Der Weg vom Mißerfolg zum Erfolg, den die Stadt Hongjiang, Hunan in Zentralchina, bei der Entwicklung ihrer Wirtschaft gegangen ist, ist ein gutes Beispiel dafür, welchen Nutzen es hat, wenn bei Wirtschaftsplanung und -aufbau von den Realitäten ausgegangen wird.
Hongjiang ist eine kleine Bergstadt, die eine Fläche von 95 qkm einnimmt und 67 000 Einwohner zählt.
Anfang der 70er Jahre begann die Stadtverwaltung in völliger Fehleinschätzung der Gegebenheiten damit, die Schwerindustrie überproportional stark zu entwickeln. So wurde z.B. in großem Umfang Eisen geschmiedet. Es gibt in der Umgebung Hongjiangs jedoch nur eisenarmes, stark schwefelhaltiges Erz, das zudem tief im Boden liegt und dessen Gewinnung viel Arbeitsaufwand kostet. Das Eisenschmieden war so mit hohen Selbstkosten verbunden und die Qualität des Eisens war schlecht. Als nächstes sollten die Maschinenbaufabriken der Stadt Automobile herstellen. Die zwei produzierten Wagen waren jedoch qualitativ derartig schlecht, daß sie bereits nach kurzer Zeit nicht mehr fahrbereit waren. Weitere Versuche, wie z. B. die Produktion von Einkristall-Silizium, schlugen ebenfalls fehl.
1975 wurden unter der Leitung des neuen Sekretärs des Stadtparteikomitees die gemachten Erfahrungen zusammengefaßt. Nach einer Bestandsaufnahme der vorhandenen lokalen Naturressourcen wurde die Orientierung der Entwicklung der Industrie geändert und ein Plan ausgearbeitet, der das Schwergewicht auf die Leicht- und Textilindustrie sowie das Handwerk legte. Danach entwickelte sich die lokale Wirtschaft sehr schnell. Die Berge und Flußufer Hongjiangs sind reich an weißen und feinen Porzellanerden. Die Produkte der neuen Porzellanfabrik sind wegen ihrer Feinheit auf dem Weltmarkt sehr gefragt. Aus dem reichlich vorhandenen Bambus, Reis- und anderem Stroh werden jetzt in der Stadt jährlich 3000 t hochwertiges Papier hergestellt. Die Seidenfabriken stellen nur mit einheimischen Kokons im Jahr 400 000 m Seidenstoffe her. Es gibt darüber hinaus Fabriken für Holz- und Bambusartikel und Lack- und Harzfabriken, die ihre Rohstoffe, Bambus, Holz etc., aus den Bergen der Umgebung beziehen.
Dank der vorgenommenen Investition stieg die Zahl der stadteigenen Unternehmen bald auf 122. 1979 führte die Stadt pro 100 Yuan Produktionswert 26,6 Yuan Gewinn oder Steuern an den Staat ab. Damit stand sie an der Spitze der anderen mittelgroßen und kleinen Städte der Provinz.
Die ,,Renmin Ribao" kommentierte diese Entwicklung damit, daß China, unter dem Einfluß der ,,linken" Ideologie, lange Zeit einen großen Fehler bei der wirtschaftlichen Arbeit begangen hätte, nämlich die subjektive Rolle der Menschen überbetont, nur von den Bedürfnissen gesprochen, die Möglichkeiten aber nicht in Betracht gezogen und blind nur nach hohen Ziffern und hoher Geschwindigkeit gejagt zu haben. Die Praxis habe bewiesen: ,,Übereile führt nicht zum Ziel".
,,Das Tempo, mit dem wir den Aufbau vornehmen, muß gleichmäßig und andauernd sein."
,,Das ZK hat die Richtlinie, ,Regulierung, Umgestaltung, Konsolidierung und Niveauhebung' gerade daraus abgeleitet, daß der Rahmen unseres Investbaus in finanzieller, materieller sowie technischer Hinsicht die Möglichkeiten überschritten hatte."
Die folgenden Gesichtspunkte über einige wichtige Probleme im gegenwärtigen Aufbau wurden in einigen Leitartikeln dargelegt:
— Jahrelange Erfahrungen haben bewiesen, daß es günstig ist, wenn die Akkumulationsrate der Volkswirtschaft bei 25% liegt und die Hälfte davon für den Investbau verwandt wird.
— Gegenwärtig muß der Investbau weiter reduziert werden, damit die Kräfte konzentriert werden können und die schnelle Inbetriebnahme einiger dringend notwendiger Projekte gesichert werden kann.
— Beim wirtschaftlichen Aufbau sollen die Investitionen des Staates in der Reihenfolge Landwirtschaft, Leicht- und Schwerindustrie eingesetzt werden. Die Versorgung mit Brennstoffen, Energie, Rohstoffen und Transportmitteln, die für die Entwicklung der Leichtund Textilindustrie notwendig sind, soll vorrangig gesichert werden.
— Die Ausgeglichenheit der jährlichen Einnahmen und Ausgaben mit einem kleinen Überschuß für das laufende Jahr muß gewährleistet sein.
— Bei der Planung müssen alle Ziffern der Wirklichkeit entsprechen und auch erfüllbar sein. Die Lieferung der für die Planung notwendigen Geldmittel, Rohstoffe, Anlagen und Lebensmittel muß gesichert werden. (Quelle: Beijing Rundschau, Nr. 26, 7. Juli, 1980)