| China ist entschlossen, die Reform des Wechselkurssystems voranzutreiben und die Preisbildung des Yuan zu verbessern.

Mehr Flexibilität: Chinas Zentralbank weitet den Rahmen der Schwankung des Yuan gegenüber dem Dollar.
Bei der 111. Kanton Messe, die am 15. April in der südostchinesischen Provinz Guangdong anlief, standen nicht allein die Treffen mit möglichen ausländischen Kunden im Fokus der Aussteller. Ein Gesprächsthema auf Chinas größter Exportmesse war auch die neueste Entwicklung auf dem Gebiet der Wechselkursbindung zwischen Yuan und Dollar.
Am 16. April weitete Chinas Zentralbank den Rahmen, in dem der Yuan gegenüber dem Dollar schwanken darf, um 0,5 Prozentpunkte auf 1 Prozent aus.
„In Zukunft müssen wir uns darauf einstellen, dass der Yuan größeren Schwankungen unterworfen sein wird", sagt Gao Yuanjia, Geschäftsführer des Klimaanlagenherstellers und -exporteurs Chunlan aus der ostchinesischen Provinz Jiangsu.
Auf dem Spotmarkt für Fremdwährungen können chinesische Banken nun den Yuan ein Prozent über oder unter dem zentralen Leitkurs gegen Dollar eintauschen. Zuvor lag die zulässige Abweichung vom Leitkurs, der täglich vom chinesischen Devisenhandelssystem ausgegeben wird, bei 0,5 Prozent.
Zum ersten Mal seit 2007 lockert China damit die Wechselkursbindung gegenüber dem Dollar.
Die Zentralbank erklärte dazu, durch die Anpassung an die Nachfrage auf dem Weltmarkt, trage die Lockerung dazu bei, den Devisenhandel zu fördern, auf Schwankungen nach oben und unten flexibler reagieren zu können und die derzeitige marktbasierte Wechselkurspolitik zu verbessern.
Letztere macht den Wert der Währung an einem Korb anderer Währungen fest und soll so Kursschwankungen ausgleichen.
„Ein flexiblerer Yuan wird dazu beitragen, Angebot und Nachfrage auf dem Markt besser bedienen zu können und den Wert des Yuan ausgeglichener zu gestalten. Das wiederum begünstigt die Reform des Wechselkurssystems", meint Ding Zhijie, Dekan der Fakultät für Bankwesen und Finanzen an der University of International Business and Economics.
Dass die Wechselkursbindung nun gelockert wird und somit die Phase einer einseitigen Aufwertung des Yuans beendet ist, wird als symbolischer Schritt der Zentralbank interpretiert.
Der Schritt zeigt zudem Chinas Versuch, die Reform hin zu einem marktbasiertem Wechselkurssystem zu beschleunigen. Er bedeutet aber auch größere Handelsrisiken für Exporteure und Banken.
Der richtige Zeitpunkt
„Der Schritt der Zentralbank wurde schon seit langer Zeit sehnsüchtig erwartet", sagt Lu Zhengwei, Chefvolkswirt der Industrial Bank in der südostchinesischen Provinz Fujian.
Schon in den sieben Jahren seit der Wechselkursreform im Jahr 2005 hat China die Internationalisierung des Yuan konsequent vorangetrieben.
So hat die Regierung nach und nach den Einsatz des Yuan im grenzüberschreitenden Handel und bei Direktinvestitionen im Ausland erlaubt und ein Pilotprogramm gestartet, welches lizenzierten ausländischen Investoren erlaubt, mit chinesischen Devisen zu handeln.
Der Kurs des Yuan gegenüber dem Dollar stieg seit 2005 um 30 Prozent.
Der Schritt der Zentralbank erfolgt nun zu einem Zeitpunkt, da Chinas sinkender Handelsüberschuss auch die Erwartungen an eine Aufwertung des Yuan dämpft, so die Einschätzung Lian Pings, Chefvolkswirt der Bank of Communications.
Das Land fuhr im Februar ein Handelsdefizit von 31,48 Milliarden Dollar (23,9 Milliarden Euro) ein, das größte Defizit in einem Monat seit einem Jahrzehnt, was den Handelsüberschuss für das gesamte erste Quartal schmälerte - auf 670 Millionen Dollar (509 Millionen Euro) im Vergleich zu 2,22 Milliarden (1,69 Milliarden) im Vorjahreszeitraum.
Jetzt sei ein guter Zeitpunkt für eine Lockerung der Wechselkursbindung, meint Wang Tao, Leiter des Wirtschaftsforschungszentrums von UBS Securities.
Da Chinas Leistungsbilanzüberschuss weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht und keine Anzeichen darauf schließen ließe, dass er ansteigen könnte, sollte der Wert des Yuan gegenüber dem US-Dollar nicht mehr als grundlegend unterbewertet eingeschätzt werden, so Wang.
In der Zwischenzeit entwickelt sich Chinas Devisenmarkt rasant. Die Handelsunternehmen seien inzwischen in der Lage, ihre Preise unabhängiger festzusetzen und ihre Risiken zu kontrollieren, so die Einschätzung der Zentralbank.
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