06-08-2010
Unterwegs in China
Unterwegs im Beihai Park
von Lina Wintzer

Südlich der Halle befindet sich in einem ebenfalls sehr zentral gelegenen kleinen Pavillon ein Weinkelch aus Jade, der den rekordverdächtigen Durchmesser von 1,50 Meter misst! Er soll dem Mongolen Kublai Khan gehört haben und legt Zeugnis ab vom Durst des Monarchen und seiner Tafelrunde.

Am südlichen Ende der hüfthohen „Mauer" der kleinen Stadt kann man einen Blick über das Gelände an den Ufern des Zhonghai werfen.

Der Rundgang durch die kleine Stadt dauert vielleicht zehn Minuten.

Über die weiß-marmorne Brücke der Ewigen Ruhe, Yong`an Qiao, geht es nun hinüber auf die sogenannte Jadeinsel, Qiongdao, die mit ihrer hoch in den Himmel ragenden Weißen Pagode das Herz des Beihai Parks bildet.

Vor allem wegen des Sees, auf dem im Sommer ganz verschiedenartig gestaltete Boote verkehren und dessen dicke Eisfläche im Winter zum Schlittschuhlaufen lädt, gilt der Park als einer der beliebtesten in ganz Beijing. Die riesigen blühenden Lotosblumen, die das Wasser um die Brücke fast vollständig bedecken, ebenso wie die Weiden, die das gesamte Ufer säumen, verleihen der Anlage im Sommer ihr besonderes Flair.

Hinter einem gewaltigen, reich verzierten Torbogen befindet sich der Aufstieg zur Kuppe des Hügels. Vorbei an einigen erhalten gebliebenen Gebäuden des ehemaligen lamaistischen Klosters erreicht man die weithin sichtbare Weiße Pagode, die etwa 40 Meter hoch ist und sich auf dem künstlichen Hügel über den See erhebt. Man erreicht diesen höchsten Punkt der Insel aber auch auf verschlungenen Seitenwegen: die Pagode kann man dann zwar nicht umwandeln, weil man durch eine Umfriedung von ihr getrennt bleibt, aber der wunderbare Ausblick über den gesamten Park lässt sich auch hier genießen.

Vor allem abends bei Sonnenuntergang, wenn die Dächer des Kaiserpalastes in rotgoldenes Licht getaucht sind, ist dies der perfekte Standort zum Fotografieren oder auch einfach nur zum staunenden Bewundern von Natur und Kultur.

Am Berghang der nördlichen Inselhälfte befinden sich neben zahlreichen Pavillons, Lustschlösschen, Galerien und Veranden auch in die Felshänge gehauene, meisterhaft vielfältig gestaltete Grotten. Am Fuße dieser Erhebung befindet sich das Fangshan- Restaurant, ein 5-Sterne-Lokal, das für seine Gerichte aus der kaiserlichen Küche der Qing-Dynastie berühmt ist.

Direkt vor dem Restaurant setzt eine Fähre den interessierten Besucher für nur 5 Yuan über den See auf die Nordseite des Parks. Von der Fähre aus kann man noch einmal den Blick über den Inselberg und die Weiße Pagode schweifen lassen, diesmal jedoch von der Wasserseite aus.

Sobald man das nördliche Ufer des Sees erreicht hat, kann man zur Linken die Fünf-Drachen-Pavillons erkennen. Dabei handelt es sich um fünf übers Wasser gebaute und durch Brücken miteinander verbundene Pavillons, die böse Geister fernhalten sollten und dem Kaisern als Angelplatz dienten. Heute werden sie vor allem von Laienmusikern oder einfach von tanzfreudigen Menschen genutzt. Unter den wunderschön verzierten Dächern der Pavillons, vor Sonne oder Regen geschützt, herrscht eine ungemein ausgelassene und fröhliche Stimmung, die sich auch auf den vorbeischlendernden Betrachter überträgt, der von der rhythmischen Musik, dem Stimmengewirr und Gelächter wie magisch angezogen wird.

Folgt man nun wieder dem Pfad, der hier direkt am Ufer des Sees entlang führt, trifft man auf die Eiserne Mauer, eine aus Vulkangestein errichtete 3,50 Meter lange und 2,00 Meter hohe Wand, die in der Zeit der mongolischen Herrschaft als Geistermauer eines Tempels gedient hat. Gleich in der Nähe befindet sich eine weitere Hauptattraktion des Beihai Parks: Die Neun-Drachen-Mauer, eine ca. 25 Meter lange, fünf Meter hohe, knapp zwei Meter dicke und mit 427 siebenfarbigen Reliefs aus glasierten Kacheln verkleidete Wand. Diese für China einzigartige, beidseitig gestaltete Drachenwand zeigt neun große, in Wolken und Wellen spielende oder kämpfende Drachen und weitere insgesamt 635 Drachen in allen Größen.

Folgt man dem Uferweg nach Norden, gelangt man schließlich zu einem kleinen Bach mit Goldfischen, der über einen kleinen Wasserfall und unter einer Brücke hindurch in den Beihai fließt. Hier kann man sich nun entscheiden, entweder den Park über das Nordtor zu verlassen oder aber den Weg nach Osten einzuschlagen und auf der von Weiden gesäumten östlichen Uferseite des Beihai - vorbei am Seidenraupenaltar - zurück zum Ausgangspunkt des Rundgangs zu schlendern.

Ein Besuch des Beihai Parks gehört zu den Dingen, die man sich in Beijing keinesfalls entgehen lassen sollte! Die Vielfalt der Natur, die schattigen ruhigen Plätzchen und die angenehme Atmosphäre laden den Besucher zum Genießen und Verweilen ein. Und selbst beim wiederholten Spaziergang über die Jadeinsel oder an den Ufern des Sees entlang wird man immer wieder auf neue, unbekannte Pfade, Bauten und Gesichter stoßen.

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