04-01-2011
Wirtschaft
China soll den Euro stützen
 

Wenn China den Euro stützt, kann es den Wertverlust der eigenen Investitionen in der Eurozone vermeiden, die Wahrscheinlichkeit einer weiteren quantitativen Lockerung der Geldpolitik verringern und die Inflationstendenz des Renminbi dämpfen.

 

Ende 2010 fällt es den Ländern der Eurozone noch schwerer, einen Weg aus der Krise zu finden.

Bereits Mitte Dezember hat die Ratingagentur Fitch die Republik Irland von 0„A+" auf „BBB+" herabgestuft. Moody´s zog nach und bewertet Irland nun „Baa1" anstatt „Aa2". Begründet wird dies mit den negativen Prognosen für die irische Wirtschaft und dem maroden Finanzsektor des Landes. Die Schuldenkrise vieler Staaten der Eurozone berührt auch chinesische Interessen. China sollte auf keinen Fall desinteressiert wegblicken, sondern im Gegenteil die Ursachen der Krise gründlich analysieren und die richtigen Folgerungen daraus ziehen.

Irland ist wenige Monate nach Griechenland das zweite Euroland, das internationale Finanzhilfen in Anspruch nehmen muss, was symbolträchtig darauf verweist, dass die Euro-Krise in eine neue Phase getreten ist.

Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben mit Irland ein Rettungspaket in Höhe von rund 85 Milliarden Euro vereinbart. Allerdings haben die Märkte darauf eher kühlt reagiert. Es scheint, dass man nicht sehr viel Hoffnung in eine Wiederbelebung der irischen Wirtschaft setzt. Es gibt zu viele Unbekannte in der Rechnung. Falls Portugal der nächste stürzende Dominostein in der Eurozone werden sollte, würde das wohl mit nur wenig Erstaunen quittiert werden. Dann aber stellte sich die Frage: wie stabil ist Spanien? Anders als die kleinen Volkswirtschaften Griechenlands, Irlands und Portugals trägt Spanien als die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Eurozone erheblich zum wirtschaftlichen Geschehen bei. Entsprechend groß müsste dann auch der Rettungsschirm ausfallen. Glücklicherweise hat sich der Flächenbrand der Schuldenkrise noch nicht nach Spanien ausgebreitet. Damit dies auch so bleibt, hat die Europäische Zentralbank in erheblichem Umfang Staatsanleihen der Krisenländer angekauft. Aber solche Notlösungen packen das Problem nicht an der Wurzel, sondern verschaffen nur eine Atempause. Sobald die Europäische Zentralbank durchblicken ließe, dass mit derartigen Stützkäufen Schluss sei, oder die Finanzmärkte Rückzugstendenzen witterten, würde in der Eurozone Panik ausbrechen.  

In einem solchen Szenario ist schließlich auch China in Mitleidenschaft gezogen. Der Aufkauf von Staatsanleihen der Krisenländer durch die Europäische Zentralbank führt in letzter Konsequenz zu einer Entwertung dieser Anleihen und damit zur Abwertung des Euro. In seiner Eigenschaft als zweitgrößter Reservewährung der Welt findet sich der Euro in erheblichen Mengen unter den chinesischen Devisenreserven. Die chinesische Regierung hat also allen Anlass, sich über die Wertentwicklung des Euro Gedanken zu machen. 

Nach der Wirtschaftskrise 2008 hat China seine Eurobestände erhöht. Wenn es zu keiner Umschuldung der Staatshaushalte und daher zu keinem erheblichen Wertverlust des Euro kommt, würde China durch den Erwerb von Staatsanleihen der Eurozone einen guten Gegenwert erhalten. Allerdings glauben immer mehr Analysten, dass eine Umschuldung in der Eurozone unausweichlich sein wird.

Gegenwärtig ist das Zinsniveau auf dem Anleihenmarkt so hoch, dass Irland und Griechenland unter großem Schuldendruck stehen. Außerdem sind Darlehen aus der EU und vom Internationalen Währungsfonds (IWF) an die Bedingung drastischer Abstriche in der Ausgabenpolitik geknüpft. Dadurch sollen die Staatshaushalte saniert werden. Ein kurzfristiges Ankurbeln der Wirtschaft wird durch eine fallende Staatsquote aber verhindert. Die Krisenländer in der Eurozone könnten so in einen Teufelskreis geraten: Je mehr die Ausgaben gekappt werden, desto unwahrscheinlicher wird die Rettung aus dem Würgegriff der Rezession. Und die Schuldenlast drückt immer stärker. Um diesem Problem zu begegnen, und einen langfristigen Wohlstand in der Eurozone zu sichern, scheint eine Umschuldung gar nicht einmal die schlechteste Idee zu sein. 

In diesem Fall aber würde China unvermeidlich Verluste einfahren. Ist eine Umschuldung aber der einzige Ausweg aus der Krise, und würde dies die Weltwirtschaft wieder auf eine stabile Grundlage stellen, könnte sich China einer solchen Lösung kaum verweigern. Hier sieht man das Dilemma, in dem China steckt.

Der Schlüssel zur Überwindung der Krise läge nicht nur in der Wiederherstellung des Vertrauens in den Euro, sondern auch in einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten der Währungsunion mit dem Ziel, das große Gefälle zwischen den Volkswirtschaften auszugleichen. Leider ist dieser Lösungsansatz nicht in Sicht. 

Was bedenklich stimmt, ist der Imageverlust des Euro in den Augen der Europäer. Sie wenden sich ab von der gemeinsamen Währung. Um das verlorene Vertrauen wiederzugewinnen, müssten Europas Politiker nicht nur die Bedeutung der Gemeinschaftswährung für ein vereintes Europa hervorkehren, sondern tatsächlich am Projekt eines gemeinsamen Europas weiterbauen. Der Weg, der zur EU geführt hat, ist verwinkelt, aber noch lange nicht abgeschlossen. Man soll die Möglichkeiten eines vereinten Europas nicht unterschätzen.

Für China spielt die Rettung des Euro eine wichtige strategische Rolle. Nicht nur in Hinblick auf die Zusammensetzung seiner Devisenreserven, sondern auch mit Blick auf ein künftiges Weltwährungssystem. China hat ein Interesse am Erhalt des Euro als Ergänzung und Alternative zum US-Dollar. Käme es zum Untergang der europäischen Gemeinschaftswährung, wäre die Abhängigkeit Chinas vom US-Dollar noch größer und gefährlicher. Verluste abzuschreiben wäre dann unvermeidlich

Derzeit leidet China unter hohem Inflationsdruck. Wenn sich die Wirtschaftslage in der Eurozone nicht nachhaltig verbessert, wird Anlagekapital und Spekulationsgelder weiterhin verstärkt nach China fließen. Unter solchen Bedingungen gegen Inflation anzukämpfen, wird immer aussichtsloser. So ist die Stützung des Euro auch ein Beitrag zum Kampf gegen Inflation in China.

Denkt man noch weiter, so steht dringend der Umbau der chinesischen Wirtschaft an. Chinas Wirtschaftswachstum darf nicht länger mehr von Exporten abhängig sein, die Inlandsnachfrage muss durch eine Ankurbelung des Konsums belebt werden. Vor diesem Hintergrund erweist sich auch die Aufwertung des Renminbi als unausweichlich.

(Kommentar von caing.com)