06-08-2010
Unterwegs in China
Unterwegs im Beihai Park
von Lina Wintzer

Nordwestlich der Verbotenen Stadt, ein wenig außerhalb des Tumults und umgeben von Wasser, liegt mitten in der Innenstadt Beijings der Beihai Park. Schon im 12. Jahrhundert während der Jin-Dynastie (1115-1234) war diese Anlage eine Oase der Entspannung und des Friedens. Der Jin-Kaiser Shizong soll wohl um 1179 mit der Errichtung eines Sommerpalastes und der Anlage des Gartens begonnen haben. Andere Quellen gehen von einer noch früheren Entstehung des Parks schon während der Liao-Dynastie (916-1125) aus.

Während der Jin-Dynastie wurde inmitten des Beihai, dem nördlichen Teil des Sees, die sogenannte Jadeinsel, Qiongdao, aufgeschüttet, auf der sich bis heute ein künstlich angelegter Berg befindet. Früher stand hier eine kaiserliche Villa, so residierte z.B. Kublai Khan, ein Enkel Dschingis Khans und Begründer der Yuan-Dynastie, für einige Jahre dort. Während der Yuan-Dynastie (1271-1368) wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts rund um die Insel herum die Hauptstadt Dadu errichtet, die heute die Innenstadt Beijings bildet.

Viele Sehenswürdigkeiten des heutigen Beihai Parks wie etwa der Fünf-Drachen-Pavillon, die Neun-Drachen-Wand und einige Türme und Bauten der Runden Stadt, Tuancheng, wurden erstmals während der folgenden Ming-Dynastie (1368-1644) errichtet. Unter den Qing-Kaisern entstand ab 1651 - nach einem Besuch des Fünften Dalai Lama - auf den Ruinen des alten Mondpalastes auf der Kuppe des künstlich angelegten Hügels die Weiße Pagode, die noch immer das Zentrum der Insel darstellt. Die meisten heutigen Bauten des Parks stammen jedoch erst aus der Zeit des Kaisers Qianlong (1735-1796), dessen Herrschaft als Höhepunkt der Qing-Dynastie und als eine Ära des Wohlstands und der Stabilität angesehen wird.

Seit Beginn der Jin-Dynastie bis zur Zeit der Qing-Dynastie gehörten sowohl der Nanhai, südliche See, der Zhonghai, mittlere See, als auch der Beihai zur verbotenen Stadt. Seit 1925 steht der Beihai sowie der sich an seinen Ufern erstreckende Park allerdings der Öffentlichkeit zur Verfügung und wurde für Einheimische und Touristen zu einer der beliebtesten Freizeitoasen direkt in der Innenstadt.

Das Gebiet Zhongnanhai, die Zusammenfassung der beiden unterhalb des Beihai gelegenen Seen, dient hingegen als Wohnquartier der Spitzen von Regierung und Partei. Zäune und Wachposten schützen das Areal vor unerwünschten Blicken. Das Fotografieren ist an diesem Ort nicht erlaubt, was man recht schnell mitbekommt, falls man es doch versuchen sollte.

Den Rundgang durch den Beihai Park beginnt man am besten am südlichen Eingang, der gut mit dem Bus, z.B. der Linie 101, zu erreichen ist. Der Eintritt beträgt pro Erwachsenen 20 Yuan, was für einen chinesischen Park nicht gerade wenig ist, sich aber auf jeden Fall lohnt. Hier im Süden des Parks liegt auf einer fünf Meter hohen ringförmigen Mauer, die mit Efeuranken überwuchert ist, die 4500 Quadratmeter umfassende Runde Stadt. Nach Erklimmen der Steintreppe und Betreten der kleinen Stadt durch einen Torbogen, wird der Blick des Besuchers sofort auf das Hauptgebäude in der Mitte der Stadt gelenkt. Bei diesem Gebäude handelt es sich um die Halle der Erleuchtung, Chengguangdian, in der sich eine 1,50 Meter große tibetische oder burmesische Buddhafigur befindet, die Jadebuddha genannt wird, obwohl sie nicht aus echter Jade besteht. Beim Einmarsch von Truppen der Acht Alliierten Mächte in Beijing im Gefolge des Boxeraufstandes im Jahre 1900 wurde der linke Arm der Buddhafigur beschädigt, was allerdings durch eine dunkle Armbinde sehr gut verdeckt wird, so dass es mir trotz des Wissens um diese Geschichte erst nach einiger Zeit auffiel. Häufig knien und beten vor dem Altar des Jadebuddhas die Gläubigen, um die Gunst Buddhas zu erbitten.

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