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Allerdings scheint in China der Stellenwert von alten Traditionen und Bräuchen höher angesiedelt zu werden. Gerade in China gibt es eine Reihe von traditionellen Festen, die sich alle nach dem ursprünglichen Mondkalender richten, der noch bis zur Ablösung durch den gregorianischen Kalender 1912 Bestand hatte.
Der wichtigste chinesische Feiertag für die ganze Familie ist das Neujahrsfest oder auch Frühlingsfest genannt, das jährlich unterschiedlich auf einen Tag zwischen dem 20. Januar und den 21. Februar fällt. Dieses Jahr z.B. begann das Fest am 14. Februar und läutete das Jahr des Tigers ein.
Das chinesische Frühlingsfest wird mit der ganzen Familie auf traditionelle Weise gefeiert. Obwohl es offiziell nur drei gesetzliche Feiertage für die Bevölkerung gibt, gehen die Feierlichkeiten 15 Tage lang bis zum Laternenfest. Neben Feuerwerk, den Drachen- und Löwentänzen und dem stundenlangen Zusammensitzen beim sogenannten Mah-Jongg, einem sehr beliebten chinesischen Spiel für vier Personen, hält man an gewissen Gebräuchen fest, wie zum Beispiel das Offenhalten von Türen und Fenstern, damit das Glück ins Haus gelangen kann. Auch lässt man nachts die Lichter brennen, um dem Glück den Weg zu leuchten. Süße Speisen dienen traditionell dem Zweck, das neue Jahr zu „versüßen". Am fünfzehnten Tag schließlich enden die Feierlichkeiten mit dem Laternenfest, bei dem klebrige Reisbällchen gegessen und Laternen in den verschiedensten Formen und Farben aufgehangen werden, so wie es schon vor mehr als 2000 Jahren der Brauch war.
Über den Plaudereien der vier im Gemeinschaftsraum der Jugendherberge über Festefeiern, Gott und die Welt ist es draußen allmählich dunkel geworden.
Der Kanadier, der vor sich ein halb getrunkenes Bier stehen hat, scheint in seinem Sessel eingenickt zu sein. Seine Freundin ist in ein Gespräch mit einem älteren Chinesen vertieft. Auch die beiden Engländer und die Chinesin sind des Gedankenaustausches noch nicht müde geworden. Hochkonzentriert und voller Anteilnahme diskutieren sie über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Länder, über politische Systeme, Religion und Gesellschaft.
Wer hätte gedacht, dass eine Jugendherberge im tiefsten China – na ja, oder halt im Norden Beijings – solch einen kulturellen Austausch ermöglichen würde? |