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Am 21. Oktober hat das Staatliche Statistikamt die Wirtschaftsdaten Chinas für das dritte Quartal bekannt gegeben. Demnach sei die chinesische Volkswirtschaft um 9,6 Prozent gewachsen. Der Wert liege zwar unter den 10,3 Prozent des zweiten Quartals, offenbare aber eine gesunde Entwicklungstendenz. Er spiegele zugleich den Trend der Wirtschaftsentwicklung hin zu einem Ausbau der Binnennachfrage.
Wachstumstempo normalisiert
Seit dem Rekordwert des Wachstums des BIP im vierten Quartal 2009 von 12,1 Prozent ist das Wachstumstempo abgebremst worden. Im ersten Quartal 2010 betrug das Wachstum gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres 11,9 Prozent, im zweiten ist es auf 10,3 Prozent gesunken, im dritten auf 9,6 Prozent.
Li Huiyong, Chefanalyst von Shenyin Wanguo, einem Investmentberater, sagt, dass die Wirtschaft im Zuge der Regulierungspolitik der chinesischen Regierung grundsätzlich schon wieder in eine normale Situation zurückgekehrt sei.
Die Konjunkturabschwächung ist Folge der Maßnahmen zur Steuerung der Wirtschaft, die von einer zu starken Exportorientierung wegführen sollen. Durch Beseitigung veralteter Produktionskapazitäten, einer Steigerung der Steuerrückvergütungsrate für manche Exportgüter und durch die Reform des Wechselkursregimes baut China die Struktur seiner Wirtschaft um. Die Folge ist eine Verlangsamung der Investitionstätigkeit. Somit sinkt auch die Wachstumsrate der Industrie. Während die Auslandsnachfrage im dritten Quartal immer noch relativ stark gestiegen ist, sind Investitionen und Konsum im zweiten Quartal tendenziell weiter gesunken.
Li sagte, dass das in der Finanzkrise aufgelegte Konjunkturpaket der chinesischen Regierung in Höhe von vier Billionen Yuan bis Ende dieses Jahres auslaufen wird. Die Weltwirtschaft kommt aber erst allmählich in Gang, und Unsicherheiten auf dem Immobilienmarkt sind noch immer nicht überwunden. Deswegen wird sich die chinesische Wirtschaft auch in den nächsten zwei Quartalen noch nicht restlos erholt haben. Erst im zweiten Quartal des nächsten Jahres wird sie wieder deutlich wachsen.
Sowohl für Chinas Entscheidungsträger als auch für den Weltmarkt ist die weiche Landung der chinesischen Wirtschaft eine gute Nachricht. Die chinesische Regierung bemüht sich gerade darum, eine Überhitzung in den Bereichen Immobilien und Schwerindustrie zu vermeiden.
Peng Wensheng, CICC-Chefökonom, meint, dass sich die grundlegende Richtung der makroökonomischen Steuerung Chinas nicht ändern wird. Die Beseitigung rückständiger Produktionskapazitäten, die Steigerung der Steuerrückvergütungsrate bei ausgewählten Exportgütern, die Reform des Wechselkurses und andere Maßnahmen zur Anpassung der Struktur werden Qualität und Struktur des chinesischen Wirtschaftswachstums weiter verbessern. Trotz komplexer weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen steigt das chinesische Wirtschaftswachstum stetig an.
„Will man die Veränderung der wirtschaftlichen Entwicklung beschleunigen, die wirtschaftliche Struktur umstellen, die energiesparenden Emissionsreduktionsziele erreichen, dann ist es unmöglich, darauf zu verzichten, die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums zu drosseln", sagt Peng.
Nachfrage nach wie vor relativ stark
Daten des Staatlichen Statistikamtes zufolge hat der gesamte Einzelhandelsumsatz bei Konsumgütern in China in den ersten drei Quartalen 11102,9 Milliarden Yuan erreicht. Mit einem Anstieg von 18,3 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres hat es ein stetiges und schnelles Wachstum gegeben.
Nach Analyse des staatlichen Wirtschaftsinformationszentrums bildet das anhaltende rasche Wachstum des Einkommens der Bevölkerung eine gute Grundlage für die Ausweitung des Konsums. In diesem Jahr sind die Grundbeträge bei Betriebsrenten um 10 Prozent, die Norm für die Absicherung des Existenzminimums in einigen Provinzen und Städten sowie der Mindestlohn in 23 Provinzen und Städten durchschnittlich um rund 20 Prozent gestiegen. Die Erhöhung der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt hat dazu geführt, dass die Löhne der Wanderarbeiter eine deutliche Steigerung erfahren haben.
Die von der chinesischen Regierung aufgelegten Programme „Verbreitung von elektrischen Haushaltsgeräten in den ländlichen Gebieten", „Tauch alter Autos gegen neue", „Subventionierung von Fahrzeugen mit Hybrid- und Elektroantrieb" haben weiterhin eine wichtige Rolle für den Ausbau des Konsums gespielt. Unter dem gesamten Einzelhandelsumsatz von Verbrauchsgütern in den ersten drei Quartalen sind die Umsätze bei Kraftfahrzeugen um 34,9 Prozent, bei elektrischen Haushaltsgeräten und Audio- und Videogeräten um 28,1 Prozent gestiegen.
Darüber hinaus wird das System der sozialen Absicherung ständig verbessert, so dass sich die Verbraucher weniger Sorgen machen müssen und mehr Geld in den Konsum fließen kann.
Eigentlich könnte die Binnennachfrage noch größer sein, aber einige Faktoren haben den Konsum eingeschränkt. Regulierungs- und Kontrollmaßnahmen auf dem Immobilienmarkt haben dazu geführt, dass das Wachstum in diesem Bereich verlangsamt wurde. Dementsprechend sanken die Umsätze bei elektrischen Haushaltsgeräten, Möbeln, Baustoffen und Gütern zur Raumausstattung. Preiserhöhungen bei Energie und Wasser haben sich zudem ungünstig auf den Konsum anderer Verbrauchsgüter ausgewirkt.
„Im Großen und Ganzen wird die Wachstumsdynamik in der Konsumnachfrage stetig beibehalten", so der Bericht des Staatlichen Wirtschaftsinformationszentrums.
Inflation zeichnet sich ab
Ein Kernproblem des chinesischen Wirtschaftsablaufs im dritten Quartal sind steigende Verbraucherpreise. Der CPI-Anstieg im Juli hat erneut die Warnlinie der chinesischen Regierung von 3 Prozent überschritten. Im August gab es eine Steigerung von 3,5 Prozent gegenüber dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Daten des Staatlichen Statistikamtes zufolge hat der CPI-Anstieg im Vergleich zum gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres im dritten Quartal 3,6 Prozent erreicht. Daher ist die Eindämmung inflationärer Tendenzen zur Priorität in der Wirtschaftspolitik geworden.
Yuan Gangming, Forschungsrat am Forschungszentrum für Welt- und Binnenwirtschaft an der Tsinghua Universität, stellt fest, dass der CPI-Anstieg im September hauptsächlich durch Preiserhöhungen bei Gemüse und anderen Lebensmitteln verursacht worden sei.
Beitrag des Außenhandels weiter rückläufig
Daten des Staatlichen Statistikamtes zufolge beträgt der Außenhandel Chinas von Januar bis September 2148,68 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres ein Wachstum von 37,9 Prozent. Der Export schlug dabei mit 1134,64 Milliarden US-Dollar zu Buche, eine Steigerung der Exportleistung um 34 Prozent. Im Vergleich zur ersten Hälfte dieses Jahres ist die Wachstumsrate des Außenhandels weiter nach unten gegangen. In der ersten Hälfte dieses Jahres betrug das Außenhandelsvolumen Chinas 1354,88 Milliarden US-Dollar, mit einem Anstieg im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr von 43,1 Prozent. Der Anteil der Ausfuhren betrug 705,09 Milliarden US-Dollar, was einen Anstieg von 35,2 Prozent bedeutet.
Dies ist für die chinesische Wirtschaft eine erfreuliche Tendenz. Eine allmähliche Abkehr von Chinas exportabhängigem Wirtschaftswachstum scheint denkbar.
Analysen des Staatlichen Wirtschaftsinformationszentrums zufolge konnte die chinesische Exportwirtschaft die Wachstumsrate der ersten Hälfte dieses Jahres infolge der Verlangsamung der Entwicklung der Weltwirtschaft nicht beibehalten. Unter dem Eindruck der Schuldenkrise ist in Europa die Konsolidierung der Staatshaushalte zum beherrschenden Thema geworden. Die meisten EU-Staaten haben daher ihre Ausgaben reduziert. Zugleich sind die Kosten für den Handel und die Beschaffung von Geldmitteln gestiegen, was den Export Chinas negativ beeinflusst hat.
Zudem hat die wachsende protektionistische Stimmung in den USA und Europa, die Umsetzung der handelspolitischen Schutzmaßnahmen und die Verlängerung der Umsetzungszeit dieser Maßnahmen die chinesischen Exporte betroffen.
Auch hat die Senkung der Steuerrückvergütung bei ausgewählten Gütern die Ausfuhren gebremst. Das Finanzministerium und die Steuerbehörde haben beschlossen, seit dem 15. Juli den Steuernachlass bei insgesamt 406 Waren abzuschaffen, was hauptsächlich Stahl, NE-Metalle, pharmazeutische Produkte, Kunststoffe und Kautschuk betrifft. Produkte aus diesen Bereichen hatten zuvor eine Steuerrückvergütung von 5 bis 17 Prozent genossen. Der Wegfall dieser Vergünstigung hat dazu geführt, dass im dritten Quartal die Ausfuhren der betreffenden Industrien deutlich rückläufig waren.
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