfach.

Einen großen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung wird die immer schwieriger werdende Lage der Weltwirtschaft ausüben. Li Yang, Vizepräsident der CASW, meint, dass die chinesische Regierung die Bedingungen des Krisenjahres 2010 als am problematischsten eingestuft hatte. Die gegenwärtige Situation habe sich jedoch als noch komplexer erwiesen, denn die Rahmenbedingungen sowohl für die binnenländische Wirtschaft wie auch für die Weltwirtschaft änderten sich ständig.

Li sieht die Gefahr, dass die Weltwirtschaft ab 2012 in eine fünf- bis zehnjährige oder vielleicht sogar noch längere Rezessionsphase eintritt. Die Sicherstellung des Wachstums sei daher eine gemeinsame Aufgabe für alle Länder der Welt.

Unter den großen Volkswirtschaften der Welt gebe es für die US-Wirtschaft keine optimistische Einschätzung. Europas Lage verschlechtere sich, die EU benötige dringend Hilfe aus den USA.

 "Sorge bereitet, dass die Rettung des Euro vom US-Dollar erwartet wird", sagt Li.

Für China sei es schwer, ein hohes Wachstum zu erzielen, so Li weiter. Chinas exportabhängige Branchen leiden als Erste unter der schwachen Entwicklung der Weltwirtschaft. Im Jahr 2011 beträgt der Anteil von Chinas Handelsüberschuss am BIP weniger als drei Prozent gegenüber mehr als sechs Prozent zu Rekordzeiten.

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