|

Bis zum Ende des dritten Quartals 2011 sind in China insgesamt 2,8 Milliarden Bankkarten ausgegeben worden. (Foto: Xinhua, Shanghai am 24.11.2011)
Problemstau
Die Probleme im chinesischen Bankwesen treten gegenwärtig deutlich zutage. Die hohe Verschuldung der Regierungen auf lokaler Ebene hat die Zentralregierung in Alarmstimmung versetzt. Den Regulierungsbehörden wird allmählich bewusst, dass das Bankensystem nicht den langfristigen Interessen der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft entspricht, wenn es bei der Kreditvergabe weiterhin staatseigene Unternehmen bevorzugt, und dabei die Interessen der Privatwirtschaft vernachlässigt.
Zhao Xijun meint, dass in dieser Hinsicht dringend Reformen geboten seien. Reformansätze aber stießen auf Widerstand der Nutznießer, die nicht nur hohe Kredite zu günstigen Konditionen erhielten, sondern als große staatseigene Unternehmen kräftige Kapitalrücklagen bilden könnten. Die Reformbemühungen im Bankwesen werden aber auch durch Kompetenzgerangel unter den verschiedenen Aufsichtsbehörden behindert.
Die Qualität der Finanzdienstleistungen lässt noch viel zu wünschen übrig: Einerseits ist der Verwaltungsapparat der Banken aufgebläht, andererseits ist das Filialnetz gerade in ländlichen Gebieten vollkommen unterentwickelt. Eine angemessene Evaluierung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit von Kreditnehmern scheitert oft an mangelnder Kompetenz der Angestellten in den Kreditabteilungen der Banken. Auf der Ebene der staatlichen Verwaltung muss die Fähigkeit zur effizienten Kontrolle und Beaufsichtigung der Banken deutlich erhöht werden. Zudem ist die Wirtschaftspolitik nicht eng genug mit der Praxis der Kreditvergabe verzahnt, was eine effektive und zeitnahe Förderung der Realwirtschaft stark behindert. Die hier skizzierten Problemfelder sollen bis zur nächsten Nationalen Finanzarbeitskonferenz beseitigt werden.
Kerndaten zu Chinas Finanzwirtschaft
Ende 2011 betrug das gesamte Einlagevermögen von Chinas Finanzsektor 119 Billionen Yuan, was einen Anstieg um satte 149 Prozent gegenüber Ende 2006 bedeutet. Ende September 2011 lag der Mindestreservesatz der Geschäftsbanken bei 12,3 Prozent und damit um fünf Prozentpunkte über dem Mindestreservesatz von Ende 2006. Der Anteil fauler Kredite wurde Ende September 2011 mit 0,9 Prozent beziffert, was einer Abnahme um 6,2 Prozent gegenüber Ende 2006 entspräche.
Zielvorgaben für Chinas Finanzwirtschaft im Jahr 2012
Die Durchführung einer besonnenen und sicheren Geldpolitik unter dem Gesichtspunkt eines angemessenen Wachstums der Geldmenge.
Optimierung der Kreditstruktur insbesondere in Hinblick auf eine Intensivierung des Baus von Wohnungen für sozial Bedürftigte und Durchschnittsverdiener. Bei der Kreditgewährung sollen Mikrounternehmen und Unternehmen in Zukunftsbranchen bevorzugt werden.
Marktorientierte Reform der Richtlinien für den Börsengang von Unternehmen. Verbesserung des Emissionssystems bei jungen Aktien. Reform des Regelwerks für die Ausschüttung von Dividenden und den Börsenabgang (Delisting) von Unternehmen. Verstärkung der Börsenaufsicht. Förderung einer gesunden Entwicklung der A- und B-Aktienmärkte mit dem Ziel, das Vertrauen der Anleger in den Aktienmarkt zu festigen.
Unter Beobachtung der wirtschaftlichen Lage im In- und Ausland Finanzkrisen zu verhüten und gegebenenfalls geeignete wirtschafts- bzw. fiskalpolitische Maßnahmen einzuleiten.
|