02-09-2010
Unterwegs in China
Das Feuchtgebiet des Huanghe-Deltas: China wächst

Vogelzug, Gelber Fluss
grenzenloses Schilfmoor
 

In der Regel dauert es einige Millionen Jahre, bis sich ein Meer in Festland verwandelt. Aber im Delta des Huanghe, des Gelben Flusses, kann man die Verwandlung des Meeres in Festland innerhalb nur weniger Monate beobachten.

Das Mündungsgebiet des Huanghe liegt im Norden der Provinz Shandong. Der Huanghe ist der schlammreichste Fluss der Welt. ,,Gelber Fluss" heißt er, weil er alljährlich eine riesige Menge von gelbem Löß aus dem Lößplateau an beiden Seiten seines Mittellaufs zu seinem Unterlauf mit sich führt und so eine gelbe Farbe annimmt. Folglich ist auch das Meerwasser an seiner Mündung gelb gefärbt.

Die Sedimentmasse, die der Huanghe-Fluss aus seinem Mittellauf zu seiner Mündung mit sich reißt, beträgt im Jahr mehr als eine Milliarde Tonnen. Durch die Ablagerung dieser Erdmassen am Meer entstehen jedes Jahr Dutzende von Quadratkilometern neuen Festlandes. Die Küstenlinie verschiebt sich jedes Jahr um ein bis zwei Kilometer in Richtung Meer. Das Huanghe-Delta hat die Gestalt eines riesigen Fächers. Unternimmt man eine Fußwanderung vom Festland zur Meeresküste, kann man den gesamten Prozess der Verwandlung des Meeres in Land verstehen: Der Boden, den man zuerst sieht, ist das älteste Schwemmland. Es ist bereits zu fruchtbarem Ackerboden geworden. Hier stehen bereits Bauernhäuser aus rotem Backstein. Überall in den Dörfern dominiert eine idyllische Landschaft. Je näher man der Küste kommt, desto jünger wird der Boden und desto geringer sind die Spuren menschlicher Erschließungsarbeit. Hier eröffnet sich dem Auge ein unermessliches Feld. Dort ist eine dünn besiedelte Zone, vollständig von Schilfgras überwuchert. Im Herbst wiegen sich gelbe Schilfrohre im Wind, und die Blüten des Schilfs wirbeln durch die Luft. Im grenzenlosen Schilfmoor gibt es zahlreiche Flussbiegungen und Teiche. Sie sind ideale Habitate verschiedener Vogelarten.

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