03-12-2010
BR-Exklusiv
Haltung Japans scharf kritisiert
von Hu Yue

Auf deutliche Kritik gestoßen vor allem aus Kreisen der Umweltschutzorganisationen ist die Haltung Japans zu einer Fortsetzung der Vereinbarungen des Kyoto-Protokolls über das Jahr 2012 hinaus.

Shimada Kuni, Berater des japanischen Umweltministers Matsumoto Ryu bezeichnete das Kyoto-Protokoll als „überholt", weil nur 27 Prozent der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen darin erfasst würden.

Im 1997 unterzeichneten Kyoto-Protokoll hatten sich 37 Industriestaaten dazu verpflichtet, ihre Emission von Treibhausgasen um mindestens 5,2 Prozent zu reduzieren. Die bindende Verpflichtung zur Schadstoffreduzierung läuft 2012 aus. Die USA als einer der Hauptverursacher von Treibhausgasen sind dem Kyoto-Protokoll nie beigetreten. Der Weltklimagipfel letzten Dezember in Kopenhagen sollte eigentlich ein Nachfolgeabkommen mit rechtlich verbindlichen Reduktionsziffern aufs Gleis setzen, aber dieses Vorhaben ist gescheitert.

Vor diesem Hintergrund ist die Weigerung der Japaner zu sehen. Sie wollen sich so lange nicht auf verbindliche Reduktionsziele festlegen, wie vor allem die USA und China aber auch andere Schwellenländer nicht einem verpflichtenden Abkommen beitreten.

Industriestaaten wie Kanada, Australien und Neuseeland stehen einer Verlängerung des Kyoto-Protokolls ebenfalls sehr skeptisch gegenüber. Die EU hat hingegen zu erkennen gegeben, dass sie als Notlösung gegebenenfalls zu einer zweiten Verpflichtungsrunde bereit wäre, falls keine anderweitige Regelung gefunden werden sollte. Man wolle so das Eintreten einer Situation verhindern, in der nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls überhaupt keine bindenden Absprachen mehr existierten.

Jake Schmidt vom Washingtoner Natural Resources Defense Council bedauert die kompromisslose Haltung der Japaner: „Das Schicksal des Kyoto-Protokolls überschattet alle anderen Ansätze an den verschiedenen Baustellen für ein Klimaabkommen."

Das Climate Action Network, eine Dachorganisation von mehr als 450 NGOs auf der ganzen Welt, kritisierte, dass „die japanische Stellungnahme für Aufregung gesorgt und ein unkonstruktives Gesprächsklima für die Verhandlungen geschaffen hat."

„Ein positiver Ausgang für den gesamten Weltklimagipfel scheint nun in Frage gestellt", meint Yang Ailun, der bei Greenpeace Klima- und Energieprojekte leitet.