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Ein Kunde vor dem Schnapsregal in einem Supermarkt in Qingdao, Provinz Shandong. Frühlingsfest ist Hochsaison für Schnapshersteller.
In diesem Jahr fällt das traditionelle Frühlingsfest auf den 3. Februar. Jedes Jahr zum Frühlingsfest reisen die Chinesen zu ihren Familien und verbringen die Feiertage mit Besuchen bei der Verwandtschaft. Beim geselligen Zusammensein ist es unvermeidlich, Alkohol zu trinken. Es entspricht dabei der Tradition, dass die Jüngeren der älteren Generation zwei Flaschen Schnaps mitbringen. Deswegen ist das Frühlingsfest für Schnapshersteller die Hochsaison des Jahres.
Li Mei, Verkäuferin im Shuntianfu-Supermarkt, sagt, dass der Schnapsumsatz in ihrer Filiale viel höher ist als zur gleichen Zeit des Vorjahres: „Dabei sind dieses Jahr vor dem Frühlingsfest die Schnapspreise kräftig angestiegen. Der Umsatz bei Schnaps ist trotzdem größer geworden. Mir fällt auf, dass weder die hohen Preise noch die Finanzkrise Einfluss auf die Nachfrage genommen haben."
In China gibt es mehr als 8800 Unternehmen, die vom Staat eine Lizenz zur Herstellung von Schnaps erhalten haben. Darunter sind nicht nur staatseigene, sondern auch private Unternehmen und Joint-Ventures. Sie stellen Tausende von Schnapsmarken her. Der billigste Schnaps kostet in China nur ein paar Yuan, während der Preis für die teuersten mehrere Tausend Yuan beträgt. Je nach Geschmack und Kaufkraft hat man immer große Auswahl.
Laut Statistiken des Verbandes chinesischer Spirituosenhersteller wurden im ersten Halbjahr 2010 in China ungefähr 40 Millionen Hektoliter Schnaps produziert, was im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres einem Wachstum von 23,1 Prozent entspricht. Der Gesamtwert des Umsatzes stieg auf ca. 120 Milliarden Yuan (13,3 Mrd. EUR), eine Steigerung um rund 40 Prozent, während sich der Gewinn auf ca. 18 Milliarden Yuan (1,9 Mrd. EUR) belief, was einem Wachstum von rund 45 Prozent entspricht. Obwohl die Statistiken über Produktionsmenge, Umsatz und Gewinne im zweiten Halbjahr 2010 noch nicht veröffentlicht wurden, kann man aus der monatlichen Absatzmenge ersehen, dass mit einer weiteren Steigerung zu rechnen ist.
Schnaps als Luxusgut und Geschenkartikel
Eine Flasche Moutai-Schnaps mit einem Alkoholgehalt von 53 Prozent kostet heute ungefähr 1800 Yuan (ca. 200 EUR). Dieser Preis liegt deutlich über dem Monatseinkommen vieler Chinesen. Trotzdem ist Moutai-Schnaps sehr beliebt. In vielen Supermärkten in Beijing ist dieser Schnaps oft ausverkauft.
Neben Moutai gibt es noch mehr als zwanzig weitere Schnapsmarken, deren Preis 500 Yuan (55,40 EUR) pro Flasche übersteigt. Absatzprobleme kennt keine von ihnen.
Nach Angaben des Verbandes chinesischer Spirituosenhersteller werden 70 Prozent der teueren Schnäpse als Geschenke zwischen Geschäftspartnern oder im Verkehr mit Behörden verwendet. Nur 19 Prozent gehen in den privaten Konsum. Und 11 Prozent werden bei Festessen im Rahmen von Familientreffen, geselligen Zusammenkünften von Freunden und Hochzeiten getrunken.
Zhong Dajun, Leiter des Zentrum für Wirtschaftbeobachtung und –analyse, meint, dass die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft den Konsum kräftig hat ansteigen lassen. Konsumenten teilen sich je nach Kaufkraft in unterschiedliche Schichten. Teurer Schnaps hat längst einen eigenen Markt erobert und wird sich als Luxusgut der Zukunft erweisen.
Auf dem gegenwärtigen chinesischen Markt stammen die meisten Luxusgüter aus Übersee. Zhu Mingxia, Leiter des Cheungkei Research Center for Luxury Goods and Services, meint, dass von allen heimischen Produkten Schnaps die besten Aussichten habe, zum Luxusartikel aufzusteigen. Bei Designermode und Kosmetika können chinesische Anbieter nicht mithalten, für Automobile, Jachten und Uhren fehlt der technische Hintergrund. Zhu setzt ganz auf Spirituosen: „Da sich Schnaps in China einer tausendjährigen Geschichte und Kultur erfreut, ist es realistisch, dass dies ein nachgefragtes Luxusgut werden kann." Er denkt dabei vor allem an die Schnapssorten Maotai (Markenname Moutai) und Wuliangye, denn deren Hersteller verfügen über lange Tradition und Erfahrung und ein hohes Qualitätsbewusstsein. Mit ihren Produkten wird Status und Prestige verbunden.
Investition in Schnaps

Die wertvolle Flasche Moutai-Schnaps am 9. Dezember 2010 vor der von China Guardian Auctions Co. Ltd. veranstalteten Versteigerung.
Am 5. September 2010 wurde auf einer Auktion in China eine 4750-ml-Flasche Schnaps der Fenjiu-Gruppe mit einem Ausgangsgebot von 95 000 Yuan zur Versteigerung gebracht. Für 2 090 000 Yuan (231 635 EUR) wechselte die Flasche schließlich den Besitzer. Am 13. Dezember 2010 wurde eine Flasche Moutai-Schnaps aus dem Jahr 1958 zum Preis von rund 1,5 Millionen Yuan (166 245 EUR) ersteigert, im Jahr der Abfüllung hatte sie nur 4,20 Yuan (0,47 EUR) gekostet. Auf einer Auktion am 19. Dezember 2010 wurde eine Flasche 9,9999 Liter Wuliangye Schnaps für 5 090 000 Yuan (564 126 EUR) erworben.
Das sind natürlich Einzelfälle, aber der Markttrend ist deutlich: Lange Lagerzeiten vervielfachen den Wert einer Flasche Schnaps.
Ge Hua, Vizevorsitzende des Internationalen Instituts für Schnapskultur, spricht von einer deutlichen Wertsteigerung auch bei weniger namhaften Schnapssorten.
Wenn man eine Flasche Fenjiu-Schnaps, die vor zwei oder drei Jahrzehnten nur drei Yuan kostete, nicht törichterweise getrunken, sondern zurückgelegt hätte, könnte man sie heute auf einer Auktion zu Preisen von bis zu 10 000 Yuan (1108 EUR) veräußern.
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