13-11-2009
Made in China
Buffett und die chinesische Schneiderin
 

Buffett gibt offen zu, dass sein Wissen über Herrenbekleidung nicht an sein Expertentum in Finanzdingen heranreicht: „Ich kann mich nicht besonders fürs Klamottenkaufen begeistern. Das interessiert mich einfach nicht. Aber das hier ist die perfekte Lösung: Ich fühle mich in diesen Anzügen einfach wohl. Und das nicht nur deshalb, weil sie mich keinen Pfennig gekostet haben."

Von der Tellerwäscherin zur Millionärin, die Geschichte der Frau Li gefällt Warren Buffett. Geboren in eine Bauernfamilie wuchs Li Guilin im Dorf Yangshufang in einer Kate mit Gänsen im Vorgarten auf. Yangshufang liegt ungefähr eine Autostunde von der Seestadt Dalian in der Provinz Liaoning entfernt. Mit achtzehn pflügte sie das Feld und schaffte rasch den Aufstieg von der Bäuerin zur Parteisekretärin ihrer 2000 Mitglieder umfassenden Produktionsbrigade.

1979 begann sie mit Dayang als Gemeinschaftsbetrieb und einem Anfangskapital von 30 000 Yuan (ca. 3000 EUR): 85 Mitarbeiter und ein paar Dutzend Nähmaschinen, die sie aus den Haushalten der Nachbarschaft zusammen getragen hat. Die Firma stellte zunächst Dinge für den Bedarf der Dörfler her: Tischdecken, Schürzen und Ärmelschoner.

„Unsere Fähigkeiten waren bescheiden, unsere Ziele aber sehr hochgesteckt", sagt Li und unterstreicht dabei ihre Worte mit der Hand in der Luft, ihre Fingernägel sind mit rosa Röschenmotiven verziert. Dann folgte die Produktion von einfachen Arbeitsjacken, allmählich wurden komplexere Gewebe hergestellt, welche die Aufmerksamkeit von Auftraggebern in Übersee erregten. 1995 schuf sie die Marke Trands als Herrenausstatter. Derzeit beschäftigt Dayang 15 000 Mitarbeiter, die 10 Millionen Anzüge im Jahr produzieren.

Warren Buffett fand gleich Gefallen an Li Guilin und ihren Anzügen. Am 27. November 2007 schrieb er ihr: „Gestern habe ich von David die beiden Anzüge erhalten. Sie sitzen perfekt und sehen phantastisch aus. Ich habe noch nie einen Anzug so gerne getragen!"

Im Mai diesen Jahr sahen sie sich wieder, Buffett hatte sie zur Aktionärsversammlung seiner Holding Berkshire Hathaway in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska eingeladen.

Buffett ließ fast die gesamte Vorstandsetage mit Anzügen von Li Guilin ausstatten. Frau Li, die kein Englisch spricht, aber stets herzlich Hände und Arme der Menschen drückt, die neben ihr stehen, erzählt, dass sie ganz überwältigt ist von dem warmen Empfang, den Buffett ihr bereitet hat. Sie beschreibt ihn als „wahren Freund".

Selbst nach 14 Jahren auf dem Markt ist Trands noch nicht besonders bekannt in China, zumindest bevor Warren Buffett zum Werbeträger geworden war. Die 11 Läden von Trands befinden sich meist außerhalb der großen Metropolen in Provinzstädten Nordchinas wie Dalian, Shenyang und Taiyuan, wo die Anzüge für chinesische Verhältnisse sehr teuer sind. Der preisgünstigste ist für rund 6000 Yuan (ca. 600 EUR) zu haben, die teuersten aus Kaschmir liegen über 20 000 Yuan (ca. 2000 EUR).

Am Eingang zur 20. Internationalen Textilmesse, Jahrestreffen der Branche in Guangzhou war das Werbevideo in Endlosschleife zu bewundern. "Ich besitze nun neun Anzüge 'Made in China'. Alle anderen habe ich ausgemustert," sagte Waren Buffett ungefähr alle drei Minuten.

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