13-11-2009
Made in China
Buffett und die chinesische Schneiderin
 

Brioni war gestern: die wahrhaft Reichen und Mächtigen tragen Trands.

Der Geheimtipp wird von der Dayang Gruppe hergestellt, ein Textilbetrieb, der von Li Guilin, einer 63-jährigen unscheinbaren Ex-Bäuerin aus Chinas Nordosten geleitet wird, die es zur Modezarin gebracht hat. Aufwärts ging es mit Lis Firma nachdem Warren Buffett, Investment-Genie und Börsenguru, in einem Werbevideo auf der Homepage von Dayang auftauchte und das Loblied Lis und der neun Anzüge aus ihrem Zwirn sang, die sich in seinem Besitz befinden. Seitdem das Video am 10. September auf der Website veröffentlicht wurde, ist der Aktienwert des an der Shanghaier Börse notierten Unternehmens um 70 Prozent gestiegen.

Obwohl Buffett nicht gerade als Modegeck bekannt ist, legt er Wert auf die Feststellung, dass seine Trands-Anzüge sein Image gewandelt haben: „Sie sind bequem und man sagt mir, dass sie gut aussehen. Ich musste erst 78 Jahre alt werden, bis ich ein Kompliment für mein Aussehen bekam!"

Waren Buffett, der keine Anteile am Modehaus hält, ist vor allem davon begeistert, dass die Anzüge keine Falten schlagen: „Auch wenn ich auf Geschäftsreise bin und sie dabei tagein, tagaus trage, bleiben sie vollkommen knitterfrei." Seine alten Anzügen sind längst in der Altkleidersammlung gelandet.

Das Video kam auf Wunsch von Madame Li zustande, damit soll der 30. Geburtstag ihrer Firma gefeiert werden. Buffett bekennt darin, dass er die Marke seinem Firmenpartner Charlie Munger und seinem Milliardärsfreund und Microsoft-Gründer Bill Gates empfohlen hat.

Mit einem weiteren berühmten Kunden kann Dayang keine offene Werbung betreiben: Chinas Staatspräsident Hu Jintao. Der Pressesprecher der Firma, Zhi Yong, sagt, dass Hu Jintao seit Ende 2005 Trands-Anzüge trägt, auf die er in einem der Beijinger Läden des Herstellers gestoßen war. In der offiziellen Firmengeschichte ist ein Foto abgebildet, das Hu Jintao in einem Trands-Anzug zeigt.

Die auf den ersten Blick unwahrscheinliche Freundschaft zwischen Madame Li und Mister Buffett hat sich zufällig entwickelt, oder, wie Li Guilin lieber sagt, die Freundschaft beruhe auf „yuanfen", jener chinesischen Vorstellung von vorherbestimmter Sympathie zwischen Personen, die sich nie zuvor begegnet sind. „Wir haben gleich das herzlichste Einvernehmen zwischen uns festgestellt", bekennt Li, eine untersetzte Frau mit Naturlocken, die gerne schwarz trägt, eine Perlenkette anlegt und eine Brille mit bernsteinfarbenen Gläsern aufsetzt.

Vor zwei Jahren kam Buffett nach Dalian, zur Eröffnung eines neuen Werks der Iscar Metalworking Cos., die er jüngst erworben hatte. Der Verkaufschef von Dayang, David Margalit, hat einen Freund, der als Manager bei Iscar arbeitet. Die Gelegenheit war also günstig: Margalit schlug vor, dass Waren Buffett bei seinem Aufenthalt in Dalian Maß nehmen sollte für einen Trands-Anzug.

„Fünf Minuten nachdem ich mein Hotelzimmer bezogen hatte, stürmten diese Burschen herein und fummelten mit ihrem Maßband an meinen Hüften herum. Ich fand das ein bisschen aufdringlich", erzählt Warren Buffett. „Aber sie waren von Trends geschickt und haben perfekte Arbeit geleistet: die Anzüge sitzen wie angegossen und ich habe keinen Millimeter an ihnen ändern müssen."

1   2   >