07-09-2011
Unterwegs in China
Lingjing: Im Hutong auf dem Boulevard
von Li Yuwan

 

Verlässt man die U-Bahnstation Lingjing Hutong der Linie 4 ist man schon mitten drin im Lingjing Hutong, der sich zwischen der Fuyoujie Street und der Xidan North Street erstreckt. 664 Meter ist er lang und misst genau 32,18 Metern in der Breite, wodurch er den Anspruch erhebt, der Hutong mit der größten Ausdehnung zu sein. Er wirkt wie ein Boulevard, nicht wie eine Gasse. Vor seiner Erweiterung in den 1980er Jahren war gerade einmal drei Meter breit, eine schmale Straße, durch die schon in der Ming-Dynastie (1368-1644) Mönche liefen, um zu einem daoistischen Tempel zu gelangen – dem Lingji-Tempel.

Der Sage nach wurde dieser Tempel im Jahr 1471 vom berühmten Kaiser Yongle erbaut. Nach seiner Thronbesteigung verlegte Yongle Chinas Hauptstadt von Nanjing nach Beijing. Hier, an seinem neuen Regierungssitz, erkrankte er schwer. In seinen Fieberträumen erschienen ihm zwei der Unsterblichen, die ihn mit einer lebensrettenden Medizin versorgten. Als er aufwachte - so erzählt man sich - war er vollständig geheilt. Das Lijing-Tempel war sein Tribut an die Lebensretter aus dem Traum.

Die Nachfolger des Kaisers schickten zu jedem Frühlingsfest, zur Wintersonnenwende und an weiteren Feiertagen ihre Beamten zum Tempel, damit sie dort beteten und sich bei den beiden Unsterblichen bedankten. Dieser Brauch existierte bis in die Qing-Dynastie (1644-1911).

Zu seiner Blütezeit in der Ming-Dynastie bestand der Linjing Hutong aus zwei Teilen. Sein heutiger Name stammt aber aus der Qing-Dynastie. Damals sprachen Anwohner von seinem östlichen Teil als Lingjing-Hutong. Den westlichen Teil nannten sie Ximi Hutong. Erst 1949 wurden die beiden Teile wieder unter dem Namen Lingjing vereint – dem Namen, der seine grandiose Vergangenheit am besten versinnbildlicht.

Die moderne Zeit hat das Antlitz des Hutongs stark verändert – heute säumen Reihen von Wohngebäuden die Straße. Die ehemals schmale Gasse ist heute um das zehnfache verbreitert worden. Die Architektur der Vergangenheit ist verschwunden.

Wer heute den Hutong besucht, sollte im Donglaishun Restaurant (No. 23) den großartigen Mongolischen Feuertopf probieren. 1903 eröffnet, ist es eines von Beijings ältesten muslimischen Restaurants. Seine Spezialität ist instant-boiled mutton (gesiedetes Hammelfleisch). Das Restaurant nutzt anders als viele seiner Konkurrenten nur hochwertiges Lammfleisch – weswegen die Tische stets voll sind. Das Fleisch schmilzt nur so im Mund! Selbst aus weit entfernten Provinzen kommen die Gäste angereist, um diese Spezialität zu genießen.

In Hausnummer 95 wartet das familiengeführte Wufulou Restaurant. Dort pflegt man eine typische Beijinger Küche. Man lässt dort den Eigengeschmack der Zutaten voll wirken; die meisten Gerichte sind wenig bis gar nicht gewürzt. Da diese Zubereitungsart garantiert keine extremen Geschmacksvarianten produziert, ist sie für alle Besucher geeignet.

Schließlich gibt es unweit des östlichen Ausgangs der Straße noch ein Themenrestaurant, das vor allem junge Leute anzieht. Sein Motto: Post 80s – Zutritt ist nur für junge Leute erlaubt, die zwischen 1980 und 1989 geboren sind. Die Ausweiskontrolle am Eingang ist Pflicht. Der Hauptraum ist wie ein Klassenzimmer gestylt, mit alten Schulbüchern, Cartoons und Foots von Prominenten. In diesem Ambiente genießen die jungen Leute Hot Pot und andere Beijinger Spezialitäten.

 

Hutong Tips

Anreise

Wie kommt man hin?

Mit der U-Bahn: Linie 4 to Lingjing Hutong Station, Exit C. Der Eingang zum Lingjing-Hutong befindet sich auf der Südseite.

 

Mit dem Bus: Linie 22, 105, 604 bis Ganshiqiao Station. Bus 68 hält direkt an der Lingjing Hutong Station. Die Buslinien 38, 46 halten am Picai Hutong Dongkou, der Linjing Hutong liegt gegenüber der Kreuzung.

 

SehenswürdigkeitenEin Muss ist der Zhongshan Park, der nicht weit vom östlichen Ausgang des Hutongs liegt. Er ist ein grandioses Beispiel für die klassische chinesische Gartenkunst der Kaiserzeit. Seine Pavillons und Gärten wie der "Altar der Erde und der Ernte" laden zum entspannten Spaziergang ein. Einige der Zypressen in dem Park sind über 1000 Jahre alt. Dazu gibt es dort eine Konzerthalle, einen großen Teich und einen farbenprächtigen Wandelgang.

 

Eintrittspreis: 3 Yuan

Website: www.zhongshan-park.cn