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Ge prognostiziert enorme Zuwächse auf dem noch jungen Markt für Vintage-Schnaps. Je mehr Chinesen ihre Schnapssammelleidenschaft entdecken, desto größer wird die Nachfrage nach kostbaren flaschengereiften Spirituosen.
Nicht nur der gelagerte Schnaps ist aufgewertet, sondern auch der Preis für Schnaps frisch aus der Destille ist gestiegen.
Am 1. Januar 2011 hob Moutai den Großhandelspreis für seinen Schnaps um 20 Prozent an. Eine Flasche 53-prozentigen Moutais geht jetzt anstatt für 499 Yuan (55,30 EUR) für stolze 619 Yuan (68,60 EUR) an die Großhändler. Der Hersteller empfiehlt einen Endverkaufspreis von maximal 959 Yuan (106,30 EUR) pro Flasche, aber Moutai mit einem Alkoholgehalt von 53 Prozent wird bereits zum Preis von bis zu 1800 Yuan (ca. 200 EUR) gehandelt.
Durch den stetig steigenden Schnapspreis inspiriert, betrachten immer mehr Leute Spirituosen als solide Wertanlage.
„Mit Immobilien zu spekulieren ist nicht profitabler als die Spekulation in Moutai." „Geldanlage in Schnaps ist besser als in Gold." – So lauten die Parolen auf dem aktuellen Kapitalmarkt. Einige Schnapshändler spekulieren bereits darauf, ihre Hochpreisprodukte einzulagern und in fünf bis zehn Jahren zum doppelten oder dreifachen Preis loszuschlagen.
Peng Jian, Anlageberater der China Construction Bank, warnt allerdings davor, sich blindlings mit Schnaps einzudecken. Er meint, dass Alkohol in erster Linie ein Konsumgut ist. Eine Schnapssammlung als Wertanlage sei nach wie vor eine unrealistische Option. Die meisten Pfandleihhäuser hätten noch keine Schnapsabteilung, das heißt, ein handelbarer Wertgegenstand ist die Flasche Schnaps noch nicht geworden. Nur in Hinterhofläden kann man Schnaps von Privat verhökern – allerdings deutlich unter dem Marktpreis.
Zwar haben einige Spirituosen erstaunliche Preise auf Auktionen erzielt, aber diese Spezialitäten kommen gar nicht erst in den Handel. Auch fehlt es in China noch an einer unabhängigen Bewertungsstelle für Qualität und Echtheit von Spirituosen.
Marktperspektiven
Der Bericht des CIConsulting Industrial Research Center vom November 2010 über die Aussichten für den chinesischen Schnapsmarkt für die Jahre 2010 bis 2015, geht davon aus, dass bis Ende 2015 der Umsatz bei chinesischen Spirituosen 868,84 Milliarden Yuan (96,3 Mrd. EUR) betragen wird. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Umsatzerlöse der Hersteller wird sich auf 27,7 Prozent belaufen und die durchschnittlichen jährlichen Gewinne werden um 34,2 Prozent wachsen.
Besonders wachstumsstark werden die börsennotierten Hersteller von Spirituosen sein. Derzeit sind es 15 Produzenten, die als Aktiengesellschaften zu mehr als 90 Prozent des gesamten Schnapsumsatzes beitragen. Auf dem A-Aktien-Markt stellen sie die höchstdotierten Werte. Bis zum 18. Januar 2011 führten die Aktien der Jiangsu Yanghe Brewery Joint Stock Co. Ltd. den A-Aktien-Markt an. Ihr Kurs: 212,33 Yuan (23,64 EUR). Den zweiten Rang nahmen die Papiere der China Kweichow Moutai Distillery Co. Ltd. mit 182,56 Yuan (20,23 EUR) ein.
Allerdings sehen sich Chinas Spirituosenhersteller einer immer schärferen Konkurrenz durch Wein ausgesetzt. Xu Biao, Analyst der CITIC Securities Co. Ltd., führt den steigenden Weinkonsum auf höhere Einkommen einer wachsenden Mittelsschicht zurück. Dies habe zu einem veränderten Konsumverhalten geführt. Bei der Wahl zwischen Schnaps oder Wein spielt nicht nur der Geschmack, sondern auch Markenbewusstsein, Qualitätsansprüche und der Service eine wichtige Rolle. Gegenwärtig genießt Weinkonsum ein höheres Prestige als Schnapstrinkerei.
Es lässt sich also kaum vorhersagen, ob der Markt für Spirituosen in China weiterhin wächst oder schon in naher Zukunft empfindliche Einbußen hinnehmen muss.
Hintergrund
Vier berühmte chinesische Spirituosen
Auf der ersten nationalen Konferenz für die Bewertung von Spirituosen im Jahr 1952 wurden vier Schnapsmarken zu Spirituosen von nationaler Bedeutung erklärt: Moutai, Fenjiu, Luzhou Laojiao und Xifeng.
Moutai wird in einer Stadt namens Maotai in der Provinz Guizhou im Westen Chinas bereits seit rund 2000 Jahren hergestellt.
Fenjiu kommt aus der Gemeinde Xinghuacun im Bezirk Fenyang in der nordchinesischen Provinz Shanxi. Seit rund 1500 Jahren werden in der Gegend Schnäpse gebrannt. Archäologische Funde weisen auf die Bereitung von alkoholischen Getränken bereits um 4000 v.Chr. hin. Die Region im Nordwesten Chinas ist daher neben Ägypten und Mesopotamien einer der ältesten nachgewiesenen Orte der Alkoholherstellung.
Luzhou Laojiao wird in Luzhou in der Provinz Sichuan bereits seit der Ming-Zeit (1368-1644) hergestellt. Die so genannten „Weinkeller von 1573" in Luzhou weisen auf eine kontinuierliche Geschichte der Wein- und Schnapsproduktion in der Region hin. 2006 wurde der Luzhou Laojiao in die „Nationale Liste des Kulturerbes" aufgenommen.
Xifeng wird in Liulin im Bezirk Fengxiang in der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi hergestellt. Die traditionsreiche Destille steht unter Denkmalschutz auf nationaler Ebene.
Alle vier Schnapssorten waren bereits auf der 1915 in San Francisco veranstalteten Weltausstellung Panama Pacific International Exposition (PPIE) ausgezeichnet worden und somit erstmals international hervorgetreten.
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