29-07-2010
China Reportage
Presseschau: Südkoreanisch-amerikanisches Flottenmanöver

Das viertägige gemeinsame Seemanöver zwischen Südkorea und den USA unter dem Codenamen „Invincible Spirit" hat am 25. Juli im Japanischen Meer begonnen. Über 8000 Soldaten aus dem Heer, der Luftwaffe und der Marine beider Länder nehmen daran teil.

Das Manöver hat die Aufmerksamkeit von Medien in Hongkong, Taiwan, sowie von chinesischsprachigen Zeitungen und Online-Magazinen im Ausland erregt.

Die Hongkonger „Wenhui Bao" berichtet am 26. Juli, dass das Manöver vielerorts Sorge um die Sicherheitslage in Ostasien ausgelöst habe. Der namhafte Militärexperte und stellvertretende Generalsekretär des Forschungszentrum für Weltpolitik bei der Akademie für Sozialwissenschaften, Hong Yuan, hält das Manöver nicht für geeignet, Stabilität und Harmonie in der Region zu erhöhen. Er sagt, in der Ära atomarer Bewaffnung und ballistischer Raketen müssten alle Staaten das Bewusstsein strategischer Grenzen kultivieren. Es sollten Gebiete als Pufferzonen zwischen starken Staaten ausgewiesen werden, und diese Gebiete sollten von allen Seiten respektiert werden. 

„Wenhui Bao" hat auch einen Leitartikel unter der Überschrift „Seemanöver zwischen Südkorea und den USA bedroht den Frieden in Nordostasien" veröffentlicht. Darin wird die Meinung vertreten, dass das Manöver den vom Cheonan-Zwischenfall ausgelösten Konflikt nicht beseitigen könne, sondern zu einer Verschärfung der Lage beitrage. Das Manöver stelle die Beziehungen zwischen China und den USA vor große Herausforderungen. Die USA sollten Spannungen nicht verschärfen, die Stabilität der Region bewahren und eine Belastung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen vermeiden.

 „Takungpao" berichtet vom Manöver unter dem Titel „Südkorea und die USA stellen ihre militärische Stärke im Japanischen Meer zur Schau". Sowohl das Manöver als auch das Treffen zwischen den Außen- und Verteidigungsministern von Südkorea und den USA sei ein Intermezzo im großen Spiel der Rückkehr der US-Präsenz in Asien. Welches Ziel diese Strategie der USA verfolgt, sei jedem Staat in der Region bewusst. Aber die Zeiten hätten sich geändert, man wolle Frieden und Harmonie, Manöver und militärische Drohgebärden führten nur zu Unruhe und Besorgnis.  

„Mingpao" berichtet am 25. Juli, dass zwar laut einer offiziellen Erklärung der Vereinigten Staaten das Manöver der Wahrung des Friedens im nördlichen Ostasien diene, tatsächlich aber gehe es um die Verschlechterung der Ausgangslage für die USA in der Region durch den Aufstieg Festlandchinas. Es wird darüber spekuliert, dass das Manöver nicht nur der Abschreckung Nordkoreas diene, sondern zugleich Südkorea und Japan bedeutet werden solle, dass sie auch in Zukunft noch vom amerikanischen Schutzschild abhängig sein werden. Dies soll die Führungsrolle der USA in Nordostasien festigen. Zudem soll die Schmerzgrenze Chinas ausgetestet werden. Im letzten Monat habe China fünf Mal gegen die Abhaltung des Manövers protestiert. Der Leitartikel vertritt die Meinung, dass die USA damit begännen, ihre kompromisslose Haltung in der Region zu zeigen. Andererseits wird auch betont, dass China angesichts der Kontroverse um Gebietsansprüche im Ostchinesischen Meer derzeit Zurückhaltung üben sollte. Ein friedfertiges China kann leichter Freunde gewinnen als ein arrogantes China, sonst wächst in anderen Ländern die Furcht vor der chinesischen Herausforderung. Dies diene zudem der Wirtschaftsentwicklung und dem Wohlstand der Bevölkerung.

Die Zeitung „Lianhe Bao" (udn.com) schreibt am 25. Juli, dass Festlandchina bereits etwa erreicht hat, indem der US-Flugzeugträger „George Washington" nicht ins Gelbe Meer verlegt wird. Das Blatt zitiert Yang Yongming, Professor an der "National Taiwan University", der davon ausgeht, dass dies auch in Zukunft – vom Kriegsfall abgesehen – so bleiben wird. China Mitspracherecht in regionalen Angelegenheit sei unvergleichlich größer als früher. Das Gleichgewicht zwischen amerikanischen und chinesischen Interesse in der Region werden gegenwärtig neu austariert.   

Am 26. Juli veröffentlicht das gleiche Medium Zweifel daran, ob das Manöver tauglich sein, Nordkorea abzuschrecken und den Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu wahren. Das strategische Ziel des Manövers wird als unklar apostrophiert.   

„Zhongguo Shibao" (Chinatimes.com) veröffentlicht ebenfalls am 26. Juli den Leitartikel „Manöver Südkoreas und der USA sorgen für Nervosität in Nordostasien". Der Artikel sieht tiefer liegende Ursachen für das Manöver, das nicht ohne Auswirkungen auf die Sicherheitslage in der Region bleiben werde. Erstens habe der Cheonan-Zwischenfall die Region in den Kalten Krieg zurückversetzt. Zweitens wollten die USA durch die Weckung von „Krisenbewusstsein" ihre führende Rolle in der Sicherheitsarchitektur Ostasiens zurückgewinnen. Drittens kann China die führende Rolle der USA in der Region nicht länger akzeptieren.

Die auf Chinesisch in den USA und Südostasien herausgegebene Online-Zeitschrift Shijie Ribao hofft in einem Leitartikel, dass die südkoreanisch-amerikanischen Manöver keine neuen Konflikte heraufbeschwören und nicht die Entwicklung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen behindern mögen.